Weiteres Kapitel in der „Causa Sommermärchen“

Theo_zwanziger_20060119

Dr. Theo Zwanziger (copyright Manuel Heinrich)

(causasportnews / red. / 4. Mai 2017) Im Herbst sind es zwei Jahre her, seit Medien in Deutschland das „Sommermärchen“ 2006 in Deutschland mit einer Schocknachricht entzaubert hatten – oder es vielmehr entzaubern wollten: Vermeldet wurde im Rahmen einer bis heute andauernden Medienkampagne, dass der Zuschlag der Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland auf unlauteres Verhalten von Exponenten des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) bzw. des WM-Organisationskomitees (OK) zurückzuführen sei. Konkret wurde der Vorwurf des „Stimmenkaufs“ erhoben – ohne jedoch die entsprechenden Beweise vorzulegen. Seither brodelt es im Dunstkreis der WM-Vergabe 2006. Insbesondere ist nach wie vor der Grund einer Zahlung des DFB von 6,7 Millionen Euro bis heute unklar; die Zahlung gelangte 2005 vom Deutschen Verband an den Weltfussballverband FIFA. Dieser war jedoch nicht der letzte Empfänger des Geldes. Die Überweisung war seitens des DFB vom damaligen DFB-Funktionär- und OK-Mitglied Dr. Theo Zwanziger, von 2006 bis 2012 DFB-Präsident, und einem weiteren Funktionär und Mitglied des OK (Horst R. Schmidt) freigegeben worden. Für was das Geld effektiv bezahlt worden ist, bildet nun seit bald zwei Jahren Raum für Spekulationen: Sollte damit das Stimmverhalten von Exekutivkomitee-Mitgliedern der FIFA bei der Vergabe der WM-Endrunde 2006 beeinflusst werden? Oder ging es um einen anderen Zahlungsgrund? Fragen über Fragen. Schon bald nach den reisserischen Medienberichten zum „zerstörten Sommermärchen“ beauftragte der arg in die Bredouille geratene DFB eine grosse Anwaltskanzlei „Freshfields“ mit der Abklärung des in den Medien Behaupteten. Der sog. „Freshfields-Bericht“, eine millionen-teure Untersuchung, kam zum sibyllinischen Schluss, Beweise für einen Stimmenkauf seien nicht zu finden; ein solcher sei aber auch nicht auszuschliessen. Das Untersuchungsresultat passte in den verworrenen Vorgang und erinnerte an eine alte Wetterregel: „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert das Wetter oder es bleibt wie es ist“ (vgl. dazu auch Causa Sport News vom 7. März 2016). Gegen verschiedene Passagen des „Freshfields-Berichts“ und gegen die vom DFB mit der Abklärung der Vorgänge beauftragte Kanzlei Freshfields“ will nun der in den ominösen Zahlungsvorgang involvierte Theo Zwanziger, der für seine Prozessfreudigkeit bekannt ist, juristisch vorgehen, wie deutsche Medien berichten. Offenbar stört sich Theo Zwanziger an einer Feststellung im von über 40 (!) Juristinnen und Juristen von „Freshfields“ angefertigten Bericht, dass die Zahlung von 6,7 Millionen Euro vom WM-OK bewusst falsch deklariert worden sei. Es darf in Anbetracht des Prozessthemas die Prognose gewagt werden, dass sich auch in einem solchen Verfahren der wahre Zahlungsgrund für die 6,7 Millionen Euro nicht wird eruieren lassen. Der ganze Komplex wird Funktionäre, Juristen und die Öffentlichkeit in jedem Fall weiter beschäftigen. Oder, wie es der Franzose sagen würde: Une affaire à suivre…

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