Die Sache mit den Ehrungen

(causasKaktusportnews / err. / 30. März 2016) Ehrungen ähneln Lottogewinnen – man hofft darauf, aber selten werden die Erwartungen erfüllt. Ehrungen können über Menschen oder Institutionen aber auch einfach hereinbrechen. Wer hätte gedacht, dass Leonardo DiCaprio – ein Querdenker in der Filmbranche – doch noch zu einem „Oscar“ kommen könnte, wie kürzlich geschehen, obwohl er diese Auszeichnung schon längst verdient gehabt hätte, sich aber in „Hollywood“ offensichtlich zu wenig opportunistisch verhielt. Nun konnte er offensichtlich einfach nicht mehr ignoriert werden. Die Geehrten fühlen sich in der Regel geschmeichelt oder sind seltener peinlich berührt, weil sie die Ehrung für unangebracht halten. In jedem Fall empfiehlt es sich, genau hinzuschauen, wenn es um Auszeichnungen und Ehrungen geht. Bei Eigenehrung ist sogar Skepsis unabdingbar. Ehren sich etwa die Medien selber, ist sogar erhöhte Vorsicht ein Gebot. Mit den Ehrungen verhält es sich oft wie mit dem Applaus: Es ist nicht immer bekannt, was nun im Rahmen einer Ehrung effektiv beklatscht wird oder werden soll. So weiss bis heute eigentlich niemand so genau, weshalb der amtierende US-Präsident Barack Obama 2009 mit dem Friedens-Nobelpreis bedacht worden ist. Jedenfalls hat er ihn angenommen in der festen Überzeugung, dass er Unglaubliches für den Frieden leiste – anders etwa als der verstorbene Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki, der den ZDF-Fernsehpreis 2008 schnöde zurückgewiesen hatte mit den legendären Worten: „Diesen Preis nehme ich nicht an“ – weil er den um ihn gemachten „Zirkus“ nicht mitmachen wollte. Ehren sich Medien selber, sprechen die Geehrten davon, während sich die nicht Geehrten vornehmlich in vornehmes Schweigen hüllen. – So kürzlich geschehen anlässlich der Verleihung des Grossen Preises des Verbandes Deutscher Sportjournalisten. Geehrt wurden Journalisten des Nachrichtenmagazins „ Der Spiegel“ für die Berichterstattung „über dubiose Geldflüsse rund um die Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006“, wie das Magazin zu berichten weiss („Der Spiegel“, 13/2016, 138). Offensichtlich ist es dem Magazin ob dieser Ehre nicht ganz geheuer, ist die Erfolgsmeldung doch sehr diskret am Schluss des Hefts platziert. Kein Wunder: Bei der Geschichte, für welche das Magazin nun geehrt worden ist, ging es um nichts anderes als den Kauf der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland („Der Spiegel“, 43/2015 und Folgehefte), und nicht einfach um dubiose Geldflüsse, wie der Vorgang nun dargestellt wird. Faktum ist, dass das Magazin die anfangs erhobenen Vorwürfe der gekauften WM bis dato nicht belegen konnte. Nicht nur der „Spiegel“-Leser dürfte sich fragen, für was nun diese Ehre…

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