Boris Beckers seltsame Läuterung

(causasportnews / red. / 3. Januar 2023) Dass einer der wichtigsten Persönlichkeiten Deutschlands, Boris Becker, ein begnadeter, erfolgreicher Tennisspieler war, steht ausser Frage. Allerdings war er es; seine Karriere endete vor der Jahrtausendwende, und seither macht der 55jährige vor allem durch aussersportliche Aktivitäten auf sich aufmerksam; und lebt durchwegs gut davon, getreu dem Motto: «Ich bin immer oben, und wenn ich einmal unten bin, ist unten oben». Konkret ist «Bobele», wie er liebevoll genannt wird, ein wichtiges Mitglied auch des internationalen Jetset (weshalb weiss eigentlich niemand so genau), was bedeutet, dass der Deutschen liebste Sportlegende Höhen und Tiefen erlebt(e), gleichsam in Erinnerung an den Nordirischen Fussballspieler George Best, der einmal gesagt haben soll: «Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich verprasst.».- Klar, bei Boris Becker war es nicht der Alkohol und für einmal war auch nicht der Champagner Schuld; für eine klamme Kasse sorgten vor allem Boris Beckers Frauen, zu denen er zumindest ein spezielles Verhältnis aufweist. Was wiederum eine andere Lebensweisheit in den Fokus rückt: «Es steht jeder Tag ein Dummer auf, man muss ihn nur finden» (gilt auch für Frauen). So geschehen seit der Entlassung aus dem Gefängnis in England vor der Weihnachtszeit. Flugs brachte die Deutsche Ikone Medien dazu, gleich Hundertausende von Euro für Interviews zu bezahlen. Hier entpuppt sich Boris Becker als wahrer Meister des modernen Nihilismus: Viel reden und nichts (aus)sagen; er hat auch nichts zu sagen, schliesslich war er ein Tennisspieler. In dieser Disziplin wird der Leimener nur noch von den «Geissens» übertroffen; die waren allerdings nicht einmal Tennispieler(innen). Wie dem auch sei. Hauptsache, aus dem Nichts lässt sich Geld machen. Und das hat Boris Becker offenbar nach der Kurz-Verbüssung seiner Gefängnisstrafe in England nötig. Beim Ex-Champion wäre es angebracht zu sagen: Alle 20 Jahre wieder. 2002 fasste der heute 55jährige Ex-Sportler vom Landgericht München eine Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung, 2022 dann auf der Insel die unbedingte Gefängnisstrafe wegen Insolvenzdelikten. Diese Verhaltensweisen finden allerdings nicht alle Menschen auf diesem Planeten cool (obwohl man das selbstverständlich gut zu finden hätte), so etwa die Ex-Frau des Fussballstars Mats Hummels, Cathy Hummels, die sich relativ eindeutig äusserte: «Der hat Menschen verarscht, der hat sie ruiniert. Das muss man absitzen. Da bin ich mega-ernst». Diese Äusserungen findet Boris Becker offenbar nur bedingt lustig und hat die Ex-Spielerfrau angeblich verzeigt. Durch das in England Geschehene gab sich Boris Becker seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis geläutert. Mit der angeblich erfolgten Anzeige gegen Cathy Hummels ist diese allerdings als einigermassen seltsam zu qualifizieren.

Wie dem auch sei: Boris Becker ist auch als aus dem Gefängnis entlassener Ex-Sportstar aus den Boulevardmedien im Moment nicht wegzudenken. Kaum draussen, fragt sich die Szene, ob «Bobele» wieder fit für die nächste Ehe sei. In der aktuellen «Bunte» wird die Blitz-Hochzeit schon einmal in den Medien-Nonsenstopf geworfen – um schliesslich mit der Bagatelle die Kurve zu kriegen, dass Boris Becker noch verheiratet sei. Aber auch diese Kleinigkeit wird der ehemalige Herr der Filzbälle, wenn auch gequält, weggrinsen.

Erfolgreich(er) im neuen Jahr!

