FIFA: Verzogener Pulverdampf – vernebelte Fakten

Flag_of_FIFA.svgWeltweit steht der sog. „FIFA-Skandal“ immer noch im Fokus der Interessen und der Spekulationen, auch wenn insbesondere der Medien-Tsunami, der über die FIFA hereinbrach, zwischenzeitlich etwas abgeflaut ist. Nach den Verhaftungen von sieben Fussball-Funktionären, die sich immer noch in Auslieferungshaft befinden, und dem angekündigten Rücktritt des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter wird, nachdem sich der Pulverdampf etwas verzogen hat, das Ausmass des „Skandals“ offenkundig: Die von den USA inszenierte Verhaftungs- und Auslieferungsaktion vor dem FIFA-Kongress in Zürich war vor allem ein amerikanischer Propaganda-Coup (beflissen unterstützt etwa von der New York Times, die „rein zufällig“ just anlässlich der Polizeiaktion in Zürich am Ort des Geschehens war), und was am Schluss bleiben wird, ist reichlich ungewiss. Noch ist kein Fussball-Funktionär verurteilt worden, und auch dem FIFA-Präsidenten, auf den sich die Öffentlichkeit und die Medien eingeschossen haben, kann im Moment kaum etwas Substantielles angelastet werden. Obwohl eigentlich individuelle Funktionäre (fälschlicherweise wird durchwegs von „FIFA-Funktionären“ gesprochen) im Visier der Ermittlungen in den USA stehen (für welche die Unschuldsvermutung gilt bzw. gelten sollte), wird insbesondere gegen den Weltfussballverband FIFA insgesamt Stimmung gemacht und eben vom „FIFA-Skandal“ gesprochen und geschrieben. In diesem Zusammenhang muss vor allem der FIFA-Präsident ein mediales Trommelfeuer über sich ergehen lassen. So zierte Joseph Blatter bspw. am 30. Mai 2015 das Titelblatt des deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, das den FIFA-Präsidenten, obwohl dieser noch nie sanktioniert worden ist und gegen den keinerlei Beweise vorliegen (und er demnach im Sinne der Unschuldsvermutung als unbescholten gilt), als „korrupt“ diffamiert (eine Stossrichtung, die schon andere Prominente zu spüren bekamen, zuletzt etwa der ehemalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff, der zuerst wegen angeblicher juristischer Verfehlungen medial gejagt und nach dessen Freispruch dann eben mit „der ethischen Keule“ erlegt wurde (vgl. hierzu etwa Alexander Görlach, Wir wollen euch scheitern sehen! Wie die Häme unser Land zerfrisst (Anmerkung der Red.: mit „unser Land“ ist Deutschland gemeint) zerfrisst, 2014). Offenkundig wird im momentanen Faktennebel, dass die auf Geheiss der schweizerischen Justizministerin – einer ausgebildeten Musiklehrerin, die schon deswegen auf Harmonie mit den USA bedacht scheint – durchgeführte Aktion der schweizerischen Bundesanwaltschaft auf Ersuchen des US-Justizministeriums gegen die Fussballfunktionäre offensichtlich eine vorbereitende Aktion war. Dies um letztlich der FIFA zu gegebener Zeit eine Rechnung präsentieren zu können (wohl dann mit dem Argument, die FIFA sei eine kriminelle Organisation), so wie es seit einiger Zeit die schweizerische Bankenwelt zu spüren bekommt – Seal_of_the_United_States_Department_of_Justice.svgzuerst im Rahmen der Holocaust-Gelder, nun wegen steuerlicher Aspekte. Juristisch wird das Resultat der bundespolizeilichen Verhaftungsaktion, die von Fachleuten nota bene als völlig unverhältnismässig qualifiziert wird (weshalb wurden die Verhafteten z.B. nicht in den USA festgenommen?), am Schluss wohl nicht allzu ergiebig ausfallen. Geradezu notorisch ist die Tatsache, dass Aktionen der schweizerischen Bundesanwaltschaft oft im Desaster zu enden pflegen und ausser Schall, Rauch und anfänglichem medialen Getöse selten etwas übrig bleibt (vgl. etwa zuletzt die Fälle „Hells Angels“, „Behring“, „Holenweger“, „Rütli-Bomber“). Geht es um Fakten, ist in der Regel etwa eher nicht auf den „Spiegel“, sondern vorzugsweise auf die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) abzustellen, die allerdings bei der Gewichtung ihrer Berichterstattung