Orkan auf der Piste – Ruhe an der juristischen Front

154886_soelden-gletscher (causasportnews / red. / 31. Oktober 2017) Vor dem geplanten Ski-Weltcup-Auftakt der Männer in Sölden vom vergangenen Wochenende waren die Augen insbesondere auf einen Spitzenathleten gerichtet: Auf den 23jährigen Norweger Henrik Kristoffersen. Seit geraumer Zeit liegt der Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner von 2014 im Slalom mit dem Verband Norwegens im Clinch bzw. ficht einen erbitterten Rechtstreit aus, der darin gipfelte, dass der Athlet temporär aus dem Verbandskader Norwegens ausgeschlossen wurde (Causa Sport News vom 26. Juni 2017). Zwischenzeitlich hat sich die Lage an der juristischen Front im „Fall Kristoffersen“ dahingehend beruhigt, als der Athlet im Weltcup mittun kann. Er war gemeldet für den Riesenslalom der Männer auf dem Rettenbachgletscher. Nur fiel das Saisoneröffnungs-Rennen den stürmischen Verhältnissen auf dem Söldner Gletscher zum Opfer; das Rennen wurde abgesagt. Weiterlesen

FIFA-Rat zur Situation Israel-Palästina: Realismus und Fokussierung auf den Sport

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Der Konflikt zwischen Palästina und Israel beschäftigt(e) immer wieder auch die FIFA.

(causasportnews / red. / 27. Oktober 2017) Der FIFA-Rat, das Strategie- und Aufsichtsorgan des Weltfussballverbandes, hat anlässlich seiner heutigen Sitzung in Kalkutta (Indien) unter anderem beschlossen, hinsichtlich der – höchst sensiblen – Situation des Fussballs im Westjordanland nicht zu intervenieren. Gleichzeitig beschloss der FIFA-Rat, sich mit diesem Thema nicht mehr zu befassen, solange sich die faktischen Gegebenheiten in der betroffenen Region nicht geändert haben. Damit will das FIFA-Gremium offensichtlich die Diskussionen zu diesem Thema, die in den vergangenen Jahren im Rahmen des Weltfussballverbandes zugenommen und einiges an Ressourcen gebunden haben, jedoch eher wenig fruchtbar verlaufen sind, eindämmen.

Zuletzt hatte der Palästinensische Fussballverband (Palestinian Football Association; PFA) im Vorfeld des 67. FIFA-Kongresses im Mai dieses Jahres in Bahrain einen Antrag eingereicht, der Weiterlesen

Tatort Fussball

stapo_symbolbild03 (causasportnews / red. / 23. Oktober 2017) Jedem sein „Tatort“: Während in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich die Nationen an den Sonntagabenden einträchtig vor den TV-Schirmen sitzen und sich an der gezeigten TV-Gewalt im „Tatort“ ergötzen, gehört die Wochenendgewalt auf den Sportplätzen und im Zusammenhang meistens mit Fussballspielen zu dieser Zeit jeweils bereits der Geschichte an. Weil diesbezüglich das mediale Mittelbarkeitsprinzip gilt, wird die Sport-Gewaltbilanz vom Wochenende Weiterlesen

„WM-Sommermärchen 2006“: Steuernachforderung gegenüber dem DFB wird aktuell

(causasportnews / red. / 23. Oktober 2017) Was seit einiger Zeit fast wie ein Damoklesschwert über dem Deutschen Fussball-Bund (DFB) hängt, wird aktuell: Das Finanzamt Frankfurt am Main fordert vom grössten Sportverband der Welt 19,2 Millionen Euro an Steuern nach. Negiert wird vom Finanzamt die Gemeinnützigkeit des DFB für das Jahr 2006. Weiterlesen

Profundes zu „Compliance“ im organisierten Sport

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Causa Sport 3/2017, http://www.causasport.ch

(causasportnews / red. / 16. Oktober 2017) Es entspricht mehr als dem Zeitgeist, dass Unternehmen bei ihren Tätigkeiten darauf bedacht sein müssen, Rechtsvorschriften, Verhaltensvorgaben und Richtlinien einzuhalten. Dasselbe gilt für die in den Betrieben mitarbeitenden Personen. Insbesondere einige Schweizer Banken haben die Folgen unzulänglicher Geschäftskontrollen vor allem im internationalen Kontext erlebt. Aber auch in anderen Bereichen ist „Compliance“, wie dieser Themenkomplex genannt wird, allgegenwärtig. Der organisierte Sport ist von diesem Phänomen ebenfalls betroffen, wie eine erstmals veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung belegt*.

