Et tu Josephe?!

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Anfassen verboten – mag ein Hintern auch noch so attraktiv sein…

(causasportnews / red. / 13. November 2017) Man mag gar nicht mehr hinhören, doch nun hat die «Weinstein-Welle» auch den Sport erfasst. Der Vorwurf richtet sich an den ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. „Et tu Josephe“ (auch du Joseph), also, hätte es in der Antike geheissen. Der in die Jahre gekommene Walliser soll der US-Fussballerin Hope Solo anlässlich einer FIFA-Gala vor fünf Jahren an den Po gegriffen haben (ohne ihr Einverständnis, versteht sich). Um diesbezüglich keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Falls dem so gewesen sein sollte, wäre dies natürlich nicht akzeptabel. Aber ein Vorwurf nach fünf Jahren? Und als Beschuldigung, die sich nicht wird verifizieren lassen? Und gerade von Hope Solo? „Si tacuisses philosophus mansisses“ (hättest du geschwiegen, wärst du ein(e) Philosoph(in) geblieben), muss man auch hier festhalten; auf Lateinisch lässt sich eben immer noch vieles schnörkellos und klar sagen. Wer Fehlverhalten anzuprangern hat, soll das umgehend tun – nicht nach Jahren jedenfalls. Doch ganz so schwarz und weiss sind die Verhältnisse, gerade in dieser etwas „schlüpfrigen“ Zone, nicht (immer). Denn bekanntlich fällt es Opfern von entsprechenden Vorfällen häufig nicht leicht, diese zu melden oder gar publik zu machen (wobei Letzteres wiederum besondere – auch rechtliche – Tücken aufweisen kann). Im Falle von Hope Solo war der Beschuldigte damals immerhin der mächtigste Mann im organisierten Fussball; da kann es nachvollziehbar erscheinen, dass man es sich (mindestens) zweimal überlegt, ob man ihn „anschwärzt“ – auch für dieses Phänomen enthalten die „Weinstein-Vorgänge“ zahllose Pendants. Wie es scheint, hat die prominente US-Fussballerin nun aber entsprechenden Mut gefunden – jetzt, da sie selbst etwas „angezählt“ ist (bedingt durch eine Verletzung, aber auch aufgrund einer gegen sie verhängten Suspendierung, hat ihre Karriere auch schon bessere Tage gesehen;  seit einiger Zeit macht sie eher neben – statt auf – dem Fussballplatz Schlagzeilen). Zufall? Oder „kommt es nicht mehr so darauf an“? (Auch, weil Joseph Blatter mittlerweile alles andere als der mächtigste Mann im Fussball mehr ist.)

Wie dem auch sein mag: Sexuelle Belästigung (oder Schlimmeres) kommt fraglos auch im Sport vor; es wäre vollkommen naiv anzunehmen, dass der Sport frei von entsprechenden Phänomenen sei. Zuletzt hat etwa der Fall des früheren Teamarztes des amerikanischen Turnverbands für Schlagzeilen gesorgt, nachdem (u.a.) die Athletin Aly Raisman ihn gar des sexuellen Missbrauchs beschuldigt hat. Hier scheint durchaus an den Vorwürfen etwas dran zu sein – der Mediziner sitzt mittlerweile in Haft; er soll wegen strafbarer Handlungen mit sexuellem Bezug in (bislang) über 20 Fällen angeklagt werden. Nicht ausgeschlossen, dass hier – wie auch in anderen Bereichen des Sports – noch mehr unerfreuliche und gar kriminelle Umstände ans Tageslicht kommen.

Und Joseph Blatter? Hier wird sich wohl nichts definitiv beweisen oder entkräften lassen. Der ehemalige FIFA-Präsident hat zwar sofort vehement bestritten: Der Vorwurf von Hope Solo sei so lächerlich wie der Elfmeter-Entscheid des Schiedsrichters im WM-Barrage-Spiel der Nordiren gegen die Schweizer vom 9. November. Dennoch wird an ihm etwas negativ haften bleiben. Bekannt ist bekannt, und Bekanntheit kann auf verschiedenste Weise ausgelebt werden. Derartiges liegt im Trend der Zeit. Nicht erst, seit die „Weinstein-Welle“ losgetreten worden ist. Wir leben in einer ethisch aufgeladenen Welt. Jede(r) wertet, bewertet, urteilt, verurteilt, moralisiert, zeigt mit dem Finger auf andere, macht nieder; die Pharisäer erleben eine Renaissance. So auch gestern im St. Jakob-Park zu Basel, weil die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft die WM-Endrunden-Qualifikation nicht durch schönes Spiel, aber klugerweise durch wirksame Spielanlage und gut eingestellt durch den Trainer geschafft hat. Pfiffe aus dem Publikum gegenüber Spielern – eine unglaubliche Arroganz, aber sie entspricht dem Zeitgeist. Ein Zeitgeist, der durch die (neuen) Medien global verstärkt wird, in der etwa hirnlos „herumgetwittert“ und praktisch jede Fernsehsendung zum Tribunal wird – „o tempora o mores“ (was für Zeiten, was für Sitten), hätte es vor etwas mehr als 2000 Jahren geheissen. Doch das ist alles Geschichte. Oder nicht?

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