FIFA: Schweiz kuschelt mit den USA

In Zeiten, als die Welt noch in Ordnung war, existierte im Journalismus ein eisernes Gesetz, nämlich, dass eine Medienkonferenz nur abgehalten werden soll, falls auch etwas (aus)gesagt werden kann. Diese Zeiten sind längst vorbei, weshalb sich weit über 100 Journalistinnen und Journalisten auch nicht darüber aufregten, als anlässlich einer gross angekündigten Medienorientierung der Schweizerischen Bundesanwaltschaft und der US-Justizministerin Loretta Lynch in der „Causa FIFA“ in Zürich ausser Plattitüden gar nichts Informatives vermittelt wurde. „Es gab wenig Neuigkeiten“, vermeldete eine grosse Schweizer Boulevardzeitung, die zuvor mit Getöse Ermittlungen gegen FIFA-Präsident als wahrscheinlich verkündete und eine entsprechende Bestätigung am Medientreff erwartete. Dasselbe Blatt berichtete: „Bundesanwalt Lauber stand im internationalen Rampenlicht“. Nach dem Dampfgeplauder vor den Medien war klar, dass die Schweiz (Bundesanwalt Michael Lauber) und die USA (Justizministerin Loretta Lynch) mit diesem Auftritt offenbar nur eines bewirken wollten: Sich auf der internationalen Bühne darzustellen und auf diesem Wege erneut Druck auf die FIFA auszuüben. Fakt ist (weiterhin), dass gegen die FIFA nichts Substantielles vorgebracht wird und sich sechs Fussball-Funktionäre, die Ende Mai 2015 im Rahmen einer Medieninszenierung verhaftet worden waren, immer noch in Auslieferungshaft befinden und alle gegen sie erhobenen Vorwürfe bestreiten (die siebte verhaftete Person hat einer Auslieferung zugestimmt und befindet sich in den USA auf freiem Fuss). Die Medienorientierung war geprägt von Liebesbezeugungen zwischen der „FIFA-Jägerin“ Loretta Lynch (so der Boulevard) und dem rührigen Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber. Die mit der eigenen Polit-Karriere befasste US-Justizministerin betonte, dass es keine bessern Partner geben würde als Michael Lauber und sein Team. Michael Laubers Replik folgte postwendend: „Wir arbeiten sehr gut zusammen mit den USA“, stellte er verklärt fest. Weitere Worthülsen wurden ausgetauscht und verbal unterstrichen, wie sehr man sich liebt. Die US-Justizministerin brachte es letztlich auf den Punkt: „Ich entschuldige mich, dass ich nicht sehr spezifisch sein kann, was wir untersuchen“. Und Bundesanwalt Michael Lauber wartete mit der bahnbrechenden Feststellung auf: „Wir haben viele Fakten“. Es darf als Wunder gewertet werden, dass sich die Medien dieses Bundesanwalts-Gesäusel und die Lynch-Justiz gefallen liessen. Nüchtern betrachtet müsste das philosophische Bonmot bemüht werden: „Si tacuisses, philosophus mansisses“. Sicher ist jedenfalls, dass an diesem Montagnachmittag in Zürich der Schweizer Rechtsstaat ein grosses Stück weit zum reinen Polit-Zirkus mutierte. Geradezu menschenverachtend ist überdies die Schweizer Auslieferungspraxis: Seit Monaten sind Menschen ihrer Freiheit beraubt, damit sich die Schweiz die Gunst der USA sichern kann. Auch wenn in der FIFA Handlungsbedarf besteht, gibt es für das auch von Behörden mitveranstaltete FIFA-Bashing nur eine Qualifikation: Unerhört.

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