Olympia – auch eine Werbe-Schlacht

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Ausstattung der deutschen Mannschaft für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi Bildnachweis: wikimedia commons; Martin Rulsch

(causasportnews / red. / 8. Februar 2018) Dass Olympische Spiele auch eine Werbe-Schlacht sind, ist eine geradezu notorische Tatsache. Der „Fall Karl Schranz“, der im Vorfeld der Olympischen Spiele 1972 im japanischen Sapporo wegen Verletzung des damals noch geltenden Amateur-Statuts durch den Österreicher zu einer Sperre des Top-Athleten führte (diesem wurde eine Werbung für Kaffee zum Verhängnis), würde heute in jedem Medium unter der Rubrik „Kurios“ abgehandelt (vgl. dazu auch Causa Sport 4/2017, 315 ff.). Nun ist alles anders, und bereits morgen Freitag wird beim Einmarsch der Athletinnen und Athleten zur Eröffnungsfeier in Südkorea manifest werden, dass grosse Sportevents auch ein Festival des Kommerzes sind. Die Eröffnungsfeier Olympischer Spiele verkommt denn auch immer mehr zu einer vor-olympischen Modeschau. Geradezu Historisches wird sich bezüglich der deutschen Athletinnen und Athleten morgen Freitag ereignen. Die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer werden die Arena in Pyeongchang nicht in der exklusiven Kleidung des ehemaligen Skirennfahrers Willy Bogner betreten, sondern in „Adidas“-Anzügen. Seit 1936 in Garmisch war „Bogner“ Ausrüster des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB); nun hat die Münchner Renommier-Marke diesen Auftrag an „Adidas“ verloren. Wie es zum spektakulären Markenwechsel kam, ist nicht ganz durchsichtig. Dass „Adidas“ schon lange auf diesen Moment wartete, um „Bogner“ aus dem Rennen zu werfen, ist seit einiger Zeit bekannt. Selbstverständlich ist auch dieser Ausstatter-Markt im und um den Sport von Beziehungen, Vorlieben und Abneigungen geprägt. Nur hinter vorgehaltener Hand wird die Vermutung geäussert, dass mit Blick auf die Qualität und das Design der „Bogner“-Bekleidung etwas Besseres auf dem Markt schlicht nicht existiert. Ausschlaggebend für das Ende von „Bogner“ im DOSB dürfte aber wohl auch der Umstand sein, dass das Münchner Unternehmen die Ausrüstung nicht ganz kostenfrei lieferte und deshalb das Verhandlungsgeschick der DOSB-Funktionäre in Zweifel gezogen wurde. Kostenfreiheit gibt es nämlich nun für die Sportlerinnen und Sportler mit „Adidas“. Nicht einig ist man sich in Sportkreisen darüber, ob der Auftrag, den nun „Adidas“ erhalten hat, hätte ausgeschrieben werden müssen; das wurde er jedenfalls nicht. Wie dem auch sei: Wird eine Eröffnungsfeier mit dem Einmarsch der Athletinnen und Athleten als Modeschau betrachtet, dürften nach dem Marken-Wechsel die Chancen der Deutschen sinken, als best-angezogene Sport-Nation der Welt qualifiziert zu werden. „Adidas“ ist zwar eine nüchterne, unaufgeregte Marke für jedermann, wer es jedoch gerne etwas exklusiv und ausserordentlich mag, wird zweifellos „Bogner“ favorisieren.

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