zum sog „FIFA-Skandal“ auch nicht durchwegs durch Sachlichkeit und Verbreitung traditionellen liberalen Gedankenguts, sondern eher durch weltverbessernde Sozialromantik und eigenartige Fokussierungen glänzt: So berichtet die „NZZ am Sonntag“ am 7. Juni 2015 bereits auf Seite 2 weltbewegend, dass der FIFA-Film „United Passions“ bei seiner Erstaufführung in Los Angeles von lediglich zwei Personen angeschaut worden sei (was in diesem Land, in dem der Fussball keinen nennenswerten Stellenwert aufweist, auch nicht verwunderlich ist); eine krude Karikatur rundet die Anti-FIFA-Berichterstattung dann ab (es sagt ein Trainer zu den Fussball-Kids: „Eure Hände dürfen nicht an den Ball“ – Antwort eines Jungspielers: „Aber ans Schmiergeld schon?“). Signifikanterweise ein Sozialdemokrat, der jeden Sonntag in der „NZZ am Sonntag“ eine originelle Schlagzeile platzieren darf, versucht es auf den Punkt zu bringen und kommentiert die Rücktrittsankündigung des FIFA-Präsidenten aus Visp im Kanton Wallis im Zürcher Weltblatt so: „Oberwalliser Gämschi von heuchlerischer Weltgemeinschaft gnadenlos gewildert“. In der „NZZ“ vom 9. Juni 2015 scheint dann auch die Redaktion der NZZ den Blick für die Realitäten wieder entdeckt zu haben, allerdings lediglich auf der Medienseite. „Böse FIFA, gute USA“ heisst es in einem Beitrag, welchem an sich nichts beizufügen ist („Die Klage über die Amerikaner, welche im Irak einmarschierten und in Gefängnissen Folter zuliessen, scheint nun zu verstummen angesichts der moralischen Kraft, mit der die USA in das dunkle abendländische Reich des Filzes und der Korruption hineinleuchten“ (NZZ vom 9. Juni 2015, S. 50)). Mit Blick auf die moralisierende Berichterstattung des „Spiegel“ schreibt der NZZ-Journalist Rainer Stadler, den bösen Protagonisten Sepp Blatter, Wladimir Putin und Marine Le Pen als finsteres Trio werde nun die Heldin in der Gestalt der amerikanischen Justizministerin Loretta Lynch, welche „aufräume“, gegenüber gestellt – wozu sie als Ministerin in der Administration eines weltweit in kriegerische Handlungen involvierten Präsidenten mit Friedens-Nobelpreis-Auszeichnung selbstverständlich prädestiniert ist. Obwohl die USA vorgeben, juristisch Ordnung zu schaffen, scheint deren Stossrichtung klar zu sein, wie es der „Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel skizziert: „Natürlich ist das US-Justizverfahren gegen die FIFA politisch motiviert“, schreibt er in seinem Blatt (Weltwoche vom 4. Juni 2015, S. 4). Praktisch die ganze Medienwelt beteiligt sich im Augenblick am FIFA-Bashing – die Amerikaner wird’s freuen. Im Trend liegt nun in Anbetracht des „Skandals“ auch, sich von der FIFA zu distanzieren, wie es etwa die ohnehin aufgeblähte internationale Polizeiorganisation INTERPOL, über deren Nutzen für die Menschheit durchaus geteilte Meinungen existieren, soeben getan hat, welche in Anbetracht des Vorgefallenen die vor ein paar Jahren abgeschlossene Vereinbarung mit der FIFA zur Bekämpfung von Betrügereien im Zusammenhang mit Sportwetten sistierte. Noch pharisäerischer gibt sich derzeit der Vatikan, der, wie Radio Vatikan am 12. Juni 2015 mitteilte, wegen des Korruptionsskandals in der FIFA auf Spendengelder des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONMEBOL verzichten will. Fussball und Katholische Kirche bildeten bis anhin eine klassische Leidensgemeinschaft. Wer etwas auf sich hielt, auf mediale Auflagensteigerung bedacht war oder seine Beliebtheit zu verbessern beabsichtigte, drosch vor allem öffentlich auf die Katholische Kirche oder die FIFA ein. Seit Armuts-Papst Franziskus in Rom auf dem Stuhl Petri sitzt, eignet sich der Katholizismus als Bashing-Opfer nur noch bedingt. Übrig bleibt der Weltfussballverband. Ob auch für die FIFA bessere Zeiten nach dem Blatter-Rücktritt kommen werden? Ein Papst-Wechsel kann jedenfalls Wunder bewirken.

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