FIFA kontaminiert die Welt

Das weltweite FIFA-Bashing treibt auch seltsamste Blüten. War es noch bis vor kurzer Zeit ein Privileg, sich im Umfeld des Weltfussballverbandes sehen zu lassen oder an Veranstaltungen der FIFA, auch an Fussballsspielen, teilzunehmen, scheint es nun im Trend zu liegen, sich vom Verband loszusagen oder abzugrenzen. Im Sport, insbesondere in der Leichtathletik, existierte früher die sog. „Kontaminationsregel“, die besagte, dass Sportler, die an einer Wettkampfbegegnung teilnahmen, an der auch Konkurrenten, die aus der Sicht des jeweiligen Verbandes nicht startberechtigt waren, etwa nach Dopingverstössen, sanktioniert werden konnten (vgl. zur „Kontaminationsregel“ Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, Eine Begriffserläuterung, 3. Aufl., Zürich, 2014, 201 f.). Diese Regel scheint nun auf anderer Ebene eine Renaissance zu erleben. Kürzlich wurden strafrechtliche Überlegungen angestellt, weil eine Gruppe von Zürcher Staatsanwälten und Richtern in den Jahren 1990 bis 2006 bei der FIFA WM-Tickets geordert hatte (und diese auch bezahlte). Die linke Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr rügte die Staatsbediensteten öffentlich; sie hätten sich, weil allfällige Delikte verjährt seien, zwar nicht strafbar gemacht, doch sei ihr Tun unsensibel gewesen. Als Konsequenz will die Politikerin den Verhaltenskodex für Staatsangestellte bezüglich Entgegennahme von Geschenken und Vergünstigungen präzisieren (Quelle: „Neue Zürcher Zeitung“ vom 26. Oktober 2015, Überschrift: „Jacqueline Fehr rügt WM-Reisen“ – sic! Gerügt worden sind offenbar die Reisen, nicht die Reisenden…). – Die Hysterie im Zusammenhang mit der FIFA nimmt teils groteske Züge an. Ein Ticket von der FIFA zu bekommen und zu bezahlen wird zu moralischem Fehlverhalten emporstilisiert und dürfte demnächst sogar kriminalisiert werden. Die juristisch unbefleckte Regierungsrätin und Justizdirektorin dürfte wohl nie etwas von für Staatsangestellte geltenden Ausstandsbestimmungen, die selbstverständlich zu beachten wären, gehört haben. Vom Gewaltenteilungsgrundsatz ganz zu schweigen. – Generell: Politiker/innen sind zweifelsfrei prädestiniert, sich mit Statements gegen die FIFA in Szene zu setzen, haben sich doch viele von ihnen immer gerne vom Weltverband zu Events aller Art einladen lassen; wie übrigens auch Medienschaffende. Der Lateiner würde es so sehen: Quod licet Jovi, non licet bovi.

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