Ein (halber) Sieg für die Frauen im Iran

(causasportnews / red. / 15. Oktober 2019) Wohlvermerkt, das alles ereignet sich im 3. Jahrtausend nach Christus…Doch weil das Christentum für den Islam eh inexistent ist, scheint die Jahrtausend-Einordnung in diesem Fall so oder so irrelevant zu sein. Jedenfalls ereignete sich kürzlich in Teheran aus der Sicht des Islams geradezu Revolutionäres, aus anderer Optik eher Unglaubliches, Skurriles. Am 10. Oktober trugen die Fussballspieler Irans einen WM-Qualifikationsmatch gegen Kambodscha aus. Sportlich war das eine klare Sache: Die Iraner fertigten die Kambodschaner gleich mit 14:0 ab – eine WM-Qualifikation darf natürlich auch komische Elemente beinhalten. Das Resultat war allerdings von sekundärer Bedeutung. Bemerkenswerteres ereignete sich ausserhalb des Spielfeldes, denn erstmals nach 40 Jahren war es Frauen erlaubt, als Zuschauerinnen an einem Fussballspiel dabei zu sein. Nach dem Schützenfest eilten die Iraner zu den vier separaten, mit Frauen belegten Tribünen und bedankten sich bei den hinzugewonnen, weiblichen Fans. Bis zum Spielbeginn war es unklar, ob der Qualifikations-Match überhaupt in Gegenwart von Frauen ausgetragen würde (causasportnews vom 29. September 2019). Wohl nur wegen des internationalen Drucks auf die Staats-Verantwortlichen Irans erlebten Frauen seit der Islamischen Revolution vor fast 40 Jahren in der Islamischen Republik nun einen mehr oder weniger ungehinderten Zugang zu einem Fussballspiel. Die Nachfrage nach Tickets für die Frauen-Tribünen im Azadi-Stadion in Teheran war enorm, und die rund 4000 Eintritte, für welche eine neue Kategorie („Frauen-Tickets“) geschaffen wurde, gingen offenbar in kürzester Zeit weg. Trotz allem: So ganz ist diese fussballerische Frauen-Emanzipation (noch) nicht geglückt. Die separaten „Frauen-Tribünen“ im Stadion, die Zäune zur Geschlechtertrennung, der Ausschluss weiblicher (Press-)Fotografen und andere Einschränkungen liessen den 10. Oktober 2019 nur halbwegs zum Frauen-Befreiungstag im Iran werden. Nach wie vor bilden Fussball-Stadien für Frauen bei nationalen Spielen sog. „terrae incognitae“.

Die Öffnung im Rahmen internationaler Spiele hat sich seit dem März dieses Jahres abgezeichnet. Immer wieder schmuggelten sich in den letzten Jahren Frauen, verkleidet und nicht selten mit angeklebten Bärten, in die Stadien. Eine 29jährige Frau wurde erwischt und vor das Islamische Revolutionsgericht gestellt. Dort zündete sie sich an und starb an den Verbrennungen. Nach internationalen Protesten wegen dieser Diskriminierung und den tragischen Folgen wurde die Lockerung der Zugangs-Restriktionen für Frauen angekündigt. Ob diese Liberalisierung durch den Druck der FIFA ausgelöst worden ist, lässt sich nicht belegen, könnte aber sein.

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