«Loslassen» – aber nur ein bisschen

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Loslassen: Meistens nur metaphorisch eine gute Idee …

(causasportnews / red. / 28. Mai 2018) Das Leben bestehe aus „Loslassen“. Das war stets eines der Leitmotive im Leben des ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Wie Recht er hat(te). Dass das „Loslassen“ auf verschiedene Weise Tatsache werden kann, hat der 82jährige Walliser in den letzten Jahren selber erlebt. Im Weltfussballverband FIFA wurde er 2015 letztlich zum „Loslassen“ gezwungen; persönlich hat er mit dieser Lebensphilosophie indessen noch nicht gleichgezogen. Zu sehr beschäftigt ihn immer noch sein abrupter Abgang aus der FIFA, den er nach wie vor als unverständlich und ungerecht bezeichnet. Geht es um Joseph Blatter, ist die Diskrepanz zwischen subjektiver und objektiver Wahrheit augenfällig. Es geht um die Wahrheit des Ex-Präsidenten und um die objektive Wahrheit. Diese beiden Wahrheiten scheinen nicht oder in wesentlichen Punkten nicht deckungsgleich zu sein. Nicht verwunderlich also, dass das neuste Buch aus der Feder von Joseph Blatter, bzw. seines Sprechers und Journalisten, Thomas Renggli, den Titel „Meine Wahrheit“ trägt. Die Wahrheit, wie sie der Ex-FIFA-Präsident sieht, wird demnächst (einmal mehr) gedruckt vorgelegt. Gemäss einem Interview, das Joseph Blatter kürzlich der französischen Sport-Zeitung „L’Équipe“ gewährte (22. Mai 2018), ist diese Wahrheit kaum eine andere, als sie bereits hinlänglich bekannt ist. Sie dreht sich um „FIFAgate“, um die handstreichartige Absetzung von Joseph Blatter als FIFA-Präsident durch die Ethikkommission des Verbandes, um die Rolle der amerikanischen Justiz-Behörden, welche gegen die FIFA und korrupte Funktionäre loszogen, um die Rolle seiner ehemaligen Mitarbeiter in der Zentrale des Weltfussballverbandes, um das Verhältnis zum früheren UEFA-Präsidenten Michel Platini, den Joseph Blatter eine „Primadonna“ nennt, usw. Auch nach der Lektüre des neusten Buches von Joseph Blatter dürfte die absolute Wahrheit immer noch nebulös bleiben. Das „Loslassen“ wird wohl auch nach Erscheinen der Publikation für den ehemaligen FIFA-Präsidenten eine philosophisch-theoretische Ausrichtung bedeuten. –„Loslassen“ ist auch kein reales Thema für den ehemaligen Blatter-Getreuen und langjährigen Chef-Mediziner der FIFA, Jiri Dvorak. Der bald 70jährige Neurologe aus Zürich galt während der Amtszeit von Joseph Blatter bei der FIFA als so etwas wie der 76jährige Sportarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt beim FC Bayern München; die markantesten Unterschiede zwischen den beiden Medizin-Gurus besteht darin, dass der jüngere, Jiri Dvorak, seine (immer noch) langen Haare weiss trägt, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt seine üppige Haarpracht hingegen tief-dunkel zur Schau trägt – und sich Letztgenannter seine Aufgabe beim FC Bayern München nach dem Abgang von Trainer Josep Guardiola an der Isar umgehend zurückerobert hat, nachdem es die beiden miteinander nicht gekonnt hatten. Gleiches gelang Jiri Dvorak bis heute nicht (mehr), und es wird ihm auch kaum mehr gelingen. Nach der Wahl von Gianni Infantino zum FIFA-Präsidenten 2016 war seine Zeit im „Home of FIFA“ definitiv abgelaufen. Seine Geschichte und seine Wahrheit ist von der „Neuen Zürcher Zeitung“ fast zeitgleich mit dem Interview von Joseph Blatter in der „L’équipe“ publiziert worden („NZZ“ vom 24. Mai 2018). Dabei geht es um Doping im Fussball, um die Dopingvorwürfe gegenüber Russland sowie natürlich um die Arbeit von Jiri Dvorak in der FIFA und für den Weltverband – und um seine Entlassung durch den neuen FIFA-Präsidenten („weil ich zu nahe an Blatter war? Das müssen Sie Infantino fragen.“). Viele Vorschläge des langjährigen Chef-Mediziners sind nie umgesetzt worden, was Jiri Dvorak zur Konklusion führt: „Viele meiner Vorschläge liegen irgendwo in einer Schublade“. „Loslassen“ tönt anders.

Postskriptum: „Loslassen“ kommt in verschiedenen Erscheinungsformen vor. Es bestehen keinerlei Zweifel, dass der ehemalige Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), Dr. Theo Zwanziger, nicht derart an seiner Aufgabe hing, als dass er nicht hätte „loslassen“ können. Nun holt ihn aber die Vergangenheit ein. Soeben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt a.M. Anklage gegen den ehemaligen Verbandspräsidenten und weitere, ehemalige DFB-Funktionäre erhoben. Es geht um Vorgänge im Rahmen der Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland. Auf diese Fortsetzung des „Sommermärchens“ könnten die angeklagten Funktionäre wohl verzichten.

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