Der „Fall Martin Grab“ – eine „Première“ im Schwing-Sport

swing-1399062_1920(causasportnews / red. / 8. August 2018) Geht es um Klischees und Sport, bietet der „Eidgenössische Schwingerverband“ (ESV) dafür das Paradebeispiel schlechthin. Die urtümliche Sportart, die von englisch sprechenden Menschen nicht selten terminologisch mit dem nicht ganz jugendfreien „swingen“ verwechselt wird, verkörpert Eigenheiten und Tugenden, die teils dem SVP-Parteiprogramm entnommen sein könnten: Kraft, Ästhetik, Fairness, Kollegialität, Respekt, Ehrlichkeit usw. sind Qualifikationen, die in dieser Sportart besonders gelebt und hochgehalten werden. Obwohl der Schwing-Sport auch Spitzensport darstellt und auch eine nicht zu unterschätzende Werbeplattform abgibt, reguliert sich diese Sportart inner- und ausserhalb der Sägemehlringe weitgehend selber. Seit Jahrzehnten geben die (einschränkenden) Werberichtlinien in dieser Sportart zu reden; Verstösse dagegen führen immer wieder zu Sanktionen. Unter diesen Vorzeichen ist das Schwingen auch vor dem Dopingproblem nicht verschont geblieben. Die Kraft-Sportart „Schwingen“, die auch als „Szene“ bezeichnet wird, ist grundsätzlich für die Anwendung leistungssteigernder Mittel und den Einsatz entsprechender Massnahmen geradezu prädestiniert. Allerdings ist dabei festzuhalten, dass im Schwingsport nicht etwa von flächendeckendem Doping gesprochen werden kann. Wird gegen Dopingregularien verstossen, ist dieser Umstand tendenziell auf Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit zurückzuführen. Unter diesen Vorzeichen darf der jüngste Dopingfall im Schwingsport betrachtet werden: Der Spitzen-Schwinger Martin Grab, bei dem das verbotene Mittel Tamoxifen nachgewiesen werden konnte, ist kaum ein aufgeflogener Sport-Betrüger, zumal er ohnehin schon im Frühjahr seinen Rücktritt vom aktiven Sport erklärt hat. Der Vorgang hat allerdings vor allem deshalb einen gewissen Beachtungsgrad, weil sich der Doping-Fall unter dem neuen Doping-Regime des Verbandes, quasi als „Première“, ereignet hat. Bis Ende 2016 wurde das Problem „Doping“, inklusive Sanktionen bei Doping-Verstössen, innerhalb des ESV geregelt: Der Verband legte auch selber fest, wann ein Dopingverstoss angenommen werden musste und welche Sanktionen bei positiven Befunden auszufällen waren. Vor allem legte er auch fest, wann und wie oft Athletinnen und Athleten kontrolliert werden sollten. „Antidoping Schweiz“ entnahm im Auftrag des ESV nur die Dopingproben. So ist es im organisierten Schwing-Sport an sich auch üblich: Probleme werden innerhalb der „Schwinger-Familie“ gelöst. Seit knapp eineinhalb Jahren hat der ESV aber die Hoheit über die Dopingbekämpfung an „Antidoping Schweiz“ (diese Stiftung bildet das Kompetenzzentrum für Dopingbekämpfung der „Swiss Olympic“ angeschlossenen Sport-Fachverbände) abgegeben. Der „Fall Grab“ war nun der erste Dopingfall, der gemäss neuer Sanktionsordnung abgewickelt wurde. Diese wird nach der Überführung von Martin Grab durchwegs als „glaubwürdig(er)“ bezeichnet. Ist sie wohl auch. Obwohl in dieser Sportart, die meist vor grandiosen Bergkulissen und in pittoresken Landschaften ausgeübt wird, das Dopingrisiko nicht als exorbitant gross einzuschätzen ist, macht wirksame Vorbeugung in dieser Hinsicht Sinn. Im Schwing-Sport an der Spitze geht es heute nicht mehr nur um den Gewinn der Sieger-Munis, sondern oft um sehr viele Sponsoring- und Werbefranken.

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