Wider „Schlitzie-Fitschi“ und „Schokostange“

Diskriminiert werden Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen, so auch im Sport“. „Im Fussball müssen wir von einem unbestellten Feld sprechen, wenn es um Diskriminierung geht, auch wenn einiges in Richtung Diskriminierungsbekämpfung getan worden ist“. So äusserte sich der Sportrechtler Prof. Dr. iur. Martin Nolte anlässlich des 7. Kölner Sportrechtstages am 8. Dezember 2015. Die Diskriminierung im Sport und insbesondere im Fussball sei ein Problem, das sich immer noch im Lösungsprozess befinde, kamen die Referentinnen und Referenten in Köln zu einem übereinstimmenden Schluss. Es sei jedoch in der Sportwelt viel guter Wille vorhanden, die Diskriminierung im Sport radikal zu verhindern, meinte Martin Nolte weiter und betonte, dass die Menschenwürde in Einklang mit dem Diskriminierungsverbot einherlaufe. In den Fachreferaten wurde festgestellt, dass in den Sportverbände weitgehend erkannt worden sei, dass zur Bekämpfung jeglicher Diskriminierung präventive und repressive Massnahmen notwendig seien. Insbesondere im Fussball seien mit Blick auf die sanktionsrechtlichen Ebenen die notwendigen satzungsrechtlichen Grundlagen auf allen Stufen (FIFA, UEFA, DFB) geschaffen und entsprechende Beschlüsse gefasst worden, um diskriminierendes Verhalten in und um den Sportplatz im Sinne einer „Nulltoleranz“ zu bekämpfen. Dr. iur. Bastian Haslinger, Leiter der Abteilung Sportgerichtsbarkeit im Deutschen Fussball-Bund, unterstrich, dass der Fussball Wichtiges und Notwendiges vorgekehrt habe, um Uneinsichtige zu sanktionieren. Im Rahmen des gesamten organisierten Fussballs würden die Sanktionsfälle im Zusammenhang mit Diskriminierungen weniger als ein Prozent aller Vorgänge ausmachen. Aufgrund dieser Zahl dürfe jedoch nicht geschlossen werden, das Diskriminierungsproblem im Fussball sei marginal. Dies wurde auch von Soziologen und Fan-Beauftragten bestätigt, die sich – neben dem professionellen Sanktionssystem – für Optimierungen mit Bezug auf begleitende Massnahmen aussprachen. Dr. iur. Stephan Osnabrügge, Vorsitzender der Kommission Gesellschaftliche Verantwortung des DFB, stellte die Diskriminierungsproblematik im Sport in einen erweiterten Kontext. Die aktuelle Situation im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik zeige auf, wie wichtig es mit Blick auf die Ausmerzung von Diskriminierungen sei, bspw. Flüchtlinge in den Fussball zu integrieren und dabei auch Diskriminierungen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dies unterstrich ebenfalls etwa der ehemalige Fussball-Profi Otto Addo. Die Diskriminierungsproblematik im Sport aus juristischer Sicht ist von Martin Nolte auch wissenschaftlich in Form eines Handbuches, das u.a. ein ausgedehntes Stichwortverzeichnis beinhaltet, aufgearbeitet worden. Seine entsprechenden Forschungsergebnisse präsentierte er anlässlich des Sportrechtstages in Form eines Buches. „Schlitzi-Fitschie, Schokostange“ lautete der Arbeitstitel für das Handbuch, das nun aber mit einem weit moderateren Titel („Diskriminierungsverbote im Fussball – Ein Handbuch für die Praxis“, 6. Band der Kölner Studien zum Privatrecht, 2016; EUR 30.–) in den Verkauf gelangt. Vielleicht würde die umfassende Publikation mit einem provokanteren Titel berechtigterweise grössere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, „was im Interesse der Sache an sich wünschenswert wäre“, meinte der Bochumer Rechtsprofessor Dr. iur. Gereon Wolters. Er legte dar, dass sich der Sport eben nicht in einem rechtsfreien Raum abspiele und Diskriminierungen auch strafrechtliche Auswirkungen haben könnten.

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