Befristete Arbeitsverträge im Profifussball weiterhin zulässig

(causasportnews / kl. / 17. Februar 2016) Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz hat mit Urteil vom heutigen 17. Februar 2016 die Berufung des Bundesligaklubs FSV Mainz 05 gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Mainz gutgeheissen und damit die Klage des ehemaligen Mainzer Torhüters Heinz Müller gegen seinen früheren Klub abgewiesen (Urteil vom 17. Februar 2016 – 4 Sa 202/15). Der Spieler hatte vor dem Arbeitsgericht gegen die Befristung seines Arbeitsvertrages bzw. auf Feststellung des Fortbestandes als unbefristetes Arbeitsverhältnis geklagt und in erster Instanz am 19. März 2015 Recht bekommen (Urteil des Arbeitsgerichts Mainz vom 19. März 2015 – 3 Ca 1197/14; siehe Causa Sport 2015, 136 ff. und 145 ff.). Das Arbeitsgericht vertrat die Auffassung, Profifussballer seien rechtlich wie konventionelle Arbeitnehmer zu behandeln und dürften daher – laut Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) – keineswegs fortgesetzt lediglich befristete Arbeitsverträge erhalten; das Urteil mündete in die Feststellung, dass das Arbeitsverhältnis zwischen dem Klub und dem Torhüter aufgrund der Befristung zum 30. Juni 2014 nicht beendet, sondern vielmehr als unbefristetes Arbeitsverhältnis fortzuführen sei. Das Urteil hatte im deutschen Profifussball für einige Aufruhr gesorgt; während DFL und DFB darauf hinwiesen, dass das allgemeine Arbeitsrecht im Fussball so nicht gelten könne, forderte die Spielergewerkschaft VDV bereits einen Tarifvertrag für Profifussballer. In der Tat schien kaum vorstellbar, wie angesichts der in Deutschland – im Vergleich bspw. zur Schweiz – erheblich eingeschränkten Kündigungsfreiheit ein Spielbetrieb ohne befristete Arbeitsverträge ausgestaltet werden könnte. Klubs, Verband und DFL befürchteten, Spieler nach Ablauf eines befristeten Vertrags unbefristet weiterbeschäftigen zu müssen, was wiederum Auswirkungen auf die Kadergrösse und damit den Personalaufwand der Klubs hätte. Ein geordneter Trainingsbetrieb mit einem solchen Kader scheint schwer vorstellbar, ganz zu schweigen von den teaminternen Spannungen, die ein Kader von 40 oder gar 50 Spielern bewirkt, die alle auch auf Einsätze drängen. Mit dem Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz können sich die Klubs (jedenfalls vorläufig) wieder etwas entspannen.

Die Berufungsinstanz hat ausdrücklich festgestellt, dass die Befristung eines Arbeitsvertrags zwischen einem Fussballklub der ersten Bundesliga und einem Lizenzspieler zulässig sei, wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt ist (§ 14 Abs. 1 S. 1 TzBfG). In casu sei wegen der Eigenart der geschuldeten Arbeitsleistung des Klägers als Profifussballspieler die Befristung des streitgegenständlichen Arbeitsvertrages sachlich gerechtfertigt. Auch in einem Nebenpunkt stützte das Berufungsgericht die Auffassung des Klubs. Der klagende Torhüter hatte sich auch gegen seine Versetzung in die zweite Mannschaft gewehrt und die Punkteprämien gefordert, die er bei einem Einsatz in der ersten Mannschaft erhalten hätte. Das Landesarbeitsgericht hielt hierzu fest, dass die Entscheidung darüber, ob ein Spieler in Bundesligaspielen eingesetzt werde, dem freien Ermessen des Trainers obliege. Komme der Spieler entsprechend einer solchen Trainerentscheidung nicht zum Einsatz, seien auch keine Punkteprämien geschuldet.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; das Landesarbeitsgericht hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache das Rechtsmittel der Revision zum Bundesarbeitsgericht zugelassen.

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