Fussball-EM 2016 zwischen Hoffen, Bangen und Selbstbestärkung

408616(causasportnews / red. / 11. Juli 2016) Mit dem Finalspiel zwischen Frankreich und Portugal und dem Überraschungs-Europameister Portugal ist der erste Grossanlass dieses Jahres (der zweite Event, die Olympischen Sommerspiele, wird am 5. August 2016 in Brasilien beginnen) zu Ende gegangen. Im Vorfeld des europäischen Kontinental-Wettbewerbs der Fussballer in Frankreich war mehr von Sicherheit und möglichen Terroranschlägen die Rede denn vom Sport. „Nichts passiert“, durften die Organisatoren der EM nach der Pokalübergabe an die Mannschaft Portugals erleichtert bilanzieren. Kein terroristischer Anschlag, keine ausserordentlichen Ereignisse störten den Fussball-Grossanlass. Allerdings zeigten Hooligans ihre hässlichen Fratzen – insbesondere zu Beginn der EM, als sich noch 24 Teams Chancen auf den Titel machten. Die französischen Sicherheitskräfte lösten letztlich aber auch dieses Problem einigermassen pragmatisch, soweit es überhaupt lösbar war. Die Hooligans hatten die Gelegenheit, in jeder Hinsicht richtig zuzuschlagen und sich provokaktiv und kriminell in Szene zu setzen, genutzt, weil sich das Augenmerk der Veranstalter mit Blick auf die zu gewährleistende Sicherheit für den Grossanlass weitgehend auf das Damoklesschwert „Terrorismus“ richtete. Die juristischen Sandkastenspiele um Verantwortlichkeitsfragen rund um grosse Sportveranstaltungen blieben glücklicherweise akademischer Natur.

In sportlicher Hinsicht blieb die EM eher flau. 24 Mannschaften quälten sich mit teils übermüdeten Spielern durch das vierwöchige Turnier (unter dem Aspekt des immer dichter werdenden Spielkalenders und den Belastungen der Spieler in den Klubs muss das erweiterte Teilnehmerfeld anlässlich und die Zeitdauer einer EM in der Tat hinterfragt werden, soll der Nationalmannschaftsfussball von der Bedeutung her nicht allmählich hinter den Klubfussball zurückfallen). Fussballerische Höhepunkte fehlten in Frankreich ebenso wie Mannschaften, welche die Veranstaltung prägten. Es war deshalb evident, dass viele Spiele nicht einmal in der Verlängerung, sondern erst im Penaltyschiessen entschieden wurden. Hoffen und Bangen – und sich wenn möglich ins Elfmeterschiessen mogeln oder zittern (und die 50%-Chance wahrnehmen), lautete das Motto oftmals. Auch stach kein Spieler gross heraus. EM-Torschützenkönig Antoine Griezmann liess zwar immer wieder seine Klasse aufblitzen, aber auch ihm fehlte die Konstanz. Nachhaltig wird vielleicht Portugals Cristiano Ronaldo im Zusammenhang mit der EURO 2016 in Erinnerung bleiben – vor allem bei den Frauen, die ihn nach dem Final-Krimi – erst verletzt ausgeschieden, dann als Motivator vom Spielfeldrand aus das Team Portugals zum Titel peitschend – noch mehr bewundern werden. Apropos EM-Personalien: Nicht wenige Spieler und Trainer hatten ihr Versagen zu erklären und zu beschönigen versucht. Die Deutschen machten sich nach dem blamablen Ausscheiden gegen Frankreich Mut mit dem Faktum, dass sie weit besser gespielt sowie den Sieg verdient hätten und schliesslich Weltmeister seien. „Wir sind die Welt-Besten“, dröhnte es nach der Halbfinal-Pleite aus dem deutschen Lager. Die Schweizer hätten sich grundsätzlich an dieser Terminologie orientieren können – taten es aber nicht: Wäre das schönste Tor für die Rangierung relevant, dürfte die Schweiz nach dem akrobatisch erzielten Treffer von Xherdan Shaqiri im Spiel gegen Polen für sich in Anspruch nehmen, an sich die beste Mannschaft der EM gewesen zu sein. Und Österreich : Gefällig gespielt, völlig unter dem Wert geschlagen und unglücklich bereits nach den Gruppenspielen ausgeschieden; für die Pleite gab es Erklärungen zu Hauf, allerdings kaum Schuldzuweisungen und Ausflüchte. Österreich stimmte nicht in das Klagelied der kläglich Gescheiterten (wie Deutschland, England, Italien, Spanien, Frankreich, Belgien) ein. Letztlich zählt eben (auch) im Sport nur das eine: Das Resultat. Wer verloren hat, hat verloren – what else?

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