Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen – Und das baldige Ende des Nationalmannschafts-Fussballs?

FIFA Pokal (causasportnews / red. / 22. August 2018) In den nächsten Tagen wird es zum „Showdown“ im Deutschen und im Schweizer Spitzenfussball kommen: Im Deutschen Fussball-Bund (DFB) soll die WM-Pleite in Russland abgehakt und eine bessere Zukunft eingeläutet werden; im Schweizerischen Verband (SFV) stehen ebenfalls entscheidende Schnitte nach der missglückten WM-Endrunde 2018 an.

Im DFB wird derzeit über Ursachen und Wirkungen des frühen WM-Aus in Russland debattiert. In personeller Hinsicht stehen die Protagonisten der WM-Expedition im Fokus, insbesondere DFB-Präsident Reinhard Grindel und der Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff. Aussen vor bleibt der sportliche Verantwortliche, Bundestrainer Joachim Löw, dessen Vertrag vor der WM-Endrunde verlängert worden ist (vgl. causasportnews vom 3. Juli 2018) und der weiterhin so unantastbar scheint wie er aus sportlicher Sicht über die missglückte Titel-Verteidigung schweigt. Einigermassen erstaunlich ist der Umstand, dass bis anhin keine sportliche Analyse des Misserfolgs in Russland vorliegt. Der Grund dafür, dass die Spieler nicht das von Ihnen Erwartete gebracht haben, wird so oder so im (angeblichen) Versagen des DFB-Präsidenten geortet. Oder anders: Der Misserfolg auf den Spielfeldern Russlands wird mit den Mängeln der Funktionäre, allen voran Reinhard Grindel, begründet, frei nach dem Motto: „Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen“. In der Schweiz stehen in den nächsten Tagen gravierende Weichenstellungen an: Gespannt wartet die Öffentlichkeit auf die sportlichen Analyse der auch für die Schweiz enttäuschenden WM-Endrunde. Demnächst wird sich der sportlich Verantwortliche, Nationaltrainer Vladimir Petkovic, erstmals zu Wort melden. Bereits seit geraumer Zeit wird im SFV über „Köpfe“ diskutiert. Nach dem Abgang von Generalsekretär Alex Miescher, dem die „Doppelbürger“-Debatte zum Verhängnis geworden ist, scheint auch die Position von Verbandspräsident Peter Gilliéron nicht mehr unangefochten zu sein. Die Boulevardpresse hat bereits einen Nachfolger für den amtierenden SFV-Präsidenten in Stellung gebracht; dieser hat aber, oh Peinlichkeit, bereits abgewunken. So wird das Hauen und Stechen nach der WM-Endrunde in Russland sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz wohl noch für einige Zeit weiter gehen.

Neu und intensiver werden dürften die Diskussionen um den Nationalmannschafts-Fussball an sich. In Deutschland firmiert die Fussball-Nationalmannschaft seit einiger Zeit unter dem Label „Die Mannschaft“. Hin zum Team also, weg von nationalen Aspekten. Der DFB hat das Nationalteam also von jeglicher Form des „Nationalen“ entkoppelt. Wird diese Idee künftig konsequent umgesetzt, werden sich in der Zukunft „Özil“-Debatten erübrigen. Es wäre dann aber wohl auch das Ende des konventionellen Nationalmannschafts-Fussballs gekommen.

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