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Nassim Ben Khalifa erzwingt Reintegration in den Trainingsbetrieb

(causasportnews / red. / 3. April) Dem aussortierten Fussballspieler Nassim Ben Khalifa ist es gelungen, die Reintegration in den Abschluss-Trainingsbetrieb des FC St. Gallen gerichtlich zu erwirken: Das Kreisgericht St. Gallen hat ein entsprechendes Begehren des Spielers gutgeheissen und vorsorglich (nach Anhörung beider Parteien) den Verein und die verantwortlichen Organe angewiesen, den Fussballspieler vollumfänglich zu den klubinternen Trainings zuzulassen. Die Begründung des St. Galler Einzelrichters ist stringent und nachvollziehbar – und erinnert an einen Fall aus dem Jahr 2014 (Causa Sport 4/2014, 387 ff.), als der damalige Spieler des Grasshopper Club Zürich, Veroljub Salatic, die Zulassung zum Trainingsbetrieb gerichtlich erzwang (Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 20. Oktober 2014; ET140003-D). Die beiden Vorgänge weisen gewisse faktische und rechtliche Parallelen auf; und sinnigerweise wird Nassim Ben Khalifa vom selben Anwalt vertreten wie damals der in Ungnade gefallene Grasshopper-Spieler, nämlich vom Zürcher Sportrechtsspezialisten Kai Ludwig. In der Begründung setzt sich das Gericht mit dem grundsätzlich gegebenen Beschäftigungsanspruch eines Fussballspielers auseinander, sieht jedoch den Grund für die vorsorglich angeordnete Integration in den Trainingsbetrieb konkret in der Ungleichbehandlung des Gesuchstellers mit den anderen Spielern des FC St. Gallen durch den dauerhaften Ausschluss von den Abschlusstrainings. Hierin erblickt das Gericht eine Verletzung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bzw. der Persönlichkeit des Spielers, was in Anbetracht des bis Mitte 2020 befristeten Arbeitsvertrages von einer gewissen Tragweite sei.

Der Entscheid aus St. Gallen Entscheid vom 1. April 2019 hat vor allem die Welt des organisierten Fussballs in der Schweiz aufgeschreckt. Sog. „Experten“ malten im Nachgang zur richterlichen Anordnung düstere Bilder. Zu Unrecht. An sich ist die Entscheidung in Anbetracht der Fakten, welche der Verein gesetzt hat, durchaus nachvollziehbar, und die nüchterne und sachliche Beurteilung des Vorgangs unter arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten lässt die Folgen und die Bedeutung des richterlichen Entscheids einigermassen relativiert erscheinen.