Landgericht Bozen: „Dopingarzt“ verurteilt und mit Berufsverbot belegt

(causasportnews / red. / 5. April) Der in den Medien seit Jahren als „Skandalarzt“ oder „Dopingarzt“ bezeichnete Italiener Michele Ferrari ist vom Landgericht Bozen zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 64jährige Mediziner darf künftig, falls das Urteil rechtskräftig wird, auch den Arztberuf nicht mehr ausüben. Dem Italiener ist es bereits früher sanktionsrechtlich verboten worden, im Sport noch in irgendeiner Funktion tätig zu werden. Michele Ferrari wurde wegen wiederholter Abgabe und Beihilfe zur Verabreichung von Dopingmitteln verurteilt. Er hatte nach Erkenntnis des Gerichts dem Südtiroler Biathleten Daniel Taschler verbotene Mittel verabreicht. Der Athlet selber wurde wegen wiederholten EPO-Konsums zu indexneun Monaten Haft (auf Bewährung) verurteilt, sein Vater wegen Beihilfe zum Doping zu einem Jahr Haft (ebenfalls auf Bewährung).

Im Zusammenhang mit Doping im Sport ist der Name Michele Ferrari immer wieder aufgetaucht. Vater Gottlieb Taschler soll seinem heute 30jährigen Sohn Daniel vor rund sieben Jahren den Kontakt zu Michele Ferrari vermittelt haben. Damals war Vater Taschler noch Vizepräsident des Internationalen Biathlon-Verbandes (Internationale Biathlon-Union, IBU). In Bozen wurde diesem Umstand bzw. die Funktionärsstellung mit einer höheren Haftstrafe für Gerhard Taschler Rechnung getragen. Gegen Sohn und Vater Taschler wurden Dopinggerüchte 2014 laut. Seither haben die Strafverfolgungsbehörden ermittelt. Die Verteidiger der Verurteilten kündigten den Weiterzug der Urteile an. Somit wird im Moment auch die Entschädigung an die Welt-Anti-Doping-Agentur von 15 000 Euro, zu der die Verurteilten verpflichtet wurden, noch nicht zur Zahlung fällig. Die Anti-Doping-Behörde des Sports hat am Verfahren als Nebenklägerin am Prozess teilgenommen. Als Hauptargument für die Forderung wurde geltend gemacht, die WADA sei auf Grund der Dopingmissbräuche gezwungen, einen teuren Bekämpfungs-Apparat zu betreiben. Dieser Umstand führte nicht ganz vorhersehbar dazu, dass der WADA diese Schadenersatzsumme zugesprochen wurde. – Der Prozess in Bozen hat keine grossen Wellen (mehr) geworfen, obwohl mit Michele Ferrari eine bekannte und umstrittene Persönlichkeit vor Gericht stand. Den Medien waren die Urteile von Anfangs Woche durchwegs nur Randnotizen wert, ein Zeichen, dass die Öffentlichkeit „Doping-müde“ geworden ist oder sich an das Doping-Problem gewöhnt hat.

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