Verwirrendes und Verwirrliches um Sport-Lichtgestalt

night-2177769_1280_Leuchturm  (causasportnews / red. / 6. November 2017) Insbesondere zwei aktuelle Sport-Lichtgestalten kannte bzw. kennt Deutschland: Zum einen ist dies Franz Beckenbauer, zwischenzeitlich von „Kaiser Franz“ zum Buhmann und Geächteten geworden; zum andern der Wimbledon-Sieger von 1985, Boris Becker. Auch dieser „Promi“ aus dem Norden befindet sich derzeit im freien Fall, und männiglich fragt sich, ob „Bobele“, wie er vor allem von der Boulevard-Presse trotz aller persönlicher Widerwärtigkeiten immer noch liebevoll genannt wird, nicht bereits unten angelangt ist. Jedenfalls ist er immer noch für Schlagzeilen gut, so sogar der „Neuen Zürcher Zeitung“, die in ihrer Wochenend-Ausgabe immerhin ein zweiseitiges Interview (!) mit dem ehemaligen Top-Sportler publiziert hat (NZZ vom 4. November 2017). Wenn die „NZZ“ an Boris Becker glaubt, ist das für Eliten und Fussvolk zumindest ein Fingerzeig. „Es ist irrsinnig zu glauben, er sei pleite“, sagt Boris Becker in diesem Interview glasklar – und diese Aussage bildet zugleich die Überschrift zum Interview, das bei genauer Betrachtung allerdings durchwegs nur Verwirrendes und Verwirrliches beinhaltet. Die Kernfrage, wie es um Boris Beckers Finanzen wirklich steht, bleibt ebenso im Raum stehen wie etwa die Gründe der Zwistigkeit zwischen dem Tennis-Idol und seinem langjährigen Weggefährten Hans-Dieter Cleven, der seinen einstigen Busenfreund an einem Zuger Gericht mit einer Millionenklage überzogen, und in erster Instanz verloren hat (Causa Sport News vom 20. Juli 2017). Nun geht der Streit in die zweite Instanz, während Boris Becker frohlockt fast wie nach seinen Tennis-Siegen, dass ihm der ehemalige Metro-Manager nun 90 000 Franken Prozessentschädigung bezahlen muss. Verfahrensstand per heute. Die von Hans-Dieter Cleven geltend gemachte Forderung ist für Aussenstehende und offensichtlich auch für Boris Becker kaum nachvollziehbar. Das gilt auch bezüglich seiner gesamten Geschäfts- und Finanzverhältnisse. In dieser Hinsicht wird ein Sittenbild manifest, was Freunde, Berater und Parasiten mit einem Top-Sportler im obersten Preissegment alles anstellen können. Die Ikone des deutschen Sports hat den Überblick über seine Finanzen zweifelsfrei längst verloren. Verwirrendes und Verwirrliches sagt Boris Becker dazu in der „NZZ“ – nach der Lektüre des zweiseitigen Interviews bleibt praktisch alles unklar; zudem ist alles andere als nachvollziehbar, ob Boris Becker nun „pleite“ ist oder nicht. Die Aussagen im Zürcher Weltblatt machen in vielerlei Hinsicht stutzig. Nach Aussage der Tennis-Legende rennen ihm Unternehmen, die mit ihm Werbevereinbarungen schliessen wollen, derzeit geradezu die Türe ein. Boris Becker wird wohl dann auch für die Werbeindustrie wieder „salonfähig“, sobald er sich im laufenden Insolvenzverfahren in England aller Schulden entledigt hat – das ist abzusehen. Eine frohe Botschaft also für Deutschland. Die Nation der Dichter, Denker und Rennrodler darf in Sachen sportlicher Lichtgestalten hoffen, dass wenigstens „Bobele“ dereinst wieder auf die Beine kommt, finanziell und überhaupt. Sein „Fall“ deutet wenigstens nicht auf deliktische Machenschaften hin. Pleiten, Pech und Pannen werden verziehen. Franz Beckenbauers Fall liegt anders: Vorgänge im Dunstkreis des Strafrechts und angeblich unethisches Verhalten werden nicht verziehen. Auch einem „Kaiser“ nicht. Nicht nur in Deutschland.

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