Landgericht Coburg: Kein Schadenersatz trotz schwerer Fussballverletzung

index (causasportnews / red. / 19. Januar 2016) In einem zwischenzeitlich rechtskräftig gewordenen Urteil vom 27. Oktober 2015 (23 O 58/15) hat das Landgericht Coburg Grundlegendes zum Schadenersatzrecht nach Verletzungen im Zusammenhang mit Fussballspielen bekräftigt. Ein Gegner (Schädiger) muss sich demnach im Spiel schuldhaft, nicht regelkonform verhalten; oder anders gesagt: Nur wenn Spielregeln vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt worden sind und ein Schaden resultiert, kommen Schadenersatz und allenfalls Genugtuung in Frage.

Im konkreten Fall wurde die Klage eines geschädigten Fussballspielers abgewiesen, obwohl der Vorfall auf einem Fussballplatz gravierende körperliche Folgen für den Geschädigten zeitigten. Dieser erlitt einen doppelten Kieferbruch. Der Schädiger (Angreifer und Beklagter) soll den Geschädigten (Torhüter und Kläger) mit voller Wucht gegen den Kopf getreten haben, als der Torhüter versucht habe, den Ball zu blockieren. Der Geschädigte argumentierte, das sei zumindest ein grob fahrlässiger Regelverstoss, der Schädiger sprach von unglücklichen Umständen. Der Sachverhalt liess sich letztlich beweismüssig nicht so erstellen, als habe der angreifende Spieler vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt. Bereits der Schiedsrichter ahndete die Attacke nicht als Foul. Auch das Landgericht liess sich vom Standpunkt des Geschädigten nicht überzeugen. Nur wenn Schädigungen vorsätzlich oder grob fahrlässig erfolgten, könne dies zu zivilrechtlichen Ansprüchen führen, erörterte das Landgericht die bestehende Praxis. Fussball sei zwar ein Kampfspiel mit erhöhtem Gefährdungspotential. Nur denjenigen, der schuldhaft gegen die Regeln des sportlichen Wettkampfs verstosse, könne aber eine Haftung treffen, hielt das Gericht in Einklang mit der gängigen Gerichtspraxis fest. Geringfügige Regelverstösse blieben jedoch folgenlos, führte das Landgericht weiter aus (was ein geringer Verstoss ist, muss aufgrund des jeweiligen Satzungsrechts, hier des DFB, beurteilt werden). Nur wenn also ein Geschädigter beweisen könne, dass sich sein Gegner im Spiel schuldhaft nicht regelkonform verhalten habe, führe dies zu zivilrechtlichen Ansprüchen. Konkret gelang es dem Geschädigten nicht zu beweisen, dass ein erforderlicher Regelverstoss erfolgt sei. Ebenso sah das Gericht keine Anhaltspunkte für grob fahrlässiges oder sogar vorsätzliches Verhalten. Die Quintessenz des Urteils lautet demnach: In der Kampfsportart Fussball kann es durchaus zu unvermeidbaren Verletzungen kommen, die keine zivilrechtlichen Folgen haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s