Wenn der Sport politisch wird…

(causasportnews / red. / 29. März 2017) Der organisierte Sport rühmt sich mit Recht, apolitisch zu sein. Praktisch in allen Vereins- und Verbandssatzungen ist erwähnt, dass die betreffende Organisation u.a. politisch neutral sei. Zu oft ist der Sport in der Vergangenheit aber etwa politisch benutzt oder missbraucht worden; erinnert sei an Hitler-Deutschland, das den Sport propagandistisch nutzte oder an die ehemaligen Ostblock-Staaten, in denen der Sport als Zeichen von Stärke und Überlegenheit gegenüber der restlichen Welt eingesetzt wurde, was auch mit Lug (Propaganda) und Trug (Dopingmassnahmen und –mittel) durchgesetzt worden ist. Heute ist der Sport auch nicht davor gefeit, auf (ideologische) Linie gebracht zu werden, wie derzeit in der Türkei. Wer nicht ins Bild der derzeit dominierenden politischen Strömung passt, hat in allen Lebensbereichen Konsequenzen zu gewärtigen. Dabei spielen Namen und in der Vergangenheit erzielte Erfolge keine Rolle.

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Galatasaray Istanbul: Einzelne Spieler im Bannstrahl des Erdogan-Regimes

So soeben geschehen im Fussball: Nach einem klubinternen Hin und Her wurde den ehemaligen Fussballstars Hakan Sükür und Arif Erdem im Vorzeigeklub Galatasaray Istanbul die Mitgliedschaft entzogen. Die beiden Kultfiguren werden zumindest sympathie- und verbindungsmässig dem Umfeld der „Gülen“-Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen zugerechnet, der für den im letzten Sommer erfolgten Putschversuch gegen das Regime von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verantwortlich gemacht wird. Deshalb hat die Ex-Sportler der Bannstahl des in der Türkei herrschenden Regimes getroffen. Geht es darum, das Land und seine Bevölkerung auf „Erdogan-Kurs“ zu bringen, wird mit denjenigen, die diese Ideologie nicht oder zuwenig mittragen, kompromisslos umgegangen. Da nützt auch das Renommee eines ehemaligen Top-Fussballers wie Hakan Sükür, Rekordtorschütze der türkischen Nationalmannschaft und in der Türkei lange als „König“ verehrt, nichts mehr. Seit dem letzten Juli, als die Erdogan-Gegner (dilettantisch) putschten, wird der ehemalige Fussballstar, der anlässlich der WM-Endrunde 2002 in Japan und Südkorea mit der türkischen Mannschaft den dritten Schlussrang feierte aber auch im „Skandalspiel“ Türkei – Schweiz im Jahr 2005 in Istanbul auf dem Platz stand, per Haftbefehl gesucht. Er wird als „Gülen-Anhänger“ und damit als Mitglied einer bewaffneten Terrororganisation eingestuft und soll sich, wie Fethullah Gülen, derzeit in den USA aufhalten. Seine Mitgliedschaft im Istanbuler Klub Galatasaray hat er nun aber definitiv verloren. Der Fussball-„König“ ist gestürzt – auch „Monarchen“ duldet Recep Tayyip Erdogan neben sich eben keine.

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