RUSADA wieder rein, RUSAF weiter raus – Uneinheitliche Bewältigung des russischen Dopingskandals

russia-1454933_1920(causasportnews / red. / 1. Oktober 2018) Der internationale Sport bekundet nach wie vor Mühe mit einer einheitlichen Linie bei der Bewältigung des russischen «Staatsdoping»-Skandals. So hat etwa, während der Internationale Leichtathletikverband IAAF im Sommer entschieden hatte, den Russischen Leichtathletikverband RUSAF die volle Mitgliedschaft nicht wieder zu gewähren, die Welt-Antidopingagentur WADA nun im September beschlossen, die Russische Antidopingagentur RUSADA wieder als die für Russland zuständige Antidopingstelle anzuerkennen.

Die RUSAF war von der IAAF im November 2015 im Nachgang zur Aufdeckung des im russischen Sport weit verbreiteten und von staatlicher Seite unterstützten Dopings zunächst provisorisch und dann definitiv suspendiert worden. Die Wiederzulassung der RUSAF als volles IAAF-Mitglied wurde von der Erfüllung mehrerer Voraussetzungen abhängig gemacht, die von einer «Task Force» überprüft wurden. Gemäss dem jüngsten Bericht der Task Force erfüllt die RUSADA immer noch nicht alle entsprechenden Voraussetzungen, weshalb der Rat der IAAF im Juli beschlossen hat, die Suspendierung weiter aufrecht zu erhalten. Als Folge der Entscheidung der IAAF können russische Athletinnen und Athleten weiterhin nicht an internationalen Leichtathletikwettbewerben teilnehmen. Die RUSADA hat den entsprechenden Beschluss des IAAF-Rates beim internationalen Sportschiedsgericht CAS angefochten.

Die WADA ihrerseits hatte – ebenfalls im November 2015 – befunden, dass die RUSADA mit dem Welt-Antidoping-Code nicht (mehr) in Einklang stehe. Solche Feststellungen haben zur Folge, dass die betroffene Stelle ihren Status als nationale Antidoping-Agentur verliert. Da das Bestehen einer von der WADA anerkannten Antidoping-Agentur in einem Land wiederum bestimmte Folgen für die Teilnahme des betreffenden Landes bzw. dessen Athletinnen und Athleten am internationalen Sport zeitigt, hat der Entzug der Anerkennung durch die WADA empfindliche Konsequenzen. Im September 2018 hat die WADA nun indessen entschieden, die RUSADA wieder als die nationale Antidoping-Agentur in Russland wieder anzuerkennen; dies allerdings unter Auflagen. So müssen die RUSADA und das russische Sportministerium dafür sorgen, dass die WADA Zugriff auf Daten des früheren Moskauer Antidoping-Labors erhält und dass jegliche Nach-Analysen von Dopingproben, die gestützt auf eine Auswertung der entsprechenden Daten angeordnet werden, zeitnah erfolgen. Darüber hinaus wird die RUSADA innerhalb der nächsten vier Monate einer Kontrolle unterzogen werden, ob sie sämtliche Verpflichtungen aus dem Welt-Antidoping-Code einhält.

Die Entscheidung der WADA ist allgemein auf breite Kritik gestossen. Der WADA wurde insbesondere vorgeworfen, dass sie lediglich dem Druck seitens Russland nachgegeben und finanzielle Interessen über diejenigen an einem «sauberen» Sport gestellt habe. Die Konsequenz, mit der die WADA die Einhaltung der im Zusammenhang mit der Wiederanerkennung der RUSADA gemachten Auflagen überwacht, wird letztlich zeigen, ob die Kritik berechtigt war.

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