Archiv der Kategorie: Allgemein

Karl Egloffs Vorsatz für 2026: «Seven Summits-Sammlung» vervollständigen

causasportnews.com – 118/2025, 23. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 23. Dezember 2025) Der 44jährige Extrembergsteiger Karl Egloff sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Höchstleistungen aller Art, so «Speed»-Rekorde, sind seine Leidenschaft. Vor einem halben Jahr versuchte sich der schweizerisch-ecuadorianische Doppelbürger am Mount Everest, den er in einer Zeit von unter 20 Stunden besteigen wollte, jedoch fürs Erste scheiterte (vgl. auch causasportnews vom 2. Juni 2025). Er kündigte an, diesen Rekordversuch baldmöglichst erneut unternehmen zu wollen. Wohl im Zuge des bevorstehenden Jahreswechsels, der meistens mit Vorsätzen einhergeht, hat Karl Egloff mitgeteilt, im neuen Jahr seine «Seven Summit Sammlung» zu vervollständigen und zu komplettieren. Unter die «Seven Summits» werden die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente subsumiert. Bezüglich der Besteigung dieser Berge in Rekordzeit und ohne Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff hat sich unter Extrembergsteigern ein weiterer Wettbewerb entwickelt.

Die «Seven Summits» sind 1985 erstmals vom US-Amerikaner Richard «Dick» Bass ohne «Speed»-Ambitionen bezwungen worden. Seither dürften etwa 500 Alpinistinnen und Alpinisten das Kunststück vollbracht haben, die jeweils sieben höchsten Berge aller Kontinente bestiegen zu haben. Als erste Frau liess sich 1992 die Japanerin Junko Tabei in diese Rekordliste eintragen.

Nun hat sich Karl Egloff das ehrgeizige Ziel für 2026 gesetzt und will im kommenden Jahr die in seiner «Sieben-Berge-Sammlung» noch fehlenden Mount Everest (Asien; 8848 Meter ü.M.), die Carstensz-Pyramide (Australien; 4884 Meter ü.M.) und das Vinson Massif (Antarktis; 4892 Meter ü.M.) besteigen; die restlichen vier höchsten Kontinental-Berge hat er bereits bezwungen. Vor allem vor dem Mount Everest hat der Extrembergsteiger mit «Speed»-Ambitionen offenbar am meisten Respekt. Wie erwähnt, musste Karl Egloff seinen «Speed»-Versuch am höchsten Berg der Erde im Frühjahr vorzeitig abbrechen. Massive Schneemengen und herrschende Feuchtigkeit machten ihm zu schaffen. Zudem fühlte er sich nach eigenen Angaben nicht ganz wohl.

Ein ganz gewöhnlicher Arbeitsrechtsprozess nur mit ungewöhnlich hohem Streitwert?

causasportnews.com – 117/2025, 19. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 19. Dezember 2025) Es war zweifelsfrei eine spezielle Partei-Konstellation: Am Arbeitsgericht in Paris kreuzten der ehemalige Paris Saint-Germain-Spieler Kylian Mbappé und eben der Nobel-Klub Paris Saint-Germain die juristischen Klingen (vgl. auch causasportnews vom 24. November 2025). Der bei Real Madrid unter Vertrag stehende Ausnahmekönner, der am 20. Dezember 2025 27 Jahre alt wird, hat seinen ehemaligen Klub auf 55 Millionen Euro eingeklagt; ausstehende Saläre und Boni bildeten die Anspruchsgrundlage des französischen Nationalspielers, der sich 2024 mit Getöse aus Paris verabschiedete und (ablösefrei) nach Spanien zog. Weil eine Einigung in dieser arbeitsrechtlichen Streitigkeit nicht zustande kam, trafen sich Kylian Mbappé und Paris Saint Germain dieser Tage vor dem Arbeitsgericht in Paris. Dieses fällte nun zugunsten des Superstars ein Urteil: 60,9 Millionen Euro hat der Klub der Katari dem abgewanderten Spieler zu bezahlen, und zwar tout de suite. Das Urteil trägt den Vermerk »exécution provisoire». 1:0 für den Spieler also, könnte man im Fussball-Jargon festhalten.

