«Doppeladler-Gate»: Dank ausgewogenen FIFA-Entscheiden dominiert wieder der Fussball

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Der „Doppeladler“ in der Flagge Albaniens

(causasportnews / red. / 26. Juni 2018) Sie wird immer wieder gescholten und muss letztlich für alles Schlechte in der Welt den Kopf hinhalten: Die FIFA. Der Weltfussballverband macht allerdings nicht immer alles falsch, wie es die Medien gerne regelmässig kolportieren. Die Disziplinarkommission (DK) des Verbandes hat es soeben bewiesen. Mit der erforderlichen Nüchternheit und Sachlichkeit hat sie die Verfahren gegen die Schweizer Nationalspieler Xherdan ShaqiriGranit Xhaka und Stephan Lichtsteiner nach dem „Doppeladler“-Jubel am letzten Freitagabend im Spiel der Schweizer gegen Serbien durchgeführt und ein zweifelsfrei juristisch korrektes und angemessenes Urteil gefällt: Bussen von je 10 000 Franken (für Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka) und 5 000 Franken für Stephan Lichtsteiner. Die Entscheidung der DK wurde auf Art. 57 des FIFA-Disziplinarreglements gestützt („Ehrverletzung und Fairplay“, wobei in casu offenbar eine Verletzung des Fairplay-Prinzips bejaht wurde) und – insbesondere – nicht etwa auf Art. 54 („Provokation der Zuschauer“) oder 58 („Diskriminierung“) des FIFA-Disziplinarreglements. Die beiden letztgenannten Bestimmungen waren im Vorfeld der Entscheidung von diversen (teilweise selbsternannten) „Experten“ ins Spiel gebracht worden. Die Kommission hat demgegenüber zweifelsfrei eine richtige Subsumtion vorgenommen und insbesondere davon abgesehen, das Vorliegen einer Provokation zu bejahen; eine solche hätte zwingend mindestens zwei Spielsperren für die Betroffenen nach sich gezogen. Einigermassen erstaunlich ist immerhin, dass der Schweizer Captain Stephan Lichtsteiner milder als die anderen beiden Spieler bestraft wurde. Das Zeigen des „Doppeladlers“ ist in der schweizerischen Nationalmannschaft seit einer entsprechenden Einigung im SFV 2014 ausdrücklich nicht erwünscht. Vom Kapitän der Nationalmannschaft hätte man demzufolge erwarten dürfen, dass er bereits nach dem ersten Zeigen dieser Geste interveniert. Das hat er nicht nur unterlassen, sondern auch noch selbst den „Doppeladler“ gezeigt, was eigentlich mindestens eine gleich schwere – wenn nicht gar eine härtere – Sanktionierung hätte rechtfertigen können. Aber möglicherweise ist es Stephan Lichtsteiner zugute gehalten worden, dass er den „Doppeladler“ – etwas dilettantisch – nicht ganz korrekt gezeigt hat (statt wie Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka mit der rechten über der linken Hand, hat es Stephan Lichtsteiner umgekehrt gemacht); vielleicht ist er ja Linkshänder…

Jedenfalls kann nach den Entscheiden der FIFA nun auch in der Schweiz wieder zur fussballerischen Tagesordnung übergegangen werden. Seit dem Vorfall wurde kaum mehr von der beeindruckenden Leistung des Schweizer Teams gegen die Serben gesprochen, sondern die Welt der Stammtische, perpetuierten Stammtische (TV-Sender) und der Medien im Allgemeinen drehte sich nur noch um das „Doppeladler-Gate“. Wesentlichen Anteil an dieser durch Unsachlichkeiten und überbordende Emotionen aufgeheizten Gewichtung und Stimmungslage hatte etwa das Schweizer Staatsfernsehen, dessen Reporter während der Übertragung etwas gar vorschnell den inhaltlich klar falschen Satz ins Mikrofon brüllte: „Das ist ein politisches Statement!“. Dass eine solche „weltbewegende“ Affäre auch die Politikerinnen und Politiker auf den Plan rufen würde, war natürlich unvermeidlich. Der Sport bietet auch diesen Exponenten und speziell in solchen Situationen immer wieder Gelegenheit, sich in Szene zu setzen und den Sport für ihre Ziele zu nutzen. Nicht verwunderlich war, dass sich die verbalen Angriffe der Politisierenden gegen die Spieler persönlich richteten: „Die Spieler sollten sich entscheiden, ob sie Schweizer oder Albaner sind“, liess sich eine (übrigens wegen Geheimnisverletzung – untechnisch: Geschwätzigkeit – vorbestrafte) CVP-Politikerin zitieren. Genau genommen sind Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka kosovo-albanischer Abstammung, aber das sind Nuancen, die in solch aufgeladenen Situationen generell vernachlässigt zu werden pflegen. Inwiefern sich aber der (ausschliessliche) Schweizer Bürger Stephan Lichtsteiner zwischen „Schweizer“ oder „Albaner“ entscheiden sollte, erhellt sich nicht wirklich… Auch eine (andere) bürgerliche Politikerin fiel durch eine gewisse Einfältigkeit auf: „Die beiden Goals sind nicht für die Schweiz gefallen, sondern für Kosovo“, twitterte sie im Trump-Stil. Glücklicherweise können sich nun aber alle wieder abregen und es steht auch für die Schweiz nach den ausgewogenen FIFA-Entscheiden das Spiel gegen Costa Rica im Vordergrund.

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