Die perpetuierte Demontage des „Kaisers“ und handfeste Olympia-Skandale

(causasportnews / red. / 2. Oktober 2017) Genau zwei Jahre sind es her, seit das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ mit der “wahren Geschichte der WM 2006“ aufgewartet hat. Diese Geschichte erschöpft sich allerdings nach wie vor in Mutmassungen und Hypothesen aller Art, die nach Auffassung des Blattes das „Sommermärchen“ endgültig zerstört haben sollen. Auch nach zwei Jahren fehlen immer noch unverrückbare Fakten, welche belegen würden, dass die Vergabe der WM-Endrunde 2006 an Deutschland gekauft worden wäre. In diesem Zusammenhang werden immer wieder einige der in die Vorgänge involvierten Personen genannt, insbesondere auch der Präsident des damaligen WM-Organisationskomitees, die Fussball-Legende Franz Beckenbauer. Wohl auch aus Frustration, dass die vom „Spiegel“ behaupteten Fakten immer noch unbelegt sind, legt das Magazin in der jüngsten Ausgabe (40/ 3. September 2017) nach und fährt mit der Demontage des „Kaisers“ fort. Zum zweiten Jahrestag der Aufdeckung des angeblichen Vergabe-Skandals folgt nun die wohl letzte Eskalationsstufe im journalistischen Vernichtungsprozess des „Kaisers“: Dessen Lächerlichmachung und psychopathologische Erniedrigung. Dies gipfelt etwa in der entsprechenden Qualifikation von Franz Beckenbauer, was sich im Titel der jüngsten Geschichte des „Spiegels“ niederschlägt: „Des Kaisers Amnesie“ lautet die Headline zur Geschichte, welche die angeblichen Gedächtnisstörungen von Franz Beckenbauer thematisiert. Dies, weil sich Franz Beckenbauer an die Vorkommnisse im Zusammenhang mit der WM-Vergabe an Deutschland nicht mehr erinnern können soll. Nach der Lektüre dieses Artikels kann allerdings wie vor zwei Jahren, als der „Spiegel“ mit der Aufbereitung des nach ihm „zerstörten Sommermärchens“ begann, drängt sich nur die gleiche Schlussfolgerung auf, wie sie auch Doktor Faustus damals gezogen hatte: „Hier steh ich nun ich armer Tor und bin so klug wie nie zuvor…“.

Handfester geht es derzeit bei den Olympioniken in Lausanne her und zu. Aus der Westschweiz war im Zusammenhang mit den Turbulenzen beim Weltfussballverband FIFA immer wieder zu hören, dass sich ein derartiger Skandal im olympischen Vergabe-System nicht ereignen könne. Man habe längst die Lehren aus den korruptiven Vorgängen um die Olympischen Spiele in Salt Lake City (2002) gezogen, Missstände beseitigt, die IOK-Satzungen reformiert, sich von unlauteren IOK-Mitgliedern befreit – kurz: Man habe ein „grosses Reinemachen“ vorgenommen. Offenbar war dieser Reinigungsprozess doch nicht so, wie immer wieder verkündet worden ist, nämlich von porentiefer Intensität. Das IOK sieht sich nämlich mit Belegen konfrontiert, die (erneut) auf handfeste Skandale hindeuten: Im Zusammenhang mit der Vergabe der Olympischen Spiele 2020 an Tokio wird offen von „Stimmenkauf“ gesprochen, und auch bezüglich der Spiele in Rio (2016) ermitteln die Untersuchungsbehörden. Gemäss aktuellen, übereinstimmenden Medienberichten werden demnächst Vorgänge, von denen man meinen würde, sie gehörten im IOK der Vergangenheit an, publik, da verschiedene Ermittlungsverfahren brisante Beweise zu Tage gefördert hätten. Sollte es sich zeigen, dass es im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen von Rio und von Tokio zu gravierenden Unregelmässigkeiten und Beeinflussungen gekommen ist, hätte das IOK den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verspielt, und es dürften sich künftig kaum mehr valable Kandidatenstädte zwecks Austragung Olympischer Spiele finden lassen. Auch die Chancen einer Kandidatur von Sion (2026) wären dann definitiv bei null angelangt (vgl. auch Causa Sport News vom 29. September 2017). Dass das IOK erneut in einen derartigen Strudel gerät, ist im Vergleich zu FIFA nachvollziehbar: Dem IOK gehören nur schwer kontrollierbare, natürliche Personen als Mitglieder an, bei der FIFA sind die offener agierenden Landesverbände Mitglieder des Weltfussballverbandes.

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