Erstinstanzlich endet damit ein an sich ganz gewöhnlicher Arbeitsrechtsprozess – allerdings mit ungewöhnlich hohen Forderungen hüben (Spieler) und drüben (Paris Saint-Germain). Gewöhnlich war in diesem Verfahren das Verhalten der Parteien. Es wurde geklagt, die Gegenseite klagte auch, die eingeklagten Summen wurden immer höher, und am Schluss hatte das Arbeitsgericht das Recht anzuwenden. Nichts blieb von der alten Weisheit übrig: «Im Gerichtssaal und auf hoher See befindet man sich in Gottes Hand». Vor dem Arbeitsgericht schraubten die Anwälte des Spielers den Forderungsbetrag schliesslich auf 263 Millionen Euro. Plötzlich ging es nicht mehr nur um nicht bezahlte Saläre und Boni, sondern um eine angeblich ungerechtfertigte Entlassung, illegale Beschäftigung, Mobbing, usw. Der Klub konterte mit einer Forderung über 440 Millionen Euro wegen angeblicher Transferabsprachen im Vorfeld des Klubwechsels des Stürmers nach Madrid, usw. So verlief dieser Prozess am Pariser Arbeitsgericht in den letzten Tagen wie viele arbeitsrechtliche Verfahren auf der ganzen Welt. Die Parteien warfen alles noch so Absurde in die Waagschale, und das Gericht hat aus diesem Sammelsurium von Behauptungen und Vorgebrachtem das objektive Recht herauszuschälen und dieses anzuwenden. Das Arbeitsgericht qualifizierte schliesslich nur die Forderungen von Kylian Mbappé für stichhaltig und sprach ihm die Summe von 60,9 Millionen Euro wegen unbezahlter Saläre, Boni und Ferienansprüche zu. Die juristische Konter-Strategie des Klubs im Verfahren wurde haushoch verworfen.

Nach diesem Urteil dürfte es allerdings so klar sein wie oft auch sonst in Arbeitsrechts-Prozessen, auch mit niedrigen Streitwerten: Die nächste Instanz wird sich mit diesem Fall befassen müssen. Befriedigt äusserten sich die Anwälte des Spielers nach der Urteils-Eröffnung in Paris (gemäss Tages-Anzeiger, Zürich, vom 17. Dezember 2025: «Dieses Urteil stellt eine einfache Wahrheit wieder her: Selbst in der Welt des Professional-Fussballs gilt das Arbeitsrecht für alle.» – Wie wahr, denn auf die Höhe der Forderungen kommt es in dieser Rechts-Disziplin nicht an. Paris erlebte also in der Causa Kylian Mbappé gegen Paris Saint-Germain und umgekehrt einen ganz gewöhnlichen Arbeitsrechtsprozess, einzig mit ungewöhnlich hohem Streitwert.

Vor 30 Jahren platzte im internationalen Fussball eine sport-juristische «Bombe»

causasportnews.com – 116/2025, 18. Dezember 2025

(causasportnews / red. / 18. Dezember 2025) Vor ziemlich genau 30 Jahren, am 15. Dezember 1995, platzte in Europa eine sport-juristische «Bombe», die den organisierten Fussball in Europa nachhaltig veränderte. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschied in einem Vorabentscheidungsverfahren zu Gunsten des belgischen Berufs-Fussballspielers Jean-Marc Bosman und erkannte im konkreten Fall, dass die im Gemeinschaftsrecht (Art. 48 des EWG-Vertrages; heute Unionsrecht) verankerte Arbeitnehmerfreizügigkeit des Fussball-Professionals verletzt worden sei. Gewichtiger als diese Entscheidung des EuGH vom 15. Dezember 1995 (Rs. C-415/93, Slg. 1995 I-4921) im konkreten Fall wog der Umstand, dass das internationale Transfersystem im Fussball durch dieses Gerichtsurteil zur Makulatur wurde, und dies letztlich nicht nur im EU-Raum. Der in Zürich domizilierte Internationale Fussballverband (FIFA) und vor allem der Europäische Fussballverband (UEFA) mit Sitz in Nyon bei Genf sahen sich im Nachgang zum «Fall Jean-Marc Bosman» gezwungen, das internationale Transfersystem im Fussball zu ändern und das Spannungsfeld zwischen Arbeits- und Transferrecht zu entschärfen. Dies war insofern bemerkenswert, weil bis zum Urteil des EuGH in der «Causa Bosman» die genannten Verbände warnende Stimmen seitens der Rechtswissenschaft bezüglich des damals geltenden Transfersystems in den Wind schlugen und darauf vertrauten, dass keine Gerichte dieser Welt der FIFA und der UEFA, zwei Verbände ausserhalb der EU, juristisch etwas anhaben konnten. Bis zum Entscheid aus Luxemburg war es möglich, dass ein Fussball-Professional trotz eines beendeten Arbeitsvertrages seinen (ehemaligen) Klub und Arbeitgeber nur gegen Bezahlung einer Ablösesumme (Transferzahlung) an den ehemaligen Arbeitgeber des Spielers verlassen konnte und zu einem neuen Klub (Arbeitgeber) wechseln durfte. Diese «Freigabe» für einen wechselwilligen Spieler wurde vom abgebenden Klub nur erteilt, falls ein Konsens der beiden an einem Transfer beteiligten Klubs über die Bezahlung einer reglementarisch, verbandsrechtlich festgelegten Ablösesumme erzielt wurde. Kam eine solche Einigung nicht zustande, konnten die involvierten Verbände die Erteilung der Transfer-Freigabe grundsätzlich verweigern; der Spieler durfte mit dem neuen Klub arbeitsvertraglich nicht kontrahieren. Das Kernstück des Urteils aus Luxemburg bildete der Umstand, dass u.a. die Arbeitnehmerfreizügigkeit verletzt und ein wechselwilliger Spieler diskriminiert werde, falls sich ein Berufs-Fussballspieler nach beendetem Arbeitsvertrag einen neuen Klub (Arbeitgeber) suchen wollte (vgl. zu den Details des Falles des belgischen Professionals Jean-Marc Bosman u.a. Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, Eine Begriffsbestimmung, 3. Auflage, 2014, 69 ff.). Mit der Entscheidung des Luxemburger Gerichtshofs zu Gunsten des belgischen Akteurs wurde das Ende des «Freigabe-Systems» im Fussball eingeläutet. Dies bedeutete eben, dass ein Fussballspieler bei beendetem Arbeitsvertrag grundsätzlich nicht am Übertritt zu einem anderen Arbeitgeber gehindert werden konnte und ein solcher Transfer auch nicht mehr durch bis dahin reglementarisch vorgesehene Ablösezahlungen zu verhindern war. Der Entscheid aus Luxemburg veranlasste die Sportverbände insbesondere in Europa, aber auch weltweit (die FIFA musste also Folge des Urteils das Transfersystem global harmonisieren), die bis dahin geltenden, jedoch das Freizügigkeitsrecht verhindernden und verletzenden Verbandsbestimmungen aufzuheben. Seither und bis heute gelten die unisono angewendeten Bestimmungen zu den Ausbildungsentschädigungen. Kein sport-juristischer Vorgang nach 1995 und bis heute verfügte über eine derartige Sprengkraft wie damals der «Fall Jean-Marc Bosman», der als «sport-juristische Bombe» in die Sportgeschichte einging. Der belgische Fussball-Professional, der sportlich nicht gerade als «Überflieger» galt, machte sich mit seinem erfolgreichen Gang bis zum EuGH jedenfalls unsterblicher als noch so berühmte Stars der Fussball-Szene, die Juristenfutter abgaben. Auch heute noch wird der «Fall Jean-Marc Bosman» bemüht, wenn ein spektakulärer Gerichtsfall ins Haus steht. In den Medien wird dies dann etwa so vermeldet: «Ein neuer ‘Fall Bosman’ im Sport?».

