«Das ganze Unglück kommt vom Sport»

Hat offenbar nicht nur Sonnenseiten: Der österreichische Skisport (hier die von Zaha Hadid entworfene Ski-Sprungschanze in Innsbruck).

(causasportnews / red. / 28. Dezember 2018) Auch wenn es gewisse Medien anders sehen oder sehen wollen, sorgen seit geraumer Zeit Missbrauchs-Skandale im organisierten Sport eher für markante Schlagzeilen als breitflächig thematisierte, meist länger zurückliegende pädosexuelle Vorkommnisse in der katholischen Kirche. Diesbezüglich richtet sich der Fokus nicht nur nach Übersee, wo Missbrauchsskandale etwa im US-Turnen oder im Schwimmsport immer weitere Kreise ziehen. Auch Europa ist nicht verschont, wenn es um den Missbrauch von Machtstellungen und insbesondere um so begünstigte sexuell motivierte Taten geht. Zum Beispiel im Österreichischen Skiverband (ÖSV). In dieser Organisation scheinen sich in den 1970er Jahren Vorkommnisse ereignet zu haben, die das Prädikat „verwerflich“ verdienen, falls sich die Vermutungen tatsächlich bestätigen sollten. Involviert sind ehemalige Funktionäre (angebliche Täter) und Ski-Rennläuferinnen (als angebliche Opfer). Aufgebracht hat die unappetitliche Geschichte die ehemalige Rennläuferin Nicola Werdenigg. Beschuldigt worden ist vor allem ein früherer Erfolgstrainer; die Vorfälle haben bereits zu Prozessen in Österreich geführt.-

Der Sport ist bekanntlich nicht nur selbst eine Bühne; neuerdings werden er und seine Nebenerscheinungen auch im konventionellen Schauspiel abgehandelt. So ist vor einigen Tagen in Köln ein für die Sportwelt bemerkenswertes Stück uraufgeführt worden, das die nicht unumstrittene österreichische (!) Autorin und Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek geschrieben und Stefan Bachmann inszeniert hat. In „Schnee Weiss“ arbeitet die weltberühmte Autorin auf ihre provokative Art die Geschehnisse im Österreichischen Skisport, sinnigerweise in Deutschland, auf: Ein bisschen geschlachtete Ski-Hasen, ein Verbandspräsident als Gott-Vater, ein wenig Buckel-Piste, dazu eine weisse Schneedecke, die auch das Folterverlies von Josef Fritzl, ebenfalls ein Österreicher, der seine Tochter über Jahre unterirdisch gefangen hielt, tarnt; die Schneekanone verdeckt alle Machtdemonstrationen, zu denen im Wintersport engagierte Menschen fähig sind. Schuld an allen so thematisierten Miseren im (Ski-)Sport ist nach dem Theaterstück natürlich nicht der Champagner – so wie in der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss –, sondern der Sport selber: „Das ganze Unglück kommt vom Sport“, lautet die uniforme Feststellung im Stück der 72jährigen Österreicherin, das bis auf weiteres im Schauspiel Köln zu sehen ist (vgl. zur Uraufführung etwa die Kritik von Daniele Muscionico in der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom 24. Dezember 2018). Wenn schon Gott ins Spiel gebracht wird, darf eine Konklusion nicht fehlen: Der Herrgott hat es beim Menschen im Allgemeinen nicht dabei bewenden lassen, ihn salopp als „Krone der Schöpfung“ zu qualifizieren. Er hat versucht, noch einen besseren Menschen zu formen: Den Sportler eben. Aber auch dieser Versuch scheint gescheitert.

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