„Fall Constantin“: Die übliche Hooligan-Problematik

dislike-2651768_1280(causasportnews / red. / 29. September 2017) Der organisierte Fussball tut sich bekanntlich schwer mit dem Hooligan-Problem. Niemand mag so richtig durchgreifen; die Gründe hierfür sind verschieden (Berührungsängste, Opportunismus, Kungeleien, Zeitgeist, Gesinnungstäterschaft). Ob es „klassische“ Hooligans betrifft oder Sportfunktionäre, die sich wie Hooligans gebärden, scheint jedoch effektiv keinen markanten Unterschied zu machen. Das Beispiel hierfür liefert der streitbare Präsident des schweizer Super League-Klubs FC Sion, der im Fussballstadion im Wallis den ehemaligen Nationaltrainer der Schweiz, Rolf Fringer, vor TV-Kameras übel körperlich angegriffen hatte (vgl. auch Causa Sport News vom 23. November 2017). Der Vorfall ereignete sich vor weit mehr als einer Woche, ist von den Fakten her „glasklar“, doch scheint dieser Vorgang – wie Hooligan-Vorfälle im Allgemeinen – wenn überhaupt, eher moderat abgehandelt zu werden – Konsequenzen scheinen in weiter Ferne zu sein. Die Verbandsjustiz lässt sich vom Fehlbaren an der Nase herumführen, entschieden wird nichts, und dem Walliser Präsidenten gelingt es, wie in vielen Fällen früher, die Medien für seine Zwecke zu instrumentalisieren und die Öffentlichkeit für sich einzunehmen. An einer von ihm einberufenen Medienkonferenz versuchte er, den Geschädigten der üblen Attacke, Rolf Fringer, als Bösewicht darzustellen und um Verständnis für seine unentschuldbare Aktion zu werben. Das ist ihm auch gelungen: Die Medien triefen seither geradezu von herzerreissenden Geschichten über den gewalttätig gewordenen Fussball-Präsidenten, der im Leben gelernt hat, aus Nichts etwas zu machen und sich nicht nur innerhalb des Fussballstadions durchzuboxen gewohnt ist. Die übliche, rührselige Boxer-Karriere also. Oder die bekannte Hooligan-Problematik, nur mit dem Unterschied, dass der Walliser Fussball-Präsident zur einheimischen und auch nationalen Prominenz zählt. Und mit dieser gehen die staatlichen und privaten Behörden und Organisationen in der Schweiz eh ein bisschen anders um als mit anderen Zeitgenossen. Ein kleines Problem hat sich allerdings nach der Prügel-Attacke des Sion-Präsidenten im Stadion dennoch ergeben. Der rührige bis rüde Funktionär wird im Wallis wie ein Heiliger verehrt und gilt als Zugpferd für Projekte aller Art. Kein Wunder ist es deshalb, dass Christian Constantin, oder „CC“ wie er liebevoll genannt wird, auch seine Idee, 2016 Olympische Winterspiele ins Wallis zu holen, seit Monaten in den Medien omnipräsent erscheinen lässt. „CC will Olympia ins Wallis holen“, titelten die Gazetten etwa. Dass Aktionen, wie diejenige, zu der sich „CC“ gegen Rolf Fringer hinreissen liess, den erfolgreichen Bestrebungen einer Olympia-Ausrichtung nicht gerade förderlich sind, liegt auf der Hand. Natürlich gehörte der Sion-Präsident seit Beginn der Olympia-Bewerbung für das Jahr 2016 dem Bewerbungskomitee an. Aus diesem ist er allerdings unmittelbar nach dem Gewalt-Vorfall im Sittener Stadion postwendend ausgetreten – es war dies die einzige Konsequenz, die „CC“ nach dem Vorfall gezogen hatte. Der Rückzug ist leicht nachvollziehbar, befindet sich doch das Walliser Olympia-Dossier im Moment bei der schweizerischen Landesregierung; von ihr will das Wallis finanzielle Zusicherungen für den geplanten Mega-Anlass. Dass sich der Bundesrat vielleicht schwer tun würde, einem Bewerbungskomitee eine Milliarde Franken zuzusagen, wenn in der lokalen Organisation ein zur Gewalt im Sportstadion neigender Fussball-Präsident federführend aktiv ist, liegt auf der Hand. Aber grundsätzlich wäre eine solche Befürchtung wohl eher unbegründet, weil sich die Regierung vor allem in solchen Dingen so oder so durchwegs opportunistisch zu verhalten pflegt. – Der neuste „Fall Constantin“ ist an sich nichts anderes als eine Hooligan-Geschichte, mit dem Unterschied, dass die betroffene Person sich nicht in der Anonymität bewegt, jedoch damit rechnen darf, dass er als Täter auf jeden irgendwie begründbaren Goodwill zählen kann. Wäre es anders, hätten die Fussballbehörden den Aggressor nach der undiskutablen Faktenlage längst für immer aus dem Verkehr gezogen.

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