Marginalisiert ein NHL-Boykott die Bedeutung des Olympia-Eishockey-Turniers 2026?

causasportnews.com – 115/2025, 15. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 15. Dezember 2025) Bis die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und in Cortina d’Ampezzo am 6. Februar beginnen werden, dauert es noch rund eineinhalb Monate. Am Olympia-Eishockey-Turnier sollen an den XXV. Olympischen Spielen in Italien auch erstmals die Eishockey-Professionales der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) teilnehmen. Die NHL kann als mächtigste und renommierteste Eishockey-Liga der Welt bezeichnet werden. Die erstmalige Teilnahme der NHL-Professionals bedeutet für die Olympischen Spiele und das Internationale Olympische Komitee (IOK) als Veranstalter des grössten Sport-Spektakels der Welt eine entsprechende Aufwertung. Die Spieler der NHL, die für Olympia vorgesehen sind, wollen selbstbewusst unter dem Schlagwort auftreten: « Die Besten treffen auf die Besten».

Nun sorgt, kurz vor dem Olympia-Countdown, eine Drohung von Übersee für Unruhe und Verunsicherung. Die Rede ist von einem Olympia-Boykott seitens der NHL-Berufsspieler, die sich an zwei Gegebenheiten in der Multifunktionsarena im Mailänder Stadtteil Santa Giulia stören und am bereits aufgetragenen Lack des Prunkstücks der Olympischen Winterspiele 2026, am Olympia-Eishockey-Turnier mit NHL-Berufsspieler-Beteiligung, kratzen. Es würde für das Turnier und das IOK eine Blamage sondergleichen bedeuten, wenn die NHL-Professionals statt vom 6. bis zum 22. Februar 2026 in Italien um Olympisches Edelmetall kämpfen in Nordamerika bleiben würden. Dass ein Olympia-Boykott der NHL-Spieler überhaupt angedacht und jetzt offen ausgesprochen wird, hat zweierlei Gründe: Einmal ist der Ärger um das Eishockey-Turnier wegen der Grösse der Spielfläche in der «Santagiulia Ice Hockey Arena» entbrannt. Eine Eisfläche nach NHL-Standards ist 200 Fuss lang und 85 Fuss breit. Die Fläche in Mailand ist allerdings nur 197 Fuss lang; sie ist also rund einen Meter kürzer als Diejenige, auf dem die NHL-Professionals zu spielen pflegen. Gravierender scheint jedoch der Umstand zu sein, dass die Eisqualität in der Mailänder Arena zu wünschen übriglässt und offenbar ein Verletzungsrisiko darstellt. Die ungenügende Bespielbarkeit des Eises könnte zudem zu vermehrten Spielunterbrüchen führen. Kurz und knackig hiess es aus der NHL-Zentrale: «Wenn die Spieler das Eis für unsicher halten, werden wir natürlich in Mailand nicht spielen.». Die beiden monierten Mängel sind aus der Sicht der NHL behebbar. Doch die Zeit bis zum Olympia-Beginn wird knapp. Den Italienern ist die Boykottdrohung aus Nordamerika in die Knochen gefahren. Das Problem der Abmessungen der Eisfläche kann wohl im Rahmen eines Olympia-NHL-Kompromisses gelöst werden; letztlich ist dies eine Diskussion im Spannungsfeld zwischen IOK-Vorgaben und NHL-Standards. Die Eisqualität lässt sich wohl optimieren, allenfalls mit Hilfe von Spezialisten aus Nordamerika, welche dort auch für diesen Faktor geradestehen. Auch wenn die Olympia-Boykottdrohung durchaus ernst zu nehmen ist, sei an dieser Stelle die Prognose gewagt, dass die NHL-Spieler am Olympia-Turnier in Italien teilnehmen werden. Die Bedeutung des Olympia-Eishockey-Turniers mit NHL-Beteiligung dürfte also nicht durch einen Boykott marginalisiert werden.