Zum Beispiel der Internationale Fussballverband (FIFA). Durch angemessene Gewichtung von „Compliance“ hätten einige Unzulänglichkeiten und Turbulenzen von ihm abgewendet werden können. Vielleicht. Jedenfalls hat der Verband zwischenzeitlich seine Bestrebungen, um sich „compliant“ zu verhalten, intensiviert. Die FIFA verfügt nach entsprechenden Reformen heute über eine „Vorzeige-Compliance-Organisation“, wie die Vereins- und Sportrechtsspezialisten Dr. Remus Muresan und Dr. Rafael Brägger in einer grundlegenden Untersuchung darlegen. Wie in Wirtschaftsunternehmen überwachen „Compliance“-Mitarbeiterinnen und –Mitarbeiter unter der Leitung eines Chief Compliance Officers auch im organisierten Sport die Einhaltung von Vorschriften und Regeln durch die Verbände und ihre Mitarbeitenden immer intensiver. Dem nach Vereinsrecht organisierten Weltfussballverband FIFA wird im Rahmen eines Aufsatzes in der aktuellen Ausgabe der Sportrechts-Fachzeitschrift „Causa Sport“ in dieser Beziehung eine Vorreiterrolle zugeschrieben. Die Erkenntnisse der beiden Autoren beziehen sich zwar auf die FIFA und weitere bedeutende Sportverbände mit Sitz in der Schweiz, gelten aber ebenso für das gesamte Gesellschaftsrecht. Differenziert wird dabei grundsätzlich zwischen einer „Pflicht zur Compliance“ und einer „Pflicht zur Sicherstellung von Compliance“. Letztere besteht gemäss den Wissenschaftlern für in der Rechtsform des Vereins konstituierte Sportorganisationen in der Schweiz derzeit nicht. Gemäss der Untersuchung dürften diese aber dennoch ein Interesse daran haben, besondere Massnahmen zur Sicherstellung von „Compliance“ vorzusehen. Die von Sportorganisationen zu beachtenden „Compliance“-Massnahmen sollten dabei „mit Augenmass“ und unter Wahrung der Verhältnismässigkeit erfolgen, ziehen die Autoren der Abhandlung ein grundsätzliches Fazit. Sowohl mit Blick auf den organisierten Sport als auch bezüglich reiner Wirtschaftsunternehmen, in deren Rahmen die „Compliance“-Problematik ihren Anfang nahm, treten die Experten für mehr Nüchternheit und Pragmatismus ein. Die Untersuchung der beiden Rechtswissenschaftler ist für Wirtschaftsunternehmen im Allgemeinen und für grosse Sportorganisationen im Besonderen die erste grundlegende wissenschaftliche Analyse zum Mode-Thema „Compliance“ überhaupt.

*Remus Muresan / Rafael Brägger, Compliance: Auch ein Thema für Sportverbände und andere Vereine? – Das Beispiel FIFA, Causa Sport 3/2017, 208 ff.