Photo by Designecologist on Pexels.com

(causasportnews / red. / 30. Dezember 2022) Das Jahresende bietet Gelegenheit zu bilanzieren, natürlich, das sei an dieser Stelle hervorgehoben, vor allem im Sport. Tabellen und Resultate sind untrügliche Indikatoren, um etwa den Zustand einer Sportnation aufzuzeigen. Fast resignierend halten die Deutschen Medien fest, dass das Sportjahr 2022 für die erfolgsverwöhnte Sportnation nicht zufriedenstellend war. Dieses Fazit wurde noch vor der Fussball-WM-Endrunde, die am 18. Dezember mit einem denkwürdigen Finalspiel zwischen Titelverteidiger Frankreich und dem Neo-Weltmeister Argentinien zu Ende ging, gezogen. Selbstverständlich hoffte Deutschland im November, dass die bis anhin unbefriedigende Gesamt-Sportbilanz durch den Gewinn des Fussball-Weltmeistertitels in Katar massiv aufpoliert würde. Doch es kam, wie bekannt, noch schlimmer. Die Fussballer Deutschlands kamen, wie anlässlich der WM-Endrunde 2018 in Russland, nicht über die Gruppenspiele hinaus und waren heuer rechtzeitig zum Weihnachts-Shopping wieder zu Hause. Zum Start des Turniers im Wüstenstaat bilanzierte das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» (26. November 2022) nüchtern und sachlich, jedoch hoffnungsfroh, dass bei grossen internationalen Wettkämpfen Deutsche Athletinnen und Athleten zuletzt immer weniger Erfolge erzielten. Von den Olympischen Spielen 2021 in Tokio seien die Deutschen mit dem schlechtesten Resultat seit der Wiedervereinigung heimgekehrt. Historisch schwach hätten die Deutschen auch bei der Leichtathletik-WM im Sommer abgeschnitten. Mit Blick auf die WM-Endrunde in Katar wurde das «Prinzip Hoffnung» bemüht. Doch, dass im Wüstenstaat eine die schlechteste Bilanz überstrahlende Leistung erzielt würde, glaubte nicht einmal das allgemein defaitistisch geprägte Magazin. Deshalb sollten der Sport und die Politik dafür besorgt sein, dass der verblasste sportliche Glanz Deutschlands in der Welt nun wieder zum Erleuchten gebracht würde, möglichst ab sofort, also ab dem Sportjahr 2023. Wenn in der Politik oder im Sport nichts mehr geht, werden in Europa Arbeitsgruppen gebildet oder Reformen angesagt. Das ist in Deutschland nicht anders. Die Bundesregierung und der Deutsche Olympische Sportbund wollen mit einer Spitzensportreform die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in der Welt stärken. Als Vorbilder dienen etwa Länder, wie Grossbritannien, Australien und Norwegen. In einer solchen Situation wird der Ruf nach dem Gesetzgeber laut: Ein Sportförderungsgesetz soll es künftig richten. Das Heil wird demnach in der (wirtschaftlichen) Sportförderung und in der Staatshilfe gesucht. Zudem soll eine Sportagentur installiert werden, in der die Kräfte zu bündeln sind. Dieser Befreiungsschlag ist wohl nichts anderes als eine Perpetuierung der 2016 beschlossenen Leistungssportreform. Die seither unter anderem aufgewendeten 300 Millionen Euro jährlich sind aber wohl im Administrativ- und Organisationsdickicht verpufft und versickert. Jetzt sollen noch mehr Mittel in den Spitzensport fliessen. Vielleicht, daran scheint man zu glauben, schiesst Geld eben doch Tore…Zum Jahreswechsel ist es wohl angebracht zu unterstreichen, dass in allen Lebenslagen, auch im Sport, die Hoffnung nicht aufgegeben werden soll. Nur die Sache, die aufgegeben wird, ist bekanntlich verloren. Manchmal sind Menschen, die nicht aufgeben, allerdings «Floptimisten», wie es auf einem Kalenderblatt heisst. Dieses Risiko sollte eingegangen werden.In diesem Sinne wünschen wir allen Leserinnen und Lesern von «causasportnews» einen fulminanten Start ins neue Jahr und ein in jeder Hinsicht positives 2023!