Anschuldigungen, Ärger und Streit um das «Citius» in den Bergen

causasportnews.com – 114/2025, 13. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 13. Dezember 2025) Aufsehen erregende Erstbesteigungen in den Bergen gehören der Vergangenheit an. Die berühmtesten Gipfel sind durchwegs nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals bezwungen worden. Seit einiger Zeit hat sich nun eine Bergsport-Disziplin etabliert, bei der nicht das Erklimmen von Bergen im Vordergrund steht, sondern es geht um das «Citius» am Berg: Wer besteigt einen Berg oder durchsteigt eine Wand am schnellsten? In dieser Disziplin lassen sich dann auch flankierende Varianten ausmachen: Wer besteigt einen Berg am schnellsten ohne Seil-Hilfe oder ohne Sicherung? Wer ist alleine oder zu zweit unterwegs? Wer steigt am schnellsten auf in einer Zweier-Gruppe, gleichgeschlechtliche Bergsportler(innen) oder  gemischte Gruppen? Bei diesem «Speed»-Bergsteigen ist unbestrittenermassen eine objektive Grösse auszumachen: Die Zeit. Wie diese Zeit erreicht wird, ist eine andere Sache. Es hat sich nun ergeben, dass in dieser Disziplin offenkundig geworden ist, dass eine «Speed»-Leistung am Berg nicht nur auf dem messbaren und immer gleichbleibenden Faktor «Zeit» beruht. Es kann also bekanntlich nur Gleiches mit Gleichem und Ungleiches mit Ungleichem gemessen werden. Beispielsweise lässt sich eine «Speed»-Leistung am Berg korrekterweise nur bei Begehung einer gleichen Route vergleichen. Wer die Zeit für die Durchsteigung der Eigen-Nordwand unterbieten will, kann dies vergleichsweise nur bei genau gleicher Routenwahl und unter Verwendung gleicher (Hilfs-)Mittel realisieren. «Speed»-Aktivitäten am Berg lassen sich demnach nur vergleichen, wenn alle Neben-Faktoren klar, transparent und nachweislich vergleichbar sind.

Seit Monaten schwelt in der Schweizer Extrem-Bergsteiger-Szene ein Streit über die Begehung der drei Nordwände von Eiger, Mönch und Jungfrau («Nordwand-Trilogie») im Berner Oberland. Der 2017 in Nepal tödlich verunfallte Professional-Bergsteiger Ueli Steck schaffte vor mehr als 20 Jahren die Durchsteigung dieser drei Nordwände, zusammen mit seinem Kletter-Partner Stephan Siegrist, in knapp 25 Stunden. Die Leistung der beiden Extrem-Alpinisten wurde in den Folgejahren von niemandem mehr erreicht. Bis es in diesem Jahr dem Berner Professional-Bergsteiger Nicolas Hojac mit seinem Österreichischen Kletterpartner Philipp Brugger gelang, diese drei Nordwände im Berner Oberland in einer Rekordzeit von 15,5 Stunden zu bezwingen. Seither ist im Extrem-Bergsteiger-Milieu Feuer im Dach. Der 33jährige Berner Nicolas Hojac ist mit happigen Vorwürfen an die Adresse von Ueli Steck und Stephan Siegrist an die Öffentlichkeit getreten. Die Rede ist von unkorrekten Vorgehensweisen, von Intransparenz, von Manipulation, ja sogar von Betrug. Steck / Siegrist hätten es bezüglich ihrer Nordwand-Durchsteigungen im Jahr 2004 an der erforderlichen Transparenz fehlen lassen und etwa nie erwähnt, dass sie an der Jungfrau-Nordwand auf den letzten 50 Metern ein Fixseil benutzt hätten – ein krasser Vorteil am Berg. Nicolas Hojac ist zu diesem Thema mit einer Dokumentation an die Öffentlichkeit getreten, mit einem Ingress, der es in sich hat: «In dieser Dokumentation geht es um die Beweislage der Begehung der drei Nordwände von Eiger, Mönch und Jungfrau durch Stephan Siegrist und Ueli Steck im Jahr 2004, den damaligen Betrug und die anschliessenden Manipulationen durch Stephan Siegrist im Jahr 2025.» – Eine wahrlich unrühmliche Angelegenheit mit Anschuldigungen, mit Ärger und Streit, die an sich gar nicht zu den Schönheiten der Bergwelten und der Bergsport-Aktivitäten passen. Aber eben: Soll Gleiches mit Gleichem verglichen werden, was an sich oft schon schwierig anmutet, ist zumindest Transparenz das Mass aller Dinge.

