„DFB-Skandal“: Grosses Getöse – immer noch keine Fakten

Vor zwei Wochen hat das Deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ exklusiv und mit grossem Getöse verkündet, die Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland sei gekauft worden; 6,7 Mio. Euro, zur Verfügung gestellt vom ehemaligen und zwischenzeitlich verstorbenen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, seien dafür verwendet worden, um vier Asiaten des FIFA-Exekutivkomitees bei der Abstimmung im Jahr 2000 bezüglich Vergabe der WM-Endrunde 2006 auf Deutschland-Kurs zu bringen. Zwischenzeitlich hat zwar der „Spiegel“, sekundiert von einem nicht der Redaktion angehörenden, investigativen Journalisten, der vom ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger auch schon eingeklagt worden ist, nachdem er diesen als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet hatte, zwei reisserische Titelgeschichten zum „zerstörten Sommermärchen“ und zum „Fall DFB“ veröffentlicht, doch Beweise für den vom „Spiegel“ in den Raum gestellten Stimmenkauf liegen immer noch nicht vor. Interessanterweise illustrierte der „Spiegel“ in der Erst-Story das Titelbild mit Robert Louis-Dreyfus, Wolfgang Niersbach und Franz Beckenbauer („Spiegel“ Nr. 43/2015); eine Woche später war dann Robert Louis-Dreyfus vom Titelbild verschwunden, und es blieben nur noch Wolfgang Niersbach und Franz Beckenbauer übrig („Spiegel“ Nr. 44/2015)…Zwischenzeitlich ist der „Skandal“ denn auch zur Fehde zwischen dem ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und dem aktuellen Präsidenten Wolfang Niersbach mutiert, was sich auch medial entsprechend niederschlägt. Ausgelöst hat die ganze Geschichte offenbar Theo Zwanziger, der vom früheren Fussballprofi Günter Netzer erfahren haben will, mit den 6,7 Mio Euro seien vier Stimmen für die Bewerbung Deutschlands „gekauft“ worden. Das bestreitet nun allerdings Günter Netzer und will gegen Theo Zwanziger gerichtlich vorgehen, falls dieser von seiner Darstellung nicht abrückt. Es braucht kaum hellseherische Fähigkeiten um den Schluss zu ziehen, dass allenfalls höchstens in einem Gerichtsverfahren erhellt werden kann, ob damals in der Tat vier Stimmen gekauft worden sind oder nicht, zumal Theo Zwanziger offenbar bei seiner Darstellung bleibt. Tatsache ist jedenfalls, dass der „Spiegel“ allmählich ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommt, weil ausser dem im Gang befindlichen Hauen und Stechen unter Funktionären lediglich Mutmassungen im Raum stehen. Faktum ist aber auch, dass die Erklärungsversuche des DFB, wofür das fragliche Geld eingesetzt worden ist, immer peinlicher werden und zumindest manifest werden lassen, dass die damals mit den Finanzabwicklungen betrauten Funktionäre in den pekuniären Belangen unbedarft und dilettantisch agiert haben. Und sicher ist, dass die Medien weltweit, die allesamt die „Spiegel“-Story durchwegs unreflektiert aufgenommen haben, zwar für gehörigen medialen Wind gesorgt haben und immer noch sorgen, aber wohl allmählich erkennen müssen, dass den Medienkonsumenten bis dato nichts weiter als ein grosses Brimborium, jedoch keinerlei gesicherte Fakten bezüglich des behaupteten Stimmenkaufs vorgesetzt worden ist. Genau diese Beweise müsste der „Spiegel“ nun aber vorlegen, will er nicht Gefahr laufen, wie damals der „Stern“ mit den „Hitler-Tagebüchern“ gegen die Wand zu laufen. Man darf jedenfalls gespannt sein auf das nächste Titelbild des Sprachrohs der moralischen Elite in Deutschland. Es müsste nun folgerichtig die unschöne Seite des „Sommermärchens“ medial mit der Fehde zwischen Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach fortgesetzt werden. Was allerdings die angeblich vier gekauften Stimmen für die WM-Vergabe 2006 anbelangt, ist im Moment mediales Schweigen angesagt. Das gilt auch für den anfänglichen journalistischen Versuch, die FIFA im Zusammenhang mit diesem Vorgang in Misskredit zu bringen.

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