Gegenwind für Welt-Sportevents in Europa

Grosse Sportveranstaltungen haben auf dem europäischen Kontinent im Moment offenbar keine Chance auf Mehrheitssupport, wie ein Referendum in der Hansestadt Hamburg soeben einmal mehr gezeigt hat. Die Mehrheit der Bevölkerung hat sich – wenn auch nur knapp – gegen eine Kandidatur der Stadt für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 ausgesprochen. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass dabei spezifisch lokale Umstände eine Rolle gespielt haben (möglicherweise hielt sich die Begeisterung der Hanseaten nach dem finanziellen Debakel betreffend die Elbphilharmonie in Grenzen, abermals in die Tasche zu greifen – interessanterweise hat die Bevölkerung von Kiel, wo die Segelwettbewerbe hätten stattfinden sollen, für eine Kandidatur votiert). Nachdem aber 2013 bereits München eine Kandidatur für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2022 verworfen hat, drängt sich der Eindruck auf, dass Sportevents von Weltrang in Europa mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen haben. Ganz offensichtlich wird es immer schwieriger, die Bevölkerung für grosse Sportprojekte zu begeistern. Dabei dürften die Kosten nur einen der ausschlaggebenden Faktoren bilden. Gegenüber Sport-Grossveranstaltungen herrscht vielerorts Skepsis; das Vergabegerangel um grosse Veranstaltungen ist zudem ebenfalls kaum vertrauensfördernd. Möglicherweise spielten gerade bei der Abstimmung in Hamburg auch die kurz zuvor erfolgten Terroranschläge von Paris eine Rolle, die erkennbar werden liessen, dass (prominente) Sportveranstaltungen (ebenfalls) in den Fokus von Attentätern rücken. Und die Anschläge mögen den Stimmbürgerinnen und -bürgern zudem vor Augen geführt haben, dass es in der Welt weitaus grössere Herausforderungen zu meistern gibt als die Organisation von Olympischen Spielen oder Fussball-Weltmeisterschaften. Die Folge der ablehnenden Haltung der Bevölkerung sogar in traditionell eher fussball- bzw. sportbegeisterten Nationen wie Deutschland bewirkt allerdings, dass Europa als Region für die Austragung von Olympischen Spiele oder Fussball-Weltmeisterschaften zusehends marginalisiert wird. Solche Sport-Weltevents werden mehr und mehr in Ländern ausgetragen werden (müssen), deren Regierungen nicht gerade dafür bekannt sind, auf die Meinung der Bevölkerung allzu viel zu geben. Dem europäischen Kontinent bleibt letztlich wohl nur die Alternative, Olympische Spiele oder Fussball-Weltmeisterschaften künftig jeweils (nur) an historischer Stätte austragen zu lassen, z.B. in Griechenland (Olympische Spiele) oder in England (Fussball-WM).

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