(Quelle: «Tages-Anzeiger», Zürich)

Peinliche Präsidenten mit ebensolcher Dame

causasportnews.com – 113/2025, 8. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 8. Dezember 2025) Die Gruppen-Auslosung mit Blick auf die Fussball-WM-Endrunde 2026 in den USA, in Kanada und in Mexiko am letzten Freitag, 5. Dezember 2025, in Washington D.C. verkam zur erwarteten Summierung von Peinlichkeiten. Es kam alles noch schlimmer als zuvor befürchtet. Zwar drang im Vorfeld dieser Veranstaltung, die so zwingend war wie jeweils das aufgeblasene World Economic Forum in Davos, durch, dass US-Präsident Donald Trump den Friedenspreis des Weltfussballverbandes FIFA erhalten würde. Diese Auszeichnung der dem Sport entrückten FIFA ist eine Art Trostpreis für den amerikanischen Machtmenschen und Selbstdarsteller, der mit dem Friedens-Nobelpreis gerechnet hatte und krachend scheiterte; und nun also der Fussball-Preis statt der Nobel-Preis. So sei es denn, zumal der US-Präsident bisher für den Frieden ziemlich gar nichts getan hat – im Gegenteil. Doch die Übergabe dieser neu und wohl eigens für Donald Trump geschaffene Trophäe und das ganze Vergabe-Drumherum in Washington zeigten schliesslich, dass es im Weltfussball unter dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino noch anbiedernder als zuvor erwartet gehen kann. Zwei an Peinlichkeiten nicht mehr zu überbietende Präsidenten spielten der Welt einen Klamauk vor, der mit Sport nichts, mit Gefälligkeits-Politik und unmoralischem Polit- und Wirtschaftsgeschacher sehr viel zu tun hatte. Zu dieser Schmierenkomödie passte als Moderatorin die selbstgefällige Nervensäge Heidi Klum, die bereits anlässlich der WM-Endrunde 2006 in Deutschland nicht zu vermeiden war, und welche die Peinlichkeiten um Donald Trump und Gianni Infantino zur Formvollendung brachte. Peinliche Präsidenten mit ebensolcher Dame, lautete das Fazit nach der Gruppen-Auslosung. Das Gekungel der beiden Präsidenten von FIFA und USA war zum Fremdschämen, wie die Schweizer Medien nach dieser Show in Washington bilanzierten. Schliesslich ist Gianni Infantino (auch) Schweizer, und der Fussball-Weltverband FIFA hat seinen Sitz (immer noch) in Zürich. An diesem Anlass in den Staaten, an dem der FIFA-Präsident erpicht war, mit dem US-Präsidenten auf Augenhöhe zu wirken, zog der Walliser durch seine Anbiederungen gegenüber Donald Trump die wohl längste Schleimspur eines Sport-Funktionärs in der Sport-Geschichte, die je gezogen wurde; entsprechend einig waren sich die Journalisten weitgehend. Und: Eine solche verkommene FIFA soll am Wegzug aus der Schweiz in keinem Fall mehr gehindert werden. Bezüglich Gianni Infantino wurden aufgrund seines Verhaltens Vermutungen geäussert, ob beim 55jährigen Walliser noch alles in Ordnung sei. Denn bereits vor der WM-Endrunde in Katar 2022 outete sich der skurrile Selbstdarsteller, dem teils mehr Bauernschläue als ein brillanter Geist attestiert wird (dicitur), als er sich vor der Fussball-Community dergestalt äusserte, er fühle sich «katarisch», «arabisch», «afrikanisch», «schwul», «behindert», und «als Gastarbeiter» und provozierte diese Einschätzungen geradezu. Oder wird Gianni Infantino durch sein Verhalten ein Stück weit einfach seinem Namen gerecht (lateinisch infans bedeutet schliesslich das unmündige Kind)?

Internationale und Schweizer Medien droschen nach den Peinlichkeiten von Washington auf den FIFA-Präsidenten ein. Seine Nähe zum US-Präsidenten mit deutschen Wurzeln, der immer mehr zum Europa-Gegner mutiert (nach dem versagten Nobel-Preis-Debakel sowieso), wird weitgehend als problematisch qualifiziert. Juristen sehen im selbstgefälligen Treiben und im Buhlen von Gianni Infantino um die Gunst des US-Präsidenten einen krassen Verstoss gegen den Zweck-Artikel der FIFA (Art. 2). Was die FIFA nach den Kritiken am FIFA-Präsidenten offiziell dementierte, was die Peinlichkeiten von Washington nur noch perpetuierte. Entscheidend ist in dieser dem Sport entrückten FIFA-Welt: Kein Nationalverband hat ein Interesse daran, Gianni Infantino wegen eines derartigen Statuten-Verstosses zur Räson zu bringen oder vor die Ethikkommission des Verbandes zerren zu lassen, solange der Geldregen des Verbandes mit Sitz in Zürich über die FIFA-Mitglieder prasselt.

