SV Wilhelmshaven: Sportlich ganz unten – juristisch ganz oben

450px-football_28soccer_ball29-svg(causasportnews / red. / 17. Juni 2016) „Ganz oben – ganz unten“ – so hat der frühere Deutsche Bundespräsident Christian Wulff seine Gefühlslage beschrieben (Christian Wulff, Ganz oben – ganz unten, München, 2014), als ihn die Öffentlichkeit von „ganz oben“ (Bundespräsident) nach „ganz unten“ (Arbeitsloser) verstossen hatte. Zwischenzeitlich ist der ehemalige Top-Politiker wieder auf dem Weg nach zumindest „oben“. Ähnliche Gefühlsrankungen dürfte in letzter Zeit der Fussballverein SV Wilhelsmshaven durchlebt haben, und durchlebt sie noch immer. Karlsruhe_Erbgroßherzogliches_PalaisSportlich befindet sich der Verein derzeit ganz unten, in den Gefilden des nüchternen Amateurfussballs. Juristisch könnte es für den SV Wilhelmshaven aber demnächst ein „Highlight“ absetzen; alles hängt vom Deutschen Bundesgerichtshof (BGH) ab, der die „Causa Wilhelmshaven“ demnächst verhandeln wird. Am 5. Juli 2016 soll in Karlsruhe entschieden werden, ob der Verein juristisch rehabilitiert wird.

Die sportliche Talfahrt des Klubs begann vor neun Jahren mit einem Spielertransfer. Für einen (höchstens mittelmässigen) Zuzug aus Argentinien hatte der SV Wilhelmshaven Ausbildungsentschädigungen von rund 160 000 Euro zu bezahlen. So setzte es die Verbandsjustiz fest, und sie relegierte den Verein, als sich dieser standhaft weigerte, die festgesetzte Ausbildungsentschädigung zu bezahlen. Das hinderte ihn allerdings nicht, gegen das Ausbildungsentschädigungssystem und die Relegation juristisch anzukämpfen. Verfahrensgegner war der Norddeutsche Fussballverband (NFV), der letztlich die rechtsgültigen Entscheide des Weltfussballverbandes FIFA umsetzte. Schützte das Landgericht Bremen noch die Verbände, welche den Vorgang satzungskonform erledigt hatten, entschied das Oberlandesgericht Bremen am 30. Dezember 2014 gegen den NFV und versetzte dadurch den SV Wilhelmshaven in juristische Euphorie (vgl. dazu auch Causa Sport, 2015, 62 ff.). Zumindest vorübergehend. Am 5. Juli wird sich nun der Karlsruher BGH mit der Revision des NFV befassen. Schützt der BGH die Entscheidung des Oberlandesgerichts, wird der SV Wilhelmshaven juristisch ganz oben bleiben und sich sportlich wohl wieder auf den Weg nach oben begeben. Experten äussern sich zu den Erfolgschancen des NFV am BGH zurückhaltend. Für den Sportrechtsspezialisten Dr. iur. Patrick Meier, Würzburg, erweist sich das Bremer OLG-Urteil „im Ergebnis als durchgehend, in der Begründung … als überwiegend tragfähig.“, wie er in „Causa Sport“ schrieb (Causa Sport, 2015, 68). Der Ball liegt nun beim BGH.

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