(Limitierte) Reformatorische Wirkungen des Sports: Saudi-Arabien lockerte Kleidervorschriften für Schach-WM

chess-316658_1280(causasportnews / Red. / 6. Januar 2018) Dass die Austragung von Weltmeisterschaften oder ähnlichen Sport-Grossanlässen in den jeweiligen Gastgeberländern zur – zumindest vorübergehenden – Aufweichung gewisser restriktiver Vorschriften oder Gebräuche führen kann, ist an sich nichts Neues. So sind etwa die Ausrichterländer der Endrunden von FIFA-Fussballweltmeisterschaften oder der Olympischen Spiele regelmässig bereit, bestimmte Restriktionen (bspw. in Bezug auf Ein- und Ausreise) ausser Kraft zu setzen; in aller Regel geschieht dies aufgrund entsprechender Vorgaben bzw. auf Druck seitens der jeweiligen Weltsportverbände hin. Um die erwünschten Veränderungen zu bewirken, muss den fraglichen Sportverbänden indessen für gewöhnlich ein erhebliches Gewicht zukommen, und diesbezüglich hätte man nun den Weltschachverband (Fédération Internationale des Échecs; FIDE) nicht unbedingt „auf dem Zettel“ gehabt. Ungeachtet dessen hat das Gastgeberland der Ende Dezember 2017 durchgeführten Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach, Saudi-Arabien, eine ansonsten eher kompromisslos aufrecht erhaltene Restriktion für die Teilnehmerinnen des Anlasses etwas gelockert: Die an den Weltmeisterschaften teilnehmenden Frauen waren nicht verpflichtet, sich entsprechend den in dem muslimischen Staat für Frauen geltenden Kleidungsvorschriften zu verhüllen. Zwar war ihnen nicht vollständig freigestellt, was sie tragen (oder eben nicht tragen) wollten, jedoch genossen sie signifikant grössere Freiheiten als die übrigen Frauen in Saudi-Arabien. Offenbar sind auch weniger gewichtige als die publikumsstärksten Sportgrossveranstaltungen geeignet, in den jeweiligen Ausrichterländern gewisse Veränderungen zu bewirken. Für die zuvor amtierende Weltmeisterin im Schnell- und Blitzschach, die Ukrainerin Anna Musitschuk, gingen die Konzessionen Saudi-Arabiens indessen nicht weit genug: Sie verzichtete auf eine Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Riad (und damit auf eine Titelverteidigung), weil Frauen dort auch aus anderen Gründen als „Wesen zweiter Klasse“ behandelt würden.

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