Russland an Olympia, Israel am Eurovision Song Contest dabei

causasportnews.com – 112/2025, 6. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 6. Dezember 2025) Die Olympischen Winterspiele 2026 werden ziemlich genau in zwei Monaten eröffnet werden. Vom 6. bis zum 22. Februar 2026 trifft sich der Weltsport in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Seit geraumer Zeit wird darüber räsoniert, ob die Kriegstreiber-Nation Russland an diesem Fest der Sport treibenden Jugend dabei sein wird oder nicht. Nun scheint es klar zu sein: Russland und das mit dem Krieg führenden Russland verhängte Weissrussland werden am Event des Weltsports in Italien teilnehmen. Diese Entscheidung hat nicht etwa der Schirmherr der Olympischen Spiele, das Internationale Olympische Komitee (IOK) mit Sitz in Lausanne, gefällt, sondern der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (TAS, Tribunal Arbitral du Sport), zufälligerweise ebenfalls mit Sitz in Lausanne. Signifikanterweise wurde dieser Entscheid also von einem (sog.) unabhängigen Sport-Schiedsgericht gefällt, was den Sport-Politikerinnen und -Politikern also ermöglichte, diese heisse Kartoffel an die Justiz weiterzureichen. Das wurde von der Sportpolitik geschickt eingefädelt. Der Internationale Skisport-Verband (FIS, International Ski and Snowboard Federation) hat, wohl zur Gesichtswahrung, für eine Ausschliessung von Athletinnen und Athleten aus dem Krieg führenden Russland und dem Vasallenstaat Weissrussland von den Spielen in Italien votiert, wohl einkalkulierend, dass sich dann die beiden Länder das Teilnahmerecht für ihre Sportlerinnen und Sportler am Tribunal Arbitral du Sport erstreiten würden. Hier bleibt anzufügen, dass das IOK äusserst Russland-lastig ist, auch nach dem Abgang des langjährigen IOK-Präsidenten Thomas Bach.  So war es kalkulierbar, dass der juristische, rechtsprechende Wurmfortsatz des IOK, das Tribunal Arbitral du Sport, pro Teilnahme Russlands und Weissrusslands auf Bestreben der beiden nationalen Skiverbände an den Spielen vom Februar 2026 entscheiden würde. Die teilnehmenden Athletinnen und Athleten werden unter neutraler Flagge antreten. Zwar könnte in dieser Causa noch das Schweizerische Bundesgericht, einen Steinwurf entfernt vom TAS in Lausanne gelegen, angerufen werden. Doch auch hier müsste wohl in Anlehnung an den Evangelisten Markus, 10.25, gesagt werden: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass das Bundesgericht einen Entscheid des Tribunal Arbitral du Sport umstossen würde. Weshalb sollten Sportlerinnen und Sportler des Kriegstreiber-Landes Russland auch vom Sport ausgeschlossen werden? Schliesslich darf auch Anna Netrebko trotz ihrer Nähe zum Russland-Herrscher Wladimir Putin auf den Opern-Bühnen der Welt auftreten, auch in den berühmten Opernhäusern Italiens! Der Applaus ist ihr rund um die Welt sicher.

Mit derselben Thematik, bzw. Problematik, wie der Sport sieht sich derzeit die internationale Event-Branche konfrontiert. So wurde an der Generalversammlung der Europäischen Rundfunkunion (EBU) beschlossen, Israel an der 70. Ausgabe des Eurovision Song Contest (ESC) vom 12. bis zum 16. Mai 2026 in Wien mitwirken zu lassen. Der Song Contest ist schon lange kein Musik-Wettbewerb mehr; bewertet werden vor allem Ideologien, für die Künstlerinnen und Künstler musikalisch gefärbt einstehen. Deshalb wäre ein Ausschluss Israels wegen des Brutalo-Krieges im Gaza ein anachronistischer Vorgang. Allerdings sehen das nicht alle Teilnehmer am Musik-Wettbewerb so. Nachdem die Teilnahme Israels an der 70. Auflage in Wien im kommenden Mai beschlossen worden war, erklärten namhafte Länder, etwa Spanien und die Niederlande, den Anlass wegen des von Israel geführten, völkerrechtswidrigen  Krieges in Gaza und dem damit verbundenen Leiden und Sterben der Zivilbevölkerung boykottieren zu wollen.

