causasportnews.com – 65/2026, 15. Juli 2026

(causasportnews / red. / 15. Juli 2026) Es wird kaum globale Traurigkeit einkehren, wenn am Sonntag die Fussball-WM-Endrunde 2026 mit dem Finalspiel in der Nähe von New York abgeschlossen wird. 39 Tage Fussball werden am 19. Juli durchgestanden sein. Für etliche Nationalteams dauerte das Turnier relativ kurz, man denke nur an Deutschland. Andere Nationalmannschaften durften mangels Qualifikation für den grössten Sportanlass auf der Welt in Mexiko, in den USA und in Kanada die Reise nach Übersee gar nicht antreten, so Italien. 48 Nationalmannschaften versuch(t)en in nicht weniger als 104 Spielen, sich den Weltmeister-Titel zu sichern. Zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen (14. Juli) stand die Final-Paarung noch nicht fest. Der Weltmeister wird (wiederum) Argentinien, Spanien, Frankreich oder England heissen. Wer auch immer den Finalsieg realisieren wird, dürfte das generelle Fazit dieses Turniers am Sonntagabend, 19. Juli 2026, verkündet durch den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, kaum mehr verändern: «Diese WM-Endrunde war das beste Turnier aller Zeiten». Dabei dürften nicht wenige Protagonisten der beliebtesten Sportart auf dem Planeten nicht unglücklich sein, dass insbesondere der Spuk im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten und des unberechenbaren US-Präsidenten endlich ein Ende haben wird. Diese WM-Endrunde war letztlich ein Turnier der Wiedersprüche. Wie anders ist es zu erklären, dass Iran an diesem Wettbewerb in den USA, in Kanada und in Mexiko teilzunehmen hatte? Immerhin führen der Iran und die USA einen furchtbaren Krieg gegeneinander. So etwas wie einen «Olympischen Frieden», hier eine Waffenruhe während der WM-Endrunde, gibt es im globalen Fussball natürlich nicht (mehr). Dass der US-Präsident anlässlich des WM-Turniers im eigenen Land das Team Irans regelrecht «vorführte», ist eine grenzenlose Absurdität in dieser Welt, die einem permanenten Tag der offenen Türe im Irrenhaus ähnelt. Doch wo war denn eigentlich der US-Präsident während der WM-Endrunde? Bis zur Niederschrift dieser Zeilen besuchte er kein einziges der WM-Spiele, auch kein Spiel der amerikanischen Mannschaft. Nach der Einmischung der Politik in den Sport in der «Causa Folarin Balogun», die letztlich kontraproduktiv war (der dank politischem Druck gegen Belgien eingesetzte US-Spieler scheiterte mit seiner Mannschaft letztlich auf dem Spielfeld trotz der vorgängigen Intervention von Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino), setzte sich die sportliche Gerechtigkeit durch, doch der Fussball hat seither seine Unschuld verloren, was nachhaltig wirken wird. Apropos Donald Trump: Weshalb zeigte sich der US-Präsident während der WM-Endrunde nicht ein einziges Mal in einem Fussball-Stadion in den USA, in Kanada oder in Mexiko? Dies der Stand bei der Niederschrift dieser Zeilen. Die Spekulationen gehen in die Richtung, dass die Sicherheit des Präsidenten mit seinem losen Mundwerk, der beschimpft, beleidigt und sich allgemein wie ein übler Misanthrop aufführt, nicht zu gewährleisten wäre. Dazu war und ist von der FIFA keine Stellungnahme erhältlich. Dabei waren und sind doch die Präsidenten der USA und der FIFA beste Freunde, zeigten dies bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit; doch Gianni Infantino konnte sich während der WM-Endrunde nicht einmal an der Seite seines wohl temporären Polit-Freundes in einem Stadion zeigen. Ein Schelm, der Böses denkt!
Zweifelsfrei war diese WM in vielen Belangen gefällig, aber nicht herausragend. Das Turnier plätscherte vielmehr zähflüssig dahin und kommt glücklicherweise am Sonntagabend zu einem Ende. Das ist kein Frustrations-Fazit eines Schweizers, der immer noch mit dem unglücklichen Turnierende der Eidgenossen im Viertelfinale gegen dem amtierenden Weltmeister Argentinien hadert. Eine umstrittene Szene im Spiel der Schweiz gegen Argentinien bedeutete das «Aus» der beherzt aufspielenden Schweizer gegen Lionel Messi & Co. Das Fazit des helvetischen Nationaltrainers, Murat Yakin, die Schweiz habe nach dem umstrittenen Spielfeldverweis von Breel Embolo sich mit zehn Spielern gegen den amtierenden Weltmeister, gegen 70 000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion, gegen den Schiedsrichter und den VAR gegen die sich abzeichnende Niederlage ankämpfen müssen, ist zumindest nachvollziehbar. Seit der Niederlage gegen Argentinien werden in der Schweiz die Wunden geleckt. Verlierer haben es bekanntlich auch im Fussball immer schwer. Sogar die Nationalhymne, wurde in diesem Zusammenhang zum Kritikpunkt. «Zu viel Gott im Text und zu wenig Tempo in der Melodie», bilanzierte die «Neue Zürcher Zeitung» (14. Juli 2026). «Gott im hehren Vaterland», wie es im Schweizer Psalm heisst, ist offenbar für viele Menschen nur bei sportlichen Erfolgen erträglich, nicht aber in der Niederlage. Wo war denn der in der Nationalhymne angerufene «Fussball-Gott», als die unglücklich agierenden Spieler der Schweiz gegen die Argentinier untergingen? Das fragten sich die frustrierten Spötter, Atheisten und tendenziösen Ideologen aller Art. Wahrscheinlich ist es dieser Spezies auch zuviel, dass die Bundesverfassung der Schweiz noch immer so beginnt: «Im Namen Gottes des Allmächtigen!». Ob sich nach der Viertelfinal-Niederlage der Schweiz anlässlich des WM-Turniers eine Volks- und Ständemehrheit findet, welche diese Zeile in der Bundesverfassung ändern, bzw. anpassen, streichen und Gott auch aus dem Fussballspiel verbannen möchte, ist eher fraglich.
