St. Moritz im Wechselbad der Gefühle – WM-Sieg und Olympia-Pleite

gefuhle(causasportnews / red. / 13. Februar) Etwa zeitgleich erlebten St. Moritz, der Kanton Graubünden und die Schweiz gestern ein Wechselbad der Gefühle. So wurde der Abfahrer Beat Feuz Ski-Weltmeister in der Königsdisziplin des alpinen Skirennsports, als sich die Kunde verbreitete, dass der Kanton Graubünden an diesem Abstimmungssonntag wuchtig „Nein“ zu Olympischen Spielen 2026 in St. Moritz und Umgebung sagte und einen entsprechenden Kredit bachab schickte. Hätte die WM-Abfahrt gemäss ursprünglicher Planung am Samstag durchgeführt werden können, hätte auch ein Sieg von Beat Feuz einen Tag vor der Abstimmung nichts mehr an diesem Resultat des Stimmvolkes im Kanton Graubünden geändert, sind sich Insider sicher. Das „Nein“ zu Olympia im Kanton sowie insbesondere in St. Moritz selbst und in den ebenfalls als Austragungsorte vorgesehenen Wintersportmetropolen Davos und Arosa fiel noch wuchtiger aus als die Olympia-Abstimmung im Jahr 2013 in Graubünden. Über 60 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger des Kantons Graubünden verwarfen einen Planungskredit von 25 Millionen Franken, der für die Olympia-Bewerbung „St. Moritz“ 2016 hätte eingesetzt werden sollen. 56 Prozent der Stimmenden in St. Moritz sagten „Nein“ zum sportlichen Grossprojekt in ihrer Wintersport-Metropole. Die Abfuhr für den Grossanlass war zwar erwartet worden (vgl. auch Causa Sport News vom 19. Januar 2017); die Heftigkeit der Ablehnung lässt jedoch Raum für Mutmassungen und Spekulationen. War es die Angst vor finanziellen Abenteuern im Rahmen einer solchen Grossveranstaltung? Oder Respekt vor einem organisatorischen Gigantismus in den Alpen? War es die Sorge um eine drohende Umweltbelastung? Oder eine Grundaversion gegen das an einem alles andere als hehrem Image leidenden Internationalen Olympischen Komitee, das gegenüber Olympia-Austragungsorten mehr als fordernd denn als Bittstellerin aufzutreten pflegt? Wahrscheinlich war es die Fülle von Negativ-Argumenten und Befürchtungen, die am Tag der WM-Abfahrt der Herren zu dieser Olympia-Pleite in Graubünden geführt hat. So bleibt nun mit Blick auf Olympische Winterspiele 2026 für die Schweiz nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass eine Westschweizer Kandidatur („Sion 2026“) zu Stande kommen könnte. Sion war allerdings bereits mit einer Kandidatur 2006 grandios gescheitert (Turin erhielt damals den Zuschlag). Ein Vorteil für Sion bleibt: In den Trägerkantonen Wallis, Waadt, Freiburg und Bern können Volksabstimmungen verhindert werden.

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