14 Monate Platzverbot für FC Sion-Präsident Christian Constantin

eldeeb1_000005_4_2_swiss_football_league_logo_2012(causasportnews / rbr. / 12. Oktober 2017) Die Disziplinarkommission der Swiss Football League (DK SFL) hat den Präsidenten des FC Sion, Christian Constantin, mit einem Platzverbot von 14 Monaten und einer Busse von 100 000 Schweizer Franken belegt. Das geht aus einem Entscheid der DK SFL vor, der heute kommuniziert wurde. Christian Constantin hatte im Anschluss an das Spiel der schweizerischen Super League zwischen dem FC Lugano und dem FC Sion vom 21. September 2017 am Spielfeldrand den TV-Experten Rolf Fringer mehrmals geschlagen und getreten. Als Grund für seinen (durch Fernsehbilder bestens dokumentierten) Angriff führte Christian Constantin an, von Rolf Fringer seit Monaten verbal beleidigt und öffentlich verunglimpft worden zu sein (Causa Sport News vom 22. September 2017). Die DK SFL qualifizierte den Angriff Christian Constantins in ihrem Entscheid Weiterlesen

Beendete Rimuss-Fussballparty, ein Finanzdesaster – und Hoffnung

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Der „Rimuss“-Schriftzug auf den Trikots der Frauenmannschaft des FC Neunkirch gehört der Vergangenheit an (Bild: FC Neunkirch)

(causasportnews / red. / 12. Oktober 2017) Das gab es schon früher: Ein Fussball-Präsident (konkret der damalige Präsident des FC Wil, Andreas Hafen) erleichterte die Bank, bei der er in leitender Funktion angestellt war (konkret die Grossbank UBS), um Millionen, um das Geld in „seinen“ Klub zu pumpen und sich ein angenehmes Leben einzurichten. Die undurchsichtigen Spiele des geltungssüchtigen Lebemanns bzw. dessen Betrügereien flogen vor 15 Jahren auf – die UBS blieb davon allerdings unberührt (diese kam erst fünf Jahre später aufgrund anderer Umstände an den Rand des Kollaps und musste letztlich mit staatlichen Mitteln gerettet werden). Diese Episode aus dem helvetischen Fussball bringt sich in Erinnerung, nachdem bekannt geworden ist, dass die deliktischen Machenschaften eines anderen Fussball-Managers für eine renommierte Unternehmung gravierende Auswirkungen zeitigen – nicht so wie bei der UBS. Es geht dabei um die Frauenmannschaft des FC Neunkirch bei Schaffhausen, die im vergangenen Jahr im Schweizer Frauenfussball das Mass aller Dinge war (vgl. auch Causa Sport News vom 9. Juni 2017). Ein leitender Mitarbeiter der Rimuss und Weinkellerei Rahm AG in Hallau/Schaffhausen zweigte offenbar beträchtliche Mittel aus der Firmenkasse ab und unterstützte damit die Frauenmannschaft des FC Neunkirch. Die Betrügereien haben nun Auswirkungen: Der renommierte Kinder-Schampus-Produzent ist wegen der deliktischen Handlungen des Kadermitarbeiters und Sportchef des Fussballklubs ins Schlingern geraten und wird verkauft, wie bekannt geworden ist. Mit Bundesmitteln gestützt zu werden wie die Grossbank UBS, die nicht durch Fussball-Machenschaften vor dem Abgrund stand, ist natürlich in diesem Fall keine Option. Mit dem Verkauf des Schaffhauser Unternehmens, das jahrzehntelang von der bekannten Familie Rahm beherrscht und geprägt worden ist, endet die Betrugsgeschichte des Kadermitarbeiters und Fussballnarren für die bisherige Eigentümerschaft Rimuss und Weinkellerei Rahm in Hallau ernüchternd. Die positive Seite dieser Entwicklung darf darin gesehen werden, dass die Rimuss-Produktion – mit 45 Mitarbeitenden – künftig von einem anderen, renommierten Familienbetrieb übernommen wird, von der Davaz Holding AG in Fläsch bei Bad Ragaz. Dieser gehört zu den grössten Weinbau- und Weinhandelsunternehmen der Schweiz und setzt jährlich um die 32 Millionen Franken um. Die Rimuss-Fussballparty ist demnach definitiv beendet, Kindergeburtstage mit Rimuss können aber weiterhin als gesichert gelten; sie werden weitab des Fussballs auch künftig stattfinden können.