causasportnews.com – 80/2026, 31. August 2026

(causasportnews / red. / 31. August 2026) Nach der WM-Endrunde 2026 in den USA, in Mexiko und in Kanada wird im Welt-Fussballverband FIFA der nächste, interne Höhepunkt mit Breitenwirkung angepeilt: Die Präsidentenwahl des Verbandes am 18. März 2027. Dann wird der aktuelle FIFA-Präsident versuchen, vom Kongress (Vereinsversammlung der 211 nationalen Fussballverbände) in Rabat für eine dritte Amtszeit gewählt zu werden.
Dazu sind zwei Aspekte vordergründig: Bislang wurde breitgefächert darüber gestritten, ob Gianni Infantino nochmals für eine weitere, dritte Amtszeit gewählt werden kann. Aus juristischer Sicht ist es klar: Er kann. Wird er sich aber auch zur Wahl stellen? Diese Frage kann nun immer weniger mit letzter Klarheit beantwortet werden. Vorkommnisse anlässlich der WM-Endrunde 2026 und danach hinterlassen Spuren. Gianni Infantino hat sich den Zorn eines Teils der Fussball-Community zugezogen. Etwa durch seine Nähe zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump, was zur vielkritisierten Einmischung der Politik in den Sport geführt hat; der Fall der aufgehobenen «Rot-Sperre» gegen den amerikanischen Stürmer Folarin Balogun hat die Fussball-Welt geradezu elektrisiert. Geht es um die Integrität des Spiels und des Sports, erträgt es keinen Spass. Der vorgesehene Verkauf von WM-Rechten an schillernde Personen aus dem Umfeld des US-Präsidenten hat ebenso für Irritation gesorgt wie die weiteren Alleingänge des FIFA-Präsidenten und sein intransparentes Verhalten in wichtigen Vorgängen. Dass Gianni Infantino das Invest-Projekt nur nach Boykott-Androhungen und einem wüsten Hauen und Stechen innerhalb und ausserhalb der Fussball-Gemeinde fallen liess, hat ihm mehr geschadet als genützt.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hat nun auch die Gefolgschaft grosser und bedeutender, nationaler Verbände verloren. Zugute kommt ihm im Verband «FIFA» allerdings das «Kopfstimm-Prinzip», das besagt, dass die Einzelstimmen der sog. bedeutenden Nationalverbände über die gleiche Stärke und Bedeutung verfügen wie die Stimmen von Kleinst-Verbänden, wie Liechtenstein, Curaçao, Montserrat oder San Marino. Der gewiefte Taktiker Gianni Infantino wird sich in Anbetracht der Widerstände der bedeutenden Verbände, vor allem aus Europa, an die kleinen Verbände halten, getreu dem schon von Joseph Blatter geprägten Bonmot: «Man muss die Schafe zählen, nicht wägen».
Die Stimmung gegenüber dem amtierenden FIFA-Präsidenten verschlechtert sich zwar zusehends, doch wird Gianni Infantino alle Kraft in den laufenden Wahlkampf investieren, um es am 18. März 2027 in Rabat zum dritten Mal zu schaffen, für weitere vier Jahre zum Präsidenten gewählt zu werden. Hält er solange durch? Bis dann wird er einiges zu überstehen haben; neuerdings muss er sich auch noch juristisch gegen Klagen, Anzeigen und Beschwerden aller Art zur Wehr setzen. Es kommt ihm zweifelsfrei entgegen, dass sich bis jetzt weit und breit kein valabler Gegenkandidat für das höchste Funktionärsamt im Fussball empfohlen hat. Der UEFA-Präsident, Aleksander Ceferin, will nicht, andere (deren Namen seien höflichst verschwiegen), fallen wegen Unfähigkeit ausser Traktanden. Grundsätzlich wäre es für den globalen Fussball nicht schlecht, wenn das höchste Amt in der FIFA, einem Verein nach Schweizerischem Vereinsrecht (Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB), wie bis anhin von einem Schweizer versehen würde. Zwischenzeitlich ist bereits ein Name genannt worden, nämlich der des versierten Juristen und CEO der Schweizerischen Professional-Liga «Swiss Football League», Claudius Schäfer. Der eher zurückhaltende Berner Fürsprecher konnte sich kürzlich zur «Causa Gianni Infantino» nicht mehr zurückhalten und zeigte sich besorgt über die Führung des Verbandes durch den Walliser. «Wir stellen seine Eignung für das Amt des Präsidenten in Frage», wird er von gewichtigen Medien zitiert. Und: «Wir wollen nie wieder einen Präsidenten, der so mächtig ist wie dieser», sagte der auch sprachgewandte Berner, der sich mit seinen 54 Jahren im besten Funktionärsalter befindet. Könnte er für eine Überraschung sorgen? Solche gibt es bekanntlich im Sport immer wieder…
