Vertragsverlängerung für Joachim Löw – weshalb?

SwissSportForum_Dez2017___1302 (causasportnews / red. / 29. Juni 2018) Befristete Arbeitsverträge sind im organisierten Sport die Regel. Fussballspieler schliessen überall auf der Welt befristete Arbeitsverträge ab. Wären die Kontrakte unbefristet und könnten gemäss arbeitsrechtlichen Vorgaben des betreffenden Landes (ordentlich, bzw. unter Umständen auch ausserordentlich) gekündigt werden, wäre ein Chaos im Wettspielbetrieb vorprogrammiert. Auch Trainer werden durchwegs mit befristeten Arbeitsverträgen ausgestattet. Das gilt auch für den Deutschen Weltmeister-Trainer der WM-Endrunde 2014 in Brasilien, Joachim Löw. Seit jenem Triumph lebt der Erfolgscoach in Deutschland praktisch in einer Parallelwelt und war für die Verteidigung des WM-Titels anlässlich der laufenden WM-Endrunde gesetzt. Kurz vor Beginn des Events in Russland gab der Deutsche Fussball-Bund (DFB), der Arbeitgeber des Bundestrainers, bekannt, dass der Trainervertrag zwischen dem Verband und Joachim Löw bis zur WM-Endrunde 2022 in Katar verlängert worden sei. Nach dem (für die Deutschen) geradezu schockierenden Scheitern der Mannschaft in den Gruppenspielen dürfte Joachim Löw nicht mehr lange im Amt bleiben. Aus der Parallelwelt gefallen, ist der Top-Trainer nun wieder in der realen Welt angekommen. Das Scheitern der Deutschen in Russland war beileibe keine Sensation, sondern das Ergebnis von Verhaltensweisen im Spannungsfeld von Vorstellungen, Wünschen und Verdrängung von Realitäten auf allen Ebenen. Es fragt sich bezüglich des Bundestrainers im Moment nur noch, wie dieses Problem (auch vertraglich und unter pekuniären Aspekten) mit Gesichtswahrung aller gelöst werden soll. Klar ist: „pacta sunt servanda“ (Verträge sind zu halten). Würde der Coach vorzeitig aus dem befristeten Vertrag entlassen, wären die bis 2022 vereinbarten Entschädigungen bis zum Ablauf der bestimmten Vertragszeit geschuldet. Oder anders: Eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses zwischen dem DFB und Joachim Löw würde den Verband teuer zu stehen kommen (es ist allerdings nicht bekannt, ob die Verlängerung des Vertrages an einen Erfolg der Mannschaft in Russland geknüpft ist). Vielmehr dürfte eine Vertragsaufhebung am ehesten allen Umständen gerecht werden. Eine grosses Rätsel bleibt jedoch: Weshalb hat der DFB den Vertrag mit Joachim Löw vor der WM-Endrunde in Russland um vier Jahre verlängert? Ging es darum, dem Trainer dadurch das Vertrauen auszudrücken? Oder in Stein zu meisseln, was an sich einem dynamischen Prozess unterliegt? Oder war es schlicht eine Verkennung der Realität, dass der deutschen Nationalmannschaft die Titelverteidigung unter Umständen nicht gelingen würde? Wohl war es ein Schritt, der in diesem Geschäft üblich ist. Jedoch ein falscher Schritt in die falsche Richtung. Bei gelungener Titelverteidigung wäre Joachim Löw als Bundestrainer weiterhin gesetzt gewesen. Und im Falle des Scheiterns hätte sich die Trennung ohnehin nicht vermeiden lassen. Manchmal ist es nicht schlecht, auch aus einer Parallelwelt den Blick vor der realen Welt nicht zu verschliessen.

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