Laufsport am Berg als Alternative zum Bergsteigen?

causasportnews / 1189/10/2024, 10. Oktober 2024

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(causasportnews / red. / 10. Oktober 2024) Das Bergsteigen ist seit jeher eine faszinierende, herausfordernde und anspruchsvolle sportliche Disziplin. Dann beherrschten die Extrem-Alpinisten die Szene. Mit oder ohne Sauerstoff die höchsten Berge der Welt zu erklimmen, war und ist vor allem mit dem Namen des Südtirolers Reinhold Messner verknüpft. Dann hiess es grundsätzlich in Anlehnung an die eherne Sport-Maxime «citius (schneller), altius (höher), fortius (stärker)» vor allem im Zusammenhang mit dem Bergsteigen «citius» und ein wenig «altius». Für Schnelligkeit am Berg sorgte etwa der 2017 am Mount Everest verstorbene Berner Bergsteiger Ueli Steck. Viele andere taten es ihm in punkto Geschwindigkeit im Alpinismus gleich.

Nun erreicht das Speed-Bergsteigen eine neue Dimension, wobei diesbezüglich gar nicht mehr von Bergsteigen gesprochen werden kann. Die Läufer haben die welthöchsten Erhebungen für ihre Aktivitäten entdeckt. Sie besteigen die Berge nicht mehr, sondern laufen so rasch als möglich (citius) hoch (altius) zu den Gipfeln. So der Amerikaner Tyler Andrews, der vom Ausdauer-Laufsport kommt und die Leistungsgrenzen jenseits des Marathons in den Bergen auslotet. Kürzlich ist der 34jährige Langdistanz-Läufer den 8163 hohen Manaslu in Nepal in 9:52 hochgerannt. Die 3313 Höhnmeter bewältigte er mit einem Schnitt von rund 330 Höhenmetern pro Stunde. Natürlich verlangsamte sich sein Tempo beim Aufstieg zum Gipfel des Manaslu in der immer dünner werdenden Luft logischerweise zusehends. Für diese ausserordentliche Leistung ist der Amerikaner dann geradezu frenetisch gefeiert worden.

Grundsätzlich sind die Bergläufer den Bergsteigern im einfacheren Gelände durchwegs überlegen (fortius). Bergsteiger oder Grenzgänger wie Ueli Steck sind im Kern zudem immer noch Abenteurer, Läufer wie der 173 Meter grosse und 55 Kilogramm schwere Tyler Andrews haben keine derartigen Ambitionen. Bergläufer gehen zudem beträchtliche Risiken ein, weil sie die Berge beispielsweise mit Spezial-Laufschuhen erklimmen und auf warme, hinderliche Kleidung verzichten. Dennoch scheint diese Form des Speed-Berglaufens eine Zukunft zu haben. Ein Anbieter kommerzieller Berg-Expeditionen berichtet von Kunden, die in Turnschuhen auf 7000 Meter hochlaufen möchten; solche Schuhe sind bequemer als die konventionellen Bergsteiger-Schuhe. «Normal» ist diese Art des Bergsportes dennoch nicht. Wetten, dass sich dieser neue Trend sportlicher Betätigung in den höchsten Bergregionen der Welt als Alternative zum Bergsport dennoch etablieren wird, auch wenn dieser mit traditionellem Alpinismus kaum etwas zu tun hat?

(Basisquelle: «Tages-Anzeiger», Zürich)