Kommunikation und Strukturen schiessen keine Tore

PetkovicLöw

Vladimir Petkovic & Joachim Löw am Swiss Sport Forum in Zürich (copyright http://www.swisssportforum.ch)

(causasportnews / red. / 3. September 2018) Endlich haben sie geredet, die Trainer der Nationalmannschaften Deutschlands und der Schweiz, Joachim Löw und Vladimir Petkovic. Gesagt wurde allerdings wenig bis nichts. Das ging wohl auch nicht. Ihre Bilanzen zur WM-Endrunde hätten auch relativ kurz und bündig ausfallen müssen: Ihre Spieler haben am Turnier in Russland schlicht versagt – schlecht gespielt, das wär’s dann gewesen. (Erwartete) Kommunikation ist aber in der heutigen Zeit etwas anderes. Donald Trump macht es vor. Es war deshalb für Joachim Löw und Vladimir Petkovic ein Ding der Unmöglichkeit, die Ursachen für das schlechte Spiel ihrer Mannschaften beim Namen zu nennen. Das haben andere gemacht. Die Verbandspräsidenten etwa, die sich seit dem WM-Turnier mit Vorwürfen irrelevantester Art auseinanderzusetzen hatten. In Deutschland war es anerkannterweise vor allem Mesut Özil, der mit seinem Erdogan-Auftritt den Untergang seines Teams einleitete, in der Schweiz brachte die „Doppel-Adler-Affäre“ die Mannschaft in spielerische Schieflage und schliesslich zum Absturz. Die Analysen des Scheiterns waren in beiden Ländern Paradebeispiele verunglückter Kommunikation. Mit guter Kommunikation hiesse der Fussball-Weltmeister 2018 Deutschland, und die Schweiz wäre im Final der unterlegene Gegner gewesen. So ist es: (Gute) Kommunikation schiesst eben die Tore. Sie war in beiden Ländern schlecht. Es kam in der Schweiz noch dazu, dass den Verbandsstrukturen die (Mit-)Schuld am schlechten Auftritt der Nationalmannschaft, die in Deutschland in Entkoppelung jeglichen nationalen Gedankens, nur noch „Die Mannschaft“ hiess, zugeschoben werden musste. Das wird sich ändern, denn der von den Medien ins Amt des neuen Verbandspräsidenten geschriebene Anwalt Bernhard Heusler ist flugs vom Verband beauftragt worden, die offenbar schlechten Strukturen zu untersuchen und Besserungen vorzuschlagen – auf dass er dann ein Amt in einem strukturell bereinigten Umfeld übernehmen kann. Mit dieser Vorgehensweise hat der Verband seine Hilflosigkeit manifestiert und sogleich das Compliance-Eigentor des Jahres geschossen. Der mit der Untersuchung beauftragte neue „Fussball-Super Mario“ der Schweiz gehörte bei der Auftragserteilung dem Verbands-Zentralvorstand an, hat also die bisherigen, angeblich mangelhaften Strukturen eifrig mitgetragen. Erst, nachdem Kritik ob dieses Compliance-Schildbürgerstreichs unüberhörbar wurde, trat Bernhard Heusler aus dem Zentralvorstand des Verbandes zurück. In der Schweiz wird eben noch krass hinterfragt, und die Überzeugung ist ungebrochen: Auch (gute) Strukturen schiessen Tore. In dieser Hinsicht hat es Deutschland weit einfacher: Das Turnier in Russland war an sich nur ein Betriebsunfall. Ein paar personelle Retouchen im Team werden dafür sorgen, dass der Weltmeister von 2014 den Tritt beim nächsten Ernstkampf wieder findet. Das versuchte Joachim Löw kürzlich nach langem Schweigen in einer rund einstündigen Erklärung klarzumachen. Nicht zu vergessen: Fussball darf ja auch dann für Humor sorgen, wenn er nicht gespielt wird. In wenigen Tagen geht es endlich weiter auf dem grünen Rasen. Und alle, wohl ausser Recep Tayyip Erdogan und Mesut Özil, freuen sich insbesondere auf das Spiel Deutschland – Frankreich vom 6. September 2018. Der abgetretene und der neue Weltmeister treffen im Rahmen der neuen „Nations League“ aufeinander. Der Sieger muss mindestens ein Tor mehr schiessen als der Gegner. Diese Sprachregelung gilt als unantastbar. In der „Alllianz-Arena“ in München wird wenigstens für rund 90 Minuten die Kommunikation zum Nebenthema.

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