Erneuter, untauglicher Olympia-Bewerbungsversuch

(causasportnews / red. / 8. März 2017) Wer hat noch nicht – wer will nochmal? Obwohl Olympia-Bewerbungen rundherum scheitern (vgl. hierzu etwa die diesbezüglichen Schweizer Bewerbungen im Kanton Graubünden, Causa Sport News vom 13. Februar 2017), will die Walliser Metropole Sion/Sitten

sion_1587240_1280

Wallis – Burg von Sion/Sitten

dennoch versuchen, Olympische Winterspiele in die Schweiz zu holen. Der Schweizerische Sportdachverband „Swiss Olympic“ hat (einstweilen) entschieden, das Projekt „Sion 2026“, wie es offiziell heisst, weiter zu verfolgen. Vorerst geht es um einen Betrag von 24 Millionen Schweizer Franken, mit dem ein Bewerbungsdossier erstellt werden soll. Falls die Walliser Bewerbung letztlich bis zum Schluss Bestand haben sollte, wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Jahr 2019 entscheiden, ob Sion die Olympischen Winterspiele 2026 austragen kann. Dass letztlich Olympische Spiele wieder einmal in der Schweiz stattfinden werden, glauben allerdings nur Zweck-Optimisten; und insbesondere die Sittener haben schmerzhaft erfahren müssen, wie dornenvoll eine Bewerbung sein kann, obwohl sich die Zeiten seit der letzten Olympia-Bewerbung mit Blick auf die Spiele 2006 einschneidend geändert haben: 2006 fiel die Kandidatur von Sion (gegen Turin) blamabel durch, und seither haben sich die Rahmenbedingungen für Olympia-Bewerbungen drastisch geändert. Dort, wo das Volk mitbestimmen kann, fallen Bewerbungen, nicht nur in der Schweiz, durch – es sind der Gründe vieler, welche diesen Umstand bewirken. Deshalb darf auch der Initiative „Sion 2026“ keine grosse Chance eingeräumt werden, auch wenn sich das nun vorliegende, dezentrale Konzept (mit der Waadt, Bern und Freiburg) weit anders präsentiert als die Bewerbung der Walliser Stadt vor über zehn Jahren mit Blick auf die Spiele 2006, als die Niederlage Sions gegen Turin praktisch durchwegs als undenkbar gegolten hatte (Sion hat sich bisher erfolglos für die Olympischen Winterspiele 1976, 2002 und eben 2006 beworben). Als Konkurrenten von Sion für die Spiele 2026 werden die Städte Innsbruck, Lillehammer, Stockholm, Calgary und Almaty in Kasachstan genannt. Es wäre nicht verwunderlich, wenn letztlich Almaty den Zuschlag für 2026 erhalten würde.

Realistischerweise muss die Bewerbung „Sion 2026“ als untauglicher Olympia-Akquisitions-Versuch qualifiziert werden. Auch wenn immer wieder neue, überbordend-optimistische Studien zum Thema „Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen“ vorgelegt werden, darf es heute als notorisch angesehen werden, dass derartige Grossveranstaltungen eben alles andere als nachhaltig sind. Kaum mehrheitsfähig sind die zu erwartenden Kosten für derartige Grossanlässe, die in irgendeiner Form abgedeckt werden müssen und die im Bewerbungsprojekt „Sion 2026“ als geradezu nebulös erscheinen. Jedenfalls dürfte es kaum gelingen, alle notwendigen Kredite für den Anlass am Volk vorbei zu schaukeln. Gerade die vorgesehenen Austragungsorte gelten als finanzschwach, und auf einen entsprechenden Goodwill des Bundes und der andern Kantone, die teilweise bereits anderweitig massive Mittel in die Austragungsregionen fliessen lassen, darf eher nicht gesetzt werden. Nach der soeben erfolgten Zustimmung zur Bewerbung „Sion 2026“ durch die Exekutive des Schweizerischen Sport-Dachverbandes ist auch hinter das Thema „Glaubwürdigkeit“ ein grosses Fragezeichen zu setzen. Fragen nach den in der heutigen, schwierigen Zeiten zweifelsfrei massiv gestiegenen Sicherheitskosten beantwortet der Präsident von „Swiss Olympic“, der Politiker Jürg Stahl, beispielsweise derart ausweichend und beschönigend, dass das „Vertrauen“, das nach Meinung des Sport-Dachverbandes die Basis für eine Olympia-Kandidatur bilden muss, zerstört ist, bevor es überhaupt zum Tragen kommt. Realistisch ist denn die Kandidatur „Sion 2026“ ein untauglicher Versuch, der lediglich ein paar Exponenten Publizität bringen wird – ein Ziel, das Politiker bekanntlich immer im Visier haben…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s