Nach der Identitäts- nun die Altersaffäre im Deutschen Fussball?

Photo by Patrick Case on Pexels.com

(causasportnews / red. / 27. Dezember 2022) Er gilt als Wunderkind des Deutschen Fussballs und als Hoffnungsträger: Der 18jährige Youssoufa Moukoko. Wunder und Hoffnung braucht Deutschland nach der verkorksten WM-Endrunde in Katar. Anlässlich der WM-Generalprobe der Deutschen Fussball-Nationalmannschaft im Oman eine paar Tage vor dem Turnierbeginn im Wüstenstaat (Deutschland siegte gegen Oman beschwerlich 1:0 durch ein Tor des nicht mehr taufrischen, anderen Hoffnungsträgers Niklas Füllkrug), setzte Bundestrainer Hansi Flick erstmals den bei Borussia Dortmund spielenden Jung-Star mit kamerunesischen Wurzeln im Nationalteam ein. Seither steht der angeblich am 20. November 2004 in Yaoundé geborene Youssoufa Moukoko noch mehr im Zentrum des Interesses; vor allem bezüglich seiner Identität. Die offizielle Vita des aus Kamerun stammenden Stürmers weist gemäss Recherchen, vor allem des «Spiegel», Ungereimtheiten auf, und vor allem soll der Spieler um einiges älter als 18 Jahre alt sein. Bei den Fussballspielern ist es bekanntlich grundsätzlich etwa gleich wie bei den Gebrauchtwagen: Je älter sie sind, desto weniger beträgt ihr Marktwert. Sollte der Star aus Dortmund in der Tat z.B. aktuell bereits 22 Jahre alt sein, wie dies teils vermutet wird, würde der derzeitig eingeschätzte Marktwert der Fussball-Perle auf der Basis von 18 Lebensjahren wohl um einiges weniger als 30 Millionen Euro betragen.

Droht dem Deutschen Fussball also ein neuer, ähnlicher Skandal um einen Top-Fussballers nach der Identitätsaffäre um Bakery Jatta / Bakary Daffeh? Jener Vorgang ist nach wie vor nicht ganz geklärt («causasportnews» vom 11. Dezember 2021), allerdings gilt es als wahrscheinlich, dass der ursprünglich aus Gambia stammende Spieler 24 Jahre alt ist, jedoch zuerst unter falscher Identität (Namen) in Deutschland als Fussballspieler im HSV in Hamburg in Erscheinung trat. In der «Causa Youssoufa Moukoko» scheint nicht die Identität das Problem zu sein, sondern das Alter des Spielers. Entsprechende Abklärungen laufen derzeit offiziell, und für die Medien ist dieser Fall im arg gebeutelten Fussball-Land Deutschland natürlich ein gefundenes «Fressen» (vgl. etwa «Der Spiegel» vom 26. November 2022). Dieses Fussball-Wunder könnte also vorbei sein, bevor es gewirkt hat.

