Im Stil eines Hooligans – Klubpräsident greift ehemaligen Nationaltrainer tätlich an

(causasportnews / rbr. / 23. September 2017) Der schweizerische Fussball hat einen waschechten Skandal: Nach Abpfiff des Super League-Spiels zwischen dem FC Lugano und dem FC Sion (21. September 2017) attackierte der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, einen Experten des Fernsehsenders Teleclub tätlich und vor laufender Kamera. Bei diesem Experten handelte es sich um niemand Geringeren als Rolf Fringer,  dem ehemaligen Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft, zweifacher Meistertrainer mit dem FC Aarau und dem Grasshopper Club Zürich sowie Übungsleiter bei diversen weiteren nationalen und internationalen Spitzenklubs (u.a. VfB Stuttgart, PAOK Saloniki, FC Zürich).

Der Sachverhalt ist mittlerweile hinlänglich bekannt: Christian Constantin rannte nach Spielschluss auf Rolf Fringer zu, verpasste ihm mehrere Schläge ins Gesicht sowie einen Tritt in den Rücken, und stürmte wieder davon. Als Grund für seinen feigen Angriff – er schlug noch zu, als Rolf Fringer bereits am Boden lag – machte Christian Constantin danach geltend, er sei von Rolf Fringer schon seit Monaten und insbesondere in einem Interview vor dem Spiel verbal beleidigt und verunglimpft worden.

Juristisch wird der Vorfall zweifellos Konsequenzen haben.Zunächst einmal hat Christian Constantin, der auf Klagen gerne mit Gegenklagen reagiert und sich vom Täter zum Opfer macht, gemäss eigener Aussage Strafanzeige gegen Rolf Fringer wegen übler Nachrede und Verleumdung (Art. 173 und Art. 174 des Schweizerischen Strafgesetzbuches, StGB) eingereicht und bereitet eine Zivilklage gegen ihn vor. Rolf Fringer hat seinerseits angekündigt, gegen Christian Constantin Strafanzeige einzureichen. Der Angriff Christian Constantins dürfte den Tatbestand der Tätlichkeit (Art. 126 StGB), allenfalls der versuchten einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 i.V.m. Art. 22 StGB) erfüllen. Auf Tätlichkeiten steht als Strafe Busse bis 10 000 Franken (Art. 106 Abs. 1 StGB).

Christian Constantin, der einschlägig vorbestraft ist – er hatte vor rund dreizehn Jahren einen Schiedsrichter tätlich angegriffen und verletzt –, droht jedoch auch von Seiten der Sportjustiz Ungemach. Als Präsident des FC Sion ist Christian Constantin den Regularien des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) und der Swiss Football League (SFL) unterstellt. Diese können deshalb Disziplinarmassnahmen gegen ihn verhängen. Das Spektrum an möglichen Sanktionen reicht von einer Busse über ein Platzverbot bis hin zu einem Verbot, für bestimmte oder unbestimmte Zeit in seiner Funktion tätig zu sein (Art. 24 der Rechtspflegeordnung SFV). Da das Verhalten Christian Constantins mutmasslich gegen die Verhaltensregeln des Verbands und der Liga verstossen hat, kündigte die SFL bereits an, den Vorfall zu untersuchen. Es ist also denkbar, dass das Spiel gegen den FC Lugano für eine Weile das letzte war, das Christian Constantin als Präsident des FC Sion im Stadion mitverfolgte.

Was schliesslich Rolf Fringer betrifft – er hatte Christian Constantin u.a. als „Narzisst“ bezeichnet, der „null Empathie und Gefühle für andere Leute“ habe und sich „lächerlich“ verhalte –, so dürfte dieser der von Christian Constantin gegen ihn eingereichten Strafanzeige wesentlich gelassener entgegenblicken dürfen: Dass seine Äusserungen als strafrechtlich relevante Ehrverletzung zu qualifizieren wären, ist – v.a. vor dem Hintergrund des relativ engen Ehrbegriffs im Strafrecht – eher zweifelhaft.

Eine erste Konsequenz hat Christian Constantin, der bislang keine Reue gezeigt hat und erst recht nicht gedenkt, sich zu entschuldigen, aus dem Vorfall indessen bereits gezogen: Er ist aus dem Bewerbungskomitee für die Olympischen Spiele Sion 2026 zurückgetreten. Ob dies aus eigenem Antrieb geschah oder ihm von anderer Seite nachdrücklich nahegelegt wurde, ist freilich nicht bekannt…

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