So wartet die Welt nun gespannt auf allfällige Reaktionen nach dem Zulassungs-Entscheid des Lausanner Sportgerichts bezüglich der Olympischen Spiele in Italien. Wetten, dass Marco Odermatt, Vincent Kriechmayr, Lucas Pinheiro Braathen, Mikaela Shiffrin, Sofia Goggia, und andere Top-Athleten und -Athletinnen in zwei Monaten Olympia in Italien nicht boykottieren werden, obwohl russische und weissrussische Athletinnen- und Athleten dabei sein werden?

Ein Rekord besonderer Art in den Schweizer Bergen

causasportnews.com – 111/2025, 2. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 2. Dezember 2025) Das allmählich zu Ende gehende Jahr 2025 bescherte der Menschheit auch eine Vielzahl von Rekorden, getreu dem Olympia-Motto «citius, altius, fortius» (schneller, höher, stärker; 2021 gesellte sich noch das «communiter», gemeinsam, dazu). Ein Rekord besonderer Art und basierend auf «citius» schaffte der gebürtige Deutsche Tim Effenberger, der seit einigen Jahren in Zürich wohnt, in den Schweizer Bergen. In lediglich 60 Tagen besuchte er im Herbst 2025 alle 151 Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) – ein Speed-Rekord mit Seltenheitswert. Der gelernte Physiotherapeut realisierte bei seinen Bergsportaktivitäten, dass wohl noch niemand alle SAC-Hütten auf dem Gebiet der Schweiz im Schnell-Durchlauf besucht hatte. Diese Herausforderung nahm er an, obwohl es ihm nicht darum ging, einen Speed-Rekord aufzustellen. In lediglich 60 Tagen 1670 Geh-Kilometer zu absolvieren und 139 000 Höhenmeter abzuspulen, war nicht ganz ohne. Jedenfalls waren Mensch (Bergsportler Tim Effenberger) und Material (der Deutsche verbrauchte auf seiner Tour sieben paar Trailrunning-Schuhe) gefordert. Inspirieren liess sich der 37jährige Freizeitsportler von einer Schweizer Berghütten-Dokumentation, die er vor Jahren betrachtete. Begleitet wurde Tim Effenberger bei seinem anspruchsvollen Projekt in den Schweizer Bergen von seinem Vater und seiner Hündin «Bela». Der Deutsche ist vom SAC, dem führenden Bergsportverband mit rund 180 000 Mitgliedern, der die Hütten in den Schweizer Alpen und Bergen unterhält und betreibt oder betreiben lässt, begeistert. Das Abenteuer bedingte eine minutiöse Planung, weil Tim Effenberger genau 60 Freitage für dieses Projekt einsetzen konnte. Dennoch war Improvisieren gefragt. Müssig zu sagen, dass der Plan des Wahl-Zürchers nur gelingen konnte, weil er, mit Hilfe seines Vaters, auf einer ausgeklügelten Logistik basierte. Speziell war der Speiseplan während der Hütten-Tour: Etwa 1000 Kilokalorien pro Stunde verbrauchte Tim Effenberger. Er nahm während des Tages ausschliesslich Kohlenhydrate in flüssiger Form zu sich. Pro Tag war er fünf bis 12 Stunden unterwegs. Nach getanem Tageswerk verdrückte er jeweils abends Berge von Spaghetti. Die Hütten und das Leben darin faszinieren den Bergsportler. Derzeit wertet er nach überstandenem Abenteuer Hunderte von Bildern und zahlreiche Drohnenvideos aus. Das Material soll im Rahmen einer Dokumentation verarbeitet werden. Damit er in Erinnerung «an die schönste Zeit in meinem Leben» schwelgen kann, wie er sagt. Tim Effenberger wäre jedoch nicht Tim Effenberger, wenn er den künftigen Verlockungen der Berge nicht widerstehen könnte.

Der Ukrainer Aonishiki Arata sorgt für eine sport-historische Sensation und gewinnt in Japan sein erstes Sumo-Turnier