Vorweihnachtliches Geschenk für Mountainbiker Mathias Flückiger

Photo by Mu00eddia on Pexels.com

(causasportnews / red. / 26. Dezember 2022) Der undurchsichtige Dopingfall des Berner Mountainbikers Mathias Flückiger dürfte noch einige Zeit im Dunkeln bleiben, doch vor Weihnachten geschah fast ein Wunder, wie es sie in dieser Zeit immer wieder gibt: Die Disziplinarkammer von Swiss Olympic hob die vor fünf Monaten verhängte provisorische Doping-Sperre gegen den Rad-Top-Star auf. Weshalb genau ist derzeit nicht eruierbar. Der «Fall Flückiger» war von Beginn weg undurchsichtig und suspekt. Der 34jährige Rad-Sportler gab im Sommer ein atypisches Resultat auf das anabole Mittel Zeranol ab. War es ein atypisches Resultat oder eine positive Dopingprobe (vgl. auch causasportnews vom 17. September 2022)? Hierüber scheiden sich die Geister, bzw. die Schweizer Dopingsanktionsbehörden und der Mountainbiker. Weil Mathias Flückiger ab sofort wieder wettkampfmässig starten kann, deuteten alle Indizien in Richtung lediglich eines atypischen Resultats hin (was zu einer minimalen Dopingsanktion führen würde). Aus dem (juristischen) Schneider ist der Berner nach der Aufhebung der provisorischen Sperre allerdings (noch) nicht. Im bevorstehenden Hauptverfahren wird es vor allem um die Beantwortung der Frage gehen, ob bezüglich des Resultats der Dopingprobe eine Fleischkontamination wahrscheinlich sei oder nicht. Diesbezüglich gehen die Meinungen der Doping-Sanktionsbehörden und des Athleten auseinander. Es scheint aufgrund der derzeitig bekannten Fakten und in Berücksichtigung der entsprechenden Rechtslage jedenfalls angemessen zu sein, Mathias Flückiger zumindest bis zum Vorliegen eines definitiven Entscheids ab sofort wieder zu Wettkämpfen zuzulassen. Affaire à suivre also auch in dieser «Causa».

Nach der WM-Endrunde ist vor der WM-Endrunde

Photo by sergio souza on Pexels.com

(causasportnews / red. / 22. Dezember 2022) Es ist im Nationalmannschafts-Fussball wie sonst im Sport im Allgemeinen: Nach der Fussball-WM-Endrunde in Katar schaut die (Fussball-)Welt auf ein durchwegs positives Sport-Event im Wüstenstaat zurück, blickt aber nun vor allem in die Zukunft. In Richtung USA, Mexiko und Kanada; in diesen drei Ländern wird die Fussball-WM-Endrunde 2026 ausgetragen werden. Nach der WM ist immer vor der WM.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Ausrichter-Länder der WM-Endrunde, 2026 erstmals mit 48 Nationalmannschaften (in Katar waren es 32), was fast ein Viertel aller FIFA-Mitgliedsverbände (211) ausmacht, nun in die Kritik geraten, wie dies bei Katar seit dem Vergabeevent im Dezember 2010 der Fall war. Die USA 2026 – das war ein Vergabeentscheid, der es (politisch) in sich hatte, gleichsam eine Hommage an die Vereinigten Staaten, welche die Wahl Katars 2010 nicht verdaut hatten. Die Todesstrafe in den USA, Rassendiskriminierungen sowie Grenzbauprojekte gegenüber dem Mit-Ausrichter Mexiko sind nichts Neues; die Gefahr, dass Donald Trump zusammen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino im Juni 2026 die WM-Endrunde eröffnen wird, ist relativ gering, weil dann wohl nur der FIFA-Präsident im Amt sein wird (causasportnews vom 18. Dezember 2022). Bis jetzt ist von Empörung vor allem aus Europa wegen der Austragung der WM-Endrunde in den USA und den dort herrschenden Missständen nichts zu hören und nichts zu spüren. Das kann sich ja nun ändern, weil das Feindbild Katar definitiv ausgedient hat; wird es aber wohl nicht.

