Ex-Skispringer Lukas Müller: Unfall als zweiter Geburtstag

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(causasportnes / red. / 5. November 2020) Mehrmals haben «Causa Sport» und «causasportnews» über den tragischen Skisprungunfall des Österreichers Lukas Müller berichtet; im Zentrum standen dabei dienst- und versicherungsrechtliche Fragen (vgl. dazu «Causa Sport» 1/2019, 67 ff., und 2/2019, 171 ff.). Aber auch der Heilungsprozess des heute 28jährigen Kärntners war stets ein Thema. So schrieb «causasportnews» am 15. Juni 2019 von einer «wundersamen Wende». War es das? Ja und nein. Derzeit und im Vorfeld des herannahenden Winters ist Lukas Müller jedenfalls ein aktuelles Medienthema. Der am 13. Januar 2016 auf der Kulm-Flugschanze in Bad-Mitterndorf (Österreich) als Vorspringer schwer verunglückte, damals äusserst talentierte Athlet, der nach seinem Horror-Sturz einen Genickbruch und eine irreversible Querschnittlähmung erlitten hatte, ist heute in der Lage, ein paar Schritte  ohne Krücken zu gehen; und Berge zu erklimmen! Viel hat sich an seinem Zustand zwischenzeitlich jedoch nicht verändert. Dennoch äussert sich Lukas Müller zu seinem Leben, das ihn weitgehend an den Rollstuhl fesselt, dankbar und demütig. Der Ex-Skispringer hat sein Schicksal angenommen, das Bewunderung abverlangt und diejenigen beschämt, die sich oft über Kleinigkeiten des Alltags zu echauffieren pflegen (hier nimmt sich der Schreibende nicht aus). «Ein Genickbruch ist kein Todesurteil», lautet die Überschrift über ein längeres Interview, das in der Schweizer Tageszeitung «Sonntags-Blick» erschienen ist (1. November 2020). Zur Unglücksursache, beim Sprung rutschte Lukas Müller mit Tempo 120 Km/h aus einem Schuh und stürzte sieben Meter ab, meint er: «Es war einfach viel Pech auf einmal, eine Kombination aus verschiedenen Gründen. Ich gebe niemandem die Schuld dafür. Wenn das Schicksal dich trifft, kann man nichts dagegen machen.». Und zum Genickbruch: «Ich dachte vorher immer, das sei ein Todesurteil. Doch ich bin der lebende Beweis dafür, dass dem nicht so ist. Auf dem Bild sieht man bei genauer Betrachtung, dass sich die Finger meiner linken Hand zum Victory-Zeichen geformt haben. Natürlich war das ein Zufall, jedoch ein recht schöner. Denn in jeder noch so schwierigen Situation gibt es einen positiven Aspekt.». Auf die Frage, ob demnach der Tag des Unfalls, der 13. Januar 2016 kein Unglückstag für ihn gewesen sei, antwortet der ehemalige Spitzensportler: «Nein, es ist mein zweiter Geburtstag, denn ich habe Glück gehabt. Ich könnte seitdem auch im Grab liegen. Doch ich bin glimpflich davongekommen, wenn man mich mit anderen Verunfallten vergleicht.». Immerhin habe er einen funktionierenden Kopf und halbwegs funktionierende Hände. Lukas Müller ist sich bewusst, dass sein Leben nie mehr so sein wird, wie es vor dem 13. Januar 2016, am Tag des Unfalls, war. Dennoch trainiert er weiterhin intensiv, um den Gesamtzustand zu verbessern. «Es lässt sich noch viel rausholen. Solange ich merke, dass mein Körper mein hartes Training honoriert, werde ich weitermachen.», sagt er mit dem eisernen Willen eines Sportlers. Und: «Man sollte jedem Tag die Chance geben, der beste deines Lebens zu werden. Ich versuche es so.». Einer dieser Tage war zweifellos die Besteigung des «Nocksteins» bei Salzburg im Sommer. Lukas Müller war ein wenig «stolz auf sich», was «normalerweise nicht sein Ding sei», meint er. Und lakonisch dazu: «Es gibt wohl nicht viele Querschnittgelähmte, die ein Gipfelkreuz live sehen konnten.».  Auf die Frage, ob man über Rollstuhlfahrer eigentlich Witze machen dürfe, bejaht dies Lukas Müller umgehend. «Man muss über sich lachen können, auch wenn man im Rollstuhl sitzt.». Was er sich immer wieder mit Blick auf den Horror-Sturz und die Folgen im Rollstuhl sagt: «Dumm gelaufen».

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