causasportnews.com – 110/2025, 28. November 2025

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(causasportnews / red. / 28. November 2025) Der legendäre Hawaiianer Akebono Taro (mit bürgerlichem Namen Chadwick Haheo Rowan), der im April 2024 im Alter von 55 Jahren an Herzversagen starb, revolutionierte das Sumo-Ringen in Japan. Als erster Nicht-Japaner erreichte er den Rang eines «Yokozuna», den höchsten Rang im Sumo, und sicherte sich dadurch einen Kult-Status. Schickte sich Akebono, was «Morgenröte» heisst, an, mit seinen 230 Kilogramm Kampfgewicht, bei einer Körpergrösse von 204 Zentimetern, sich von einem Bein auf das andere zu bewegen, brandete ihm tosender Applaus in den Wettkampfstätten Japans entgegen. Sein Tod stürzte Japan in eine Depression. Nun könnte ein weiterer Nicht-Japaner in die Fussstapfen von Akebono Taro treten. Soeben hat der erst 21jährige Ukrainer Danylo Yavhusishyn, der als Sportler unter dem Namen Aonishikiti Arata aktiv ist, ein Sumo-Turnier in Japan gewonnen – eine sport-historische Sensation. Der geflüchtete Ukrainer begann in seiner Heimat im Alter von sieben Jahren mit Sumo und holte Titel um Titel. Als Russland 2022 die Ukraine überfiel, flüchtete Aonishiki Arata im Alter von 17 Jahren nach Deutschland und entging damit der Wehrpflicht in der Ukraine; von dort ging es weiter nach Japan, wo er konsequent an seiner Sumo-Karriere arbeitete. Als erster Ukrainer gewann der gegenüber Akebono Taro verhältnismässig leichte (140 Kilogramm) und nicht übermässig grosse (183 Zentimeter) Athlet nun in Japan ein Sumo-Turnier. Mit diesem Sieg, der als «historisch» gilt, steigt der 2022 geflüchtete Ukrainer zum Rang des «Ozeki» auf; es ist dies der zweithöchste Rang im Sumo-Sport. Anlässlich seines Turnier-Erfolgs besiegte er in Fukuoka im Norden der Insel Kyushu den Mongolen Hoshoryu Tomokatsu, Träger des höchsten Titels, den des «Yokozuna» im Sumo-Sport. Nicht nur wegen seines sportlichen Grosserfolgs eroberte Aonishiki Arata die Herzen der Japaner im Nu. Obwohl er erst vor vier Jahren nach Japan kam, ohne ein Wort japanisch zu sprechen, gewann er die Sympathien der Inselnation im Pazifik mit den in japanischer Sprache gehaltenen Worten: «Ich bin sehr glücklich, dass ich eines meiner Ziele erreichen konnte».

(Quelle: «Tages-Anzeiger», Zürich)

Israelisches Radsport-Team als Opfer des Gaza-Krieges

causasportnews.com – 109/2025, 26. November 2025

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(causasportnews / red. / 26. November 2025) Es ist bekannt, dass vor allem Sportfunktionäre gebetsmühlenartig die Trennung von Sport und Politik beschwören. Kaum jemand glaubt allerdings daran, weshalb dieser fromme Wunsch auch permanent unglaubwürdig geäussert wird. Niemand bestreitet allerdings, dass Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen keinen Einfluss auf den Sport oder auf die Entertainmentbranche im Allgemeinen hätten. In diesem Jahr herrschte wegen des Gaza-Krieges, den Israel mit Härte gegen das Land und die Menschen Palästinas führte und teils immer noch führt, weit mehr als nur eine anti-israelische Stimmung im Rahmen des Eurovision Song Contest (ESC), der deswegen ab kommendem Jahr mit neuen Zulassungsbedingungen versehen werden wird.- Indirekte Proteste gegen das totalitäre Russland branden auf, wenn beispielsweise die als Kreml-Anhängerin bezeichnete Star-Sopranistin Anna Netrebko trotz des völkerrechtswidrigen Agierens Russlands derzeit wieder in den Opernhäuser der Welt auftritt, wie unlängst in Zürich. Hochklassige Kultur ist wohl geeignet, Kriegstreiberei, Kriegsgräuel und Kriegsverbrechen aller Art zu legitimieren. So wurde in Zürich zuerst gegen den Auftritt der Opern-Diva aus dem Reich Putins protestiert, doch das Ausserordentliche, das soeben auf der Opernbühne geboten wurde, heiligt offenbar alles. Vielleicht war es auch die Oper von Giuseppe Verdi mit dem sinnigen Titel «La forze del destino» (Die Macht des Schicksals), welche die Ursache setzte, dass Anna Netrebko unbeschadet ihre Gagen, pro Auftritt über 100’000 Schweizer Franken, abgreifen konnte. Die Auftritte der 54jährigen Diva wurden wohl auch möglich, weil die Führung am Opernhaus Zürich, teils besetzt mit linken Polit-Funktionären, zumindest bis vor kurzer Zeit in SP-Manier eine gewisse Russland-Affinität an den Tag legte.

Zurück zum Sport und zu Israel. Kürzlich wurde gemeldet, dass das unter dem Namen «Israel-Premier Tech» bekannte Radsport-Team umfassend umstrukturiert werde. Die Equipe, die nun neu unter dem Namen «NSN Cycling Team» (NSN ist ein Unterhaltungsunternehmen und bedeutet «Never Say Never») auftreten wird, basiert auch nicht mehr in Israel, sondern in Spanien. Die Equipe ohne ganz bekannte Fahrer-Namen tritt ab neuem Jahr mit einer Schweizer Lizenz unter dem Namen «NSN Cycling Team» an. Die Team-Verantwortlichen haben mit dieser Neu-Organisation auf die permanenten, propalästinensischen Proteste gegen das in Israel inkorporierte Team unter dem Namen «Israel-Premier Tech» reagiert. Mit der neuen Equipen-Bezeichnung verschwindet das Reizwort «Israel» aus dem Namen des Worldtour-Teams. Der Gaza-Krieg hinterlässt also Spuren trotz der Total-Zerstörung der Stadt im Gazastreifen. Die Trennung von Sport und Politik ist offensichtlich etwa so brisant wie die Trennung von Kirche und Staat.