Von Wichtigkeit ist es trotzdem und auf jeden Fall, dass sich der Fussball in den Schlagzeilen hält, auch nach Katar 2022 und vor den USA, Mexiko und Kanada 2026. Dafür sorgt aktuell der FIFA-Präsident, der sich anlässlich der Pokalübergabe-Zeremonie an Weltmeister Argentinien hartnäckig im Vordergrund und im Fernsehbild hielt. Er und sein Freund, der Emir, konnten vor dem weltweiten TV-Publikum die Hände von Superstar Lionel Messi nicht lassen und zerrten ihn vor der Pokalübergabe herum, obwohl es dieser auch ohne Hilfe von Gianni Infantino und von Katars Emir geschafft hatte, Argentinien zum Weltmeistertitel zu führen. Wenigstens gelang es dem Duo Infantino/Emir, dem irritierten Argentinier im Wüstenstaat in skurriler Weise den WM-Mantel («Bischt») umzuhängen – ein Akt wider mehrere FIFA-Regeln; aber was soll’s. Nun versucht sich der FIFA-Präsident nur wenige Tage nach dem Abschluss der WM-Endrunde in Katar sport-politisch in den Schlagzeilen zu halten. Aber auch dieser Versuch hat sich bis jetzt als relativ untauglich erwiesen. «Präsident peinlich», wie er vor allem in Deutschland genannt wird, reiht Misstritt an Misstritt. Die Vorweihnachtszeit in den christlichen Ländern ist auch geradezu prädestiniert, um Unfug aller Art zu verbreiten. So will Gianni Infantino wieder einmal den WM-Zyklus verringern. WM-Endrunde nun alle zwei oder als Kompromiss (gegenüber Europa) alle drei Jahre? Mehr WM = mehr Erträge. So einfach wie unrealistisch ist diese Rechnung des FIFA-Oberhauptes. Aufgebläht wird auch die Klub-Weltmeisterschaft. 32 Klub-Mannschaften werden künftig diesen Wettbewerb bestreiten, obwohl dieses Turnier der besten und auserwählten Klubs auf der Welt noch nie in das FIFA-Sport-Konglomerat gepasst hat (die FIFA ist traditionell für Nationalmannschafts-Wettbewerbe zuständig). Mehr Spiele = mehr Erträge. Mehr Erträge = mehr Mittel, auch für die 211 Nationalverbände der FIFA, welche jeweils alle vier Jahre den Präsidenten des Weltverbandes wählen – und das möglichst lange, solange sich der schnöde Mammon über die «FIFA-Familie» regnen lässt. Allmählich gerät Gianni Infantino unter Zugzwang. Seit er 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt worden ist, hat er einige Aktivitäten im Fussball entfaltet, doch etwas Zählbares kann er bis heute nicht vorweisen. Was im Moment um den FIFA-Präsidenten geschieht, ereignet sich immer auf diese Art und Weise wohl auch künftig und traditionell alle vier Jahre nach einer WM-Endrunde. Das war schon unter Joseph Blatter so. Eben, nach der WM-Endrunde ist vor der WM-Endrunde.

Die definitive Ankunft des (Fussball-)Sports im globalen Öko-System

Photo by Carlos Cu00e9sar on Pexels.com

(causasportnews / red. / 19. Dezember 2022) Das war sie also, die Fussball-WM-Endrunde in Katar. Was mit einem auch ausserhalb des Sportes speziellen Turnier in der Wüste begann, wurde am Finaltag zum absoluten Sport-Knaller der letzten Jahrzehnte. Kaum je war ein Fussballspiel in jeglicher Hinsicht derart herausragend wie die Finalissima zwischen Argentinien und Frankreich. Das Endspiel war der Abschluss einer grossen Party während rund eines Monats, zu der viele nicht hingehen wollten und dann doch gingen – und sich teils gezwungenermassen frühzeitig wieder verabschiedeten (Deutschland, die Schweiz, England, Spanien, Portugal, usw. Italien umging den moralischen Elchtest aus sportlichen Gründen). Hingehen, obwohl man nicht wollte. Auch im Sport ist Inkonsequenz ebenso erlaubt wie Scheinheiligkeit und das Setzen von Moralspritzen, wie die Endlos-Diskussionen von in Katar Beteiligten und Nicht-Beteiligten belegten. Am Schluss, am Finaltag, ging es nur noch um den Sport; und das war gut so. Und wie! Die Superlativen bezüglich der Qualität des Finalspiels überschlagen sich zu Recht. Was wäre gewesen, wenn sich Argentinien zum Weltmeister gemogelt hätte? Nein, Lionel Messi & Co. zeigten, dass ein Fussballspiel die höchste Potenz sportlicher Qualität erreichen kann, wenn man nur will; und wenn man es kann. Besser geht Fussball kaum mehr. War das so etwas wie Gerechtigkeit, die Katar und dem Weltfussball widerfahren ist, was sich in Doha zum Schluss der WM-Endrunde