Sponsorenaufstand auch in der Leichtathletik

(causasportnews / err. / 28. Januar 2016) Sponsoren als Kooperationspartner von Sportverbänden und Sportveranstaltungen sind bestrebt, sich in tadellosem, ethisch einwandfreiem Umfeld zu positionieren. Im Zuge der Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Weltfussballverband FIFA im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass die Hauptsponsoren in der FIFA-Zentrale in Zürich vorstellig geworden sein sollen und Remedur der Verhältnisse verlangt hätten. Jedenfalls hätten die amerikanischen Sponsoren Druck auf den Verband ausgeübt, was aber auch politisch motiviert gewesen sein könnte, weil die US-Justizbehörden die FIFA ins Visier genommen hatten. In dieser Hinsicht kaum in Erscheinung getreten war der FIFA-Sponsoringpartner „Adidas“. Doch der deutsche Sportartikelkonzern steht nun an einer anderen Front im Fokus: In der Leichtathletik. „Adidas“ beabsichtigt, den Sponsoringvertrag mit dem internationalen Leichtathletikverband (IAAF) vorzeitig, vier Jahre vor dem vorgesehenen Vertragsende, aufzukündigen. Der Konzern fürchtet offenbar Reputationsschäden wegen des Doping- und Korruptionsskandals in der Leichtathletik (angeblich systematisches Doping in Russland sowie Vertuschungen und Erpressungen seitens des früheren IAAF-Präsidenten im Zusammenhang mit Doping) und möchte sich in diesem Negativ-Umfeld nicht weiter sehen lassen. Dass derartige Vorkommnisse Gründe abgeben können, um vorzeitig einen Sponsoringvertrag zu beenden, dürfte evident sein. Im Falle der IAAF scheinen aber noch andere Motive, welche „Adidas“ zum vorzeitigen Vertragsausstieg bewegt haben sollen, vorzuherrschen: Diese hängen offenbar mit dem amtierenden IAAF-Präsidenten, dem früheren Top-Leichtathleten Sebastian Coe, zusammen. Dieser war jahrelang als Markenbotschafter des „Adidas“-Konkurrenten „Nike“ tätig. Zum Überfluss vergab die IAAF letztes Jahr die Leichtathletik-WM 2021 nach Eugene im US-Bundesstaat Oregon. Zufälligerweise befindet sich die „Nike“-Zentrale nur einige Kilometer von den vorgesehenen Austragungsstätten der WM 2021 entfernt. Dies hat die europäische Leichtathletik und „Adidas“ zumindest nicht gerade zu Beifallsstürmen veranlasst. Ob nun der Doping- und Korruptionsskandal der wirkliche Grund für den geplanten Sponsoring-Ausstieg von „Adidas“ ist oder ob die thematisierten Doping-Gründe nur vorgeschützt sind, bleibt einstweilen im Dunkeln. Eventuell wird diese Frage dereinst gerichtlich geklärt werden, denn durch die vorzeitige Vertragsbeendigung entgehen der IAAF rund 30 Millionen US-$, was von der IAAF nicht leicht zu verkraften sein wird – es sei denn, „Nike“ übernimmt die freigewordene Sponsoringlücke.

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