Die Demontage eines Monuments

 

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copyright: Ralf Roletschek

(causasportnews / err. / 16. September 2016) Zuerst wurde er angekratzt (es wurde ihm zumindest Mitbeteiligung am „Kauf“ des Fussball-WM-Zuschlags 2006 für Deutschland unterschoben), jetzt – ein Jahr später und nach einer bis dato erfolglosen „Beweisführung“ bezüglich der erhobenen Bestechungsvorwürfe – erfolgt die Demontage: Nicht ehrenamtlich soll er im Rahmen des Organisationskomitees der WM-Endrunde 2006 in Deutschland gewirkt haben, obwohl er das Volk in diesem Glauben liess, sondern Millionen hätte er für die ehrenamtliche Tätigkeit kassiert, vermelden derzeit die Medien. Schande also über ihn! Auch wenn es sich um den „Kaiser“ handelt. Auf die Lichtgestalt des deutschen Fussballs fallen immer mehr Schatten. Und das dürfte nur der Anfang sein.461337-jpg Franz Beckenbauer, von dem natürlich an dieser Stelle die Rede ist, erlebt im Moment seinen Abstieg vom Thron. Oder den Sturz. „Wir wollen Euch scheitern sehen“, hat der Philosoph Alexander Görlach einmal geschrieben. Damals ging es um den Sturz des Bundespräsidenten Christian Wulff, der von den Medien regelrecht weggeschrieben wurde. Nun wird der „Kaiser“ zum aktuellen Medienopfer. Dieselben Medien, welche den Worten des Kaisers während Jahrzehnten andächtig und hörig gelauscht und diese durchwegs unreflektiert weitergetragen haben. Direkt oder indirekt. Vor lauter Kolumnen-Schreiben wurde „Kaiser Franz“ sogar Schlafmanko beschert. So wandte sich der „Kaiser“ in den Blättern, die ihn nun scheitern sehen wollen, an seine Untertanen. Alles konnte, durfte und musste er beurteilen und kommentieren – sein Rat war Befehl für die ganze Nation. Ein Hinterfragen gab es nie. Doch jetzt scheint fertig lustig. Als moralische Instanz hat der „Kaiser“, der mit der Ethik salopp umgegangen sein soll, abgedankt. Obwohl er, das Monument, als unantastbar galt. Aber mit Moral ist nicht zu spassen. Es folgt deshalb nun die gesellschaftliche Ächtung. Das Glück scheint den 71-Jährigen definitiv verlassen zu haben. Obwohl er sich das und der (Sport-)Welt bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer wieder gewünscht hat. Nicht Gesundheit – diese scheint ihm zumindest partiell ebenfalls abhandengekommen zu sein. Wie sagte er es einmal so schön: „Man muss sich Glück, nicht Gesundheit, wünschen. Auf der „Titanic“ waren alle gesund, aber sie hatten kein Glück.“. Im Moment scheint es dem demontierten Kaiser an beidem zu fehlen.

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