„CR7“ verlässt Real Madrid – oder: pacta olim erant servanda

banknote_blur_cash_close_up_currency_economy_finance_focus-1178505(causasportnews / rbr. / 12. Juli 2018) Keine zwei Jahre sind es her, seit der portugiesische Fussballstar Cristiano Ronaldo seinen Vertrag beim spanischen Traditionsklub Real Madrid CF verlängert hatte: Im November 2016 unterschrieb „CR7“ dort einen Kontrakt, der bis zum 30. Juni 2021 befristet ist. Von einem „Rentenvertrag“ war damals die Rede. Zwei Champions League-Titel mit den Madrilenen (2016/2017 und 2017/2018) später sieht die Welt nun ganz anders aus: Cristiano Ronaldo hat mit Juventus Turin einen Vertrag bis 2022 abgeschlossen und verlässt Spanien sofort.

Im Juli 2009, also vor genau neun Jahren, wechselte Cristiano Ronaldo von Manchester United zu Real Madrid. Mindestens drei weitere hätten es, laut dem 2016 geschlossenen Vertrag, in der spanischen Kapitale werden sollen. An sich ein Vorgehen, für das jedem Normalsterblichen schwere Konsequenzen drohen können – nämlich einen befristeten Arbeitsvertrag vor dessen Ablauf zu beenden. Im professionellen Fussball ist das jedoch nichts Sensationelles. Insbesondere Verträge mit Top-Spielern werden oft auf sehr viel längere Zeit eingegangen, als die Spieler beim betreffenden Klub tatsächlich zu bleiben beabsichtigen. Dass sich der Spieler nicht an den Vertrag hält, ist dabei aber nicht nur üblich, sondern auch von Seiten der Klubs durchaus erwünscht: Das ermöglicht es ihm, vom übernehmendem Klub eine Vertragsauskaufsumme (als Entschädigung für die vorzeitige Vertragsauflösung) zu verlangen, anstatt ihn nach Beendigung des Vertrags – Jean-Marc Bosman sei’s gedankt – entschädigungslos ziehen lassen zu müssen. Den Spielern wiederum bietet sich dadurch die Möglichkeit, ein „Handgeld“ zu vereinnahmen (in Anbetracht der Höhe, die dieses Handgeld regelmässig erreicht, ein offenkundiger Euphemismus); und zu guter Letzt sind da auch noch die Spielerberater, denen ebenfalls einiges mehr als nur die Brosamen solcher Transaktionen abfallen (einer der prominentesten von ihnen, Mino Raiola, soll etwa beim Transfer von Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United im August 2016 zwischen 20 und 30 Millionen Euro eingestrichen haben). Der überkommene Grundsatz pacta sunt servanda gilt also in dieser Branche längst nicht mehr; der Umstand, dass sich beide Parteien dessen bewusst sind, rückt solche langjährigen Vereinbarungen gar in die Nähe der Simulation (Art. 18 des Schweizerischen Obligationenrechts, OR).

Bei Cristiano Ronaldo ist zu vermuten, dass auch persönliche Gründe für den Wechsel von Spanien nach Italien ausschlaggebend waren: Offenbar sollen sich Abnützungserscheinungen im persönlichen Verhältnis zu Klubpräsident Florentino Perez gezeigt haben, und es hiess, der Spieler spüre nicht mehr genügend Wertschätzung im florierenden Unternehmen Real Madrid. Nicht unwesentlich für den Überraschungswechsel dürfte auch gewesen sein, dass der spanische Fiskus Cristiano Ronaldo schon seit Längerem wegen Steuerhinterziehung im Nacken sitzt. Im Juni dieses Jahres war die Rede davon, er bezahle 18,8 Millionen Euro an Steuern nach und akzeptiere eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die offizielle Bestätigung hiervon steht noch aus. Die „Flucht“ nach Italien entschärft auch dieses Problem.

Im Vergleich zum Brasilianer Neymar Jr., der im Sommer 2017 für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain transferiert wurde, ist Cristiano Ronaldo auch in Anbetracht seines Alters (er wird im nächsten Februar 34 Jahre alt) übrigens ein Schnäppchen: Schlappe 105 Millionen Euro sollen die Italiener unter dem Titel Vertragsauskaufsumme (gemeinhin „Ablöse[summe]“ genannt) nach Madrid überweisen. Schwerer ins Gewicht dürfte das Salär fallen, das sein neuer Arbeitgeber ihm fortan bezahlen wird: Von 30 Millionen Euro jährlich (oder 82‘192 Euro pro Tag) ist die Rede, während es in Madrid „nur“ 20 Millionen gewesen sein sollen. Gespannt wartet die Fussballwelt nun darauf, in welchen Star Real Madrid den Transfererlös (und das eingesparte Salär) investieren wird – Eden Hazard, der bereits genannte Neymar Jr., Harry Kane oder Kylian Mbappé, allesamt unbestrittene Meister ihres Fachs, sind nur einige der prominenten Namen, die zurzeit herumgeboten werden.

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