Neymar-Transfer auch als „Klassenkampf“-Thema

(causasportnews / red. / 11. August 2017) Es war letztlich zu erwarten, dass der Übertritt des Barcelona-Stars Neymar da Silva Santos zu Paris Saint-Germain (PSG) zustande kommen würde (vgl. auch Causa Sport News vom 4. August 2017). Die Hoffnungen, dass der Kontinentalverband UEFA den Transfer auf Grund der „Financial Fairplay“-Regelung noch verhindern würde, wichen bald der Realität. Frustriert sprachen Kommentatoren von einer „Unfairplay-Regelung“ des Verbandes, oder dieser wurde als zahn- und nutzlos gescholten. Allerdings mussten auch die grössten Skeptiker einsehen, dass für den Transfer das notwendige Geld aus Katar schlicht und ergreifend zur Verfügung stand und eingesetzt werden konnte, PSG also keine Ausgaben vornehmen musste, welche die Einnahmen – Ausgabenbalance des Klubs gefährdet hätte. Kein Fall also für das „Financial-Fairplay“ der UEFA. Die „Experten“, welche nach dem teuersten Transfer der Fussballgeschichte deswegen das Ende dieser Verbandsregelung als Ganzes beklagten, dürften massiv irren – die Regulierung der UEFA hat durchaus ihren Sinn. Schliesslich präsentierten sich die Fakten so, dass der Gesamtpreis für das „Projekt Neymar“ den Geldgebern keine Rolle spielte. Dass bei diesem immensen Betrag die Welt-Moralisten auf den Plan gerufen würden, versteht sich. Es zweifelt wohl niemand daran, dass die aufgeworfene Summe zu Gunsten der Menschheit auch hätte anders eingesetzt werden können – zur Bekämpfung von Hunger und Armut zum Beispiel. Der Neymar-Transfer ist deshalb nur ein Abbild einer so oder so aus den Fugen geratenen, von fehlgeleiteten Politikern regierten Welt, in welcher die Güter und der Reichtum alles andere als gerecht verteilt sind und wir es nicht schaffen, alle Menschen zu ernähren und ihnen ein Obdach zu gewähren; im Brennpunkt steht vielmehr der globale Politzirkus, der einzig den durchwegs fehlgeleiteten Politikern nützt, nicht aber den Menschen. Deshalb darf die Sinnfrage bei einem solchen Transfer wohl auch gar nicht gestellt werden. So wenig, wie sie gestellt werden darf, wenn es um die fünf teuersten Gemälde der Welt geht, für die zusammen ebenso viel bezahlt worden ist wie für den Neymar-Transfer. Oder man betrachte das Beispiel der vieldiskutierten Elbphilharmonie in Hamburg, die zuletzt ungefähr gleichviel kostete wie der Neymar-Deal. Dass den Katari der Neymar-Transfer so viel Geld wert ist, weist letztlich eine fussball-exogene Hauptkomponente auf: Das politisch unter Druck stehende Katar hat sich für den Stellvertreterkrieg mit seinen Nachbarn den Fussball bewusst ausgesucht, um diesen Coup zu landen, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zu Recht schreibt. Die an sich realistische Betrachtungsweise verknüpft das linksgerichtete Magazin dann erwartungsgemäss mit klassenkämpferischen Parolen: „Das Recht des Reicheren“, wird getitelt (32/2017, 70). Der Neymar-Deal ist eben von heterogener Bedeutung und lässt sich auch als Lehrbuchfall für fehlgeleiteten Kapitalismus verwenden.

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