„Amoklauf“ eines Klubpräsidenten gegen einen Schiedsrichter

(causasportnews / err. / 17. März 2016) Fehlentscheide von Schiedsrichtern gehören zum Sport. Dies zu akzeptieren fällt nicht immer leicht. In der Regel bleibt es nach Fehlentscheiden beim Ärger Benachteiligter, der sich dann allmählich wieder verzieht. Fehlentscheide können aber auch Weiterungen nach sich ziehen. Wie kürzlich nach dem Fussballspiel der Swiss Football League zwischen den Berner Young Boys und dem FC Sion am 13. März 2016 in Bern. Zufolge eines Fehlentscheids des Schiedsrichters Sascha Amhof wurde der Sion-Torhüter Andris Vanins des Feldes verwiesen. Effektiv verhielt sich der Young Boys-Spieler Miralem Sulejmani unsportlich und erreichte, dass der Schiedsrichter den gegnerischen Torhüter (ungerechtfertigterweise) vom Platz stellte und einen Elfmeter pfiff. Die Berner, zu jenem Zeitpunkt im Rückstand, verwandelten den „herausgeholten“ Strafstoss und drehten in der Folge das Spiel. Der FC Sion verlor die Partie. Der streitbare Präsident des FC Sion, Christian Constantin, durch eine Fülle von Verfahren in den letzten Jahren allgemein bekannt geworden (vgl. etwa den „Fall Sion“ und dazu Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, 2014, 292 f.), liess es auch diesmal nicht bei verbalen Unmutsäusserungen bewenden, sondern inszenierte ein regelrechtes „Kesseltreiben“ gegen den bedauernswerten Schiedsrichter, dem die Fehlentscheidung anzulasten ist. Seit Tagen grollt er und droht, den Schiedsrichter wegen Betrugs zu verklagen. Weil die Fakten nun offenbar doch nicht so klar sind, um dem Schiedsrichter einen betrügerischen Vorsatz nachzuweisen, hat der „Amok“ laufende Präsident, der mit allen Mitteln gegen den Schiedsrichter Stimmung macht, die Öffentlichkeit über soziale Netzwerke aufgerufen, Beweismittel gegen den behaupteten Betrug beizubringen. Er geht sogar so weit, dass er für sachdienliche Beweise eine Belohnung von CHF 25‘000 aussetzt. Dass die Medien diesem Gebaren teils genüsslich noch derart viel Platz einräumen, wundert an sich nicht (mehr). Dass hingegen die Liga nicht vehement gegen derartigen Nonsens, der letztlich auch wieder den Sport in Verruf bringt, einschreitet und diesen Klub-Präsidenten, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Verschwörung gegen ihn und seinen Klub wittert, in die Schranken weist, erstaunt. Wer derart und im wahrsten Sinnen des Wortes „auf den Mann“ spielt, hat im organisierten Sport nichts zu suchen. Den Schiedsrichter, dem ein bedauerlicher Fehler unterlaufen und der nun dem von den Medien begleiteten Trommelfeuer und unflätigen Attacken des Präsidenten des FC Sion ausgeliefert ist, gilt es zu schützen. Präsidenten wie Christian Constantin gehören hingegen aus dem Sport verbannt. Wenn aber selbst die „Neue Zürcher Zeitung“ verharmlosend lediglich einen „Minderwertigkeitskomplex“ bei Christian Constantin ortet und sich des Langen und Breiten mit diesem Irrsinn befasst, ohne klar Stellung zu beziehen und die Vorgehensweise des Walliser Klub-Präsidenten zu verurteilen, wird dieser präsidiale „Amok-Lauf“ nicht so schnell aufzuhalten sein.

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