Politische Angriffe auf den organisierten Sport abgewehrt

(causasportnews / red. / 16. März 2017) Zwar ist es dem Weltfussballverband FIFA seit einiger Zeit gelungen, sich etwas aus der Schusslinie seitens der Medien, der Politik und der Öffentlichkeit im Allgemeinen zu bewegen. Vereinzelt hat sich der Verband aber dennoch immer wieder gegen Angriffe aller Art zur Wehr zu setzen. Die FIFA war soeben Thema in der grossen Kammer (Nationalrat) des Schweizerischen Parlaments, welche ein Postulat des SP-Politikers Cédric Wermuth zu behandeln hatte. Dieser verlangte von der Landesregierung, dass sie einen Bericht zur Situation der grossen internationalen Sportverbände und –organisationen vorlegen solle, der vor allem die Rechtsform des Vereins (Art. 60 ff. ZGB) zum Gegenstand haben müsse. Die Politiker könnten sich nicht länger aus der Regulierung der grossen Sportverbände heraushalten, und es müsse eine neue Rechtsform für derartige Gebilde ausgelotet werden, forderte der Jung-Politiker, der primär die FIFA im Visier hatte, aber auch andere grosse Sportverbände mit Sitz in der Schweiz sowie das Internationale Olympische Komitee (IOC). Cédric Wermuth forderte insbesondere eine Prüfung der gegenwärtigen Situation mit Blick auf die Transparenz bezüglich Einnahmen und Ausgaben bei Sportverbänden, allfällige Beschränkungen bei Löhnen und Entschädigungen bei Top-Funktionären, die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Schutzbestimmungen und der Menschenrechte sowie eine adäquate Besteuerung von Sportverbänden und –organisationen. Unklar war es im Rahmen der Debatte im Nationalrat, ob mit dem Postulat (vor allem) eine Änderung der Rechtsform für Verbände angepeilt werde oder ob eine Situationsanalyse im Vordergrund stehe. Klar war hingegen, dass der Postulant mit seinem Vorstoss Regulierungen für Sportverbände forderte. Die zuständige Bundesrätin, ebenfalls der gleichen Partei (SP) angehörend wie Cédric Wermuth, gab sich im Parlament dem Postulat gegenüber diplomatisch und meinte, ein Bericht der Landesregierung zur aufgebrachten Problematik könne „auch dazu dienen, Missverständnisse auszuräumen“. Entgegen dem Antrag des Bundesrates, das Postulat anzunehmen, lehnte es der Nationalrat mit 103 Gegenstimmen (77 Ja-Stimmen) relativ deutlich ab, was sicher (auch) auf die engagierte Gegenwehr seitens des bürgerlichen Nationalrats Felix Müri (SVP) zurückzuführen war.-

Gleichentags befasste sich der Nationalrat mit dem Schiesssport bzw. gesamthaft mit der Verschärfung des EU-Waffenrechts. Weil das EU-Parlament einer Verschärfung des Waffenrechts zugestimmt hat, muss die Schweiz als Schengen-Mitgliedsstaat die neuen Regeln übernehmen. Die Verschärfung des EU-Waffenrechts tangiere auch ungerechtfertigterweise die Sportschützen, welche ihr Hobby hauptsächlich im Rahmen von Schützenvereinen ausübten, verlautete im Nationalrat. Er hat deshalb auf Grund einer entsprechenden Motion des bürgerlichen Politikers Werner Salzmann (SVP) beschlossen, dass Schützinnen und Schützen in der Schweiz durch die Verschärfung des EU-Waffenrechts nicht eingeschränkt werden dürfen. Sollte die Landesregierung das neue Recht akzeptieren, will der Schweizerische Schiesssportverband (SSV) dagegen das Referendum ergreifen. Auch dieser „Angriff“ auf den Sport ist vom Nationalrat abgewehrt worden.

Grundsätzlich kann den helvetischen Politikerinnen und Politikern nicht vorgeworfen werden, sie würden sich aus dem Sport heraushalten oder von diesem nichts lernen – im Gegenteil: Derzeit geht es darum, AHV-Neurentnern eine Rentenerhöhung von 70 Franken zuzugestehen. Dass solche Gesten beim Stimmvolk gut ankommen, wissen alle Politiker, auch diejenigen, die dem neuen FIFA-Präsidenten vorgeworfen haben, er würde den nationalen Verbänden mehr Geld versprechen, um deren Stimmen zumindest nicht zu verlieren. Ein markanter Unterschied besteht allerdings im Vergleich zwischen der FIFA und den Bundespolitikerinnen und Politikern: Die FIFA verfügt über die Mittel, die Parlamentarier beschliessen Ausgaben aus einer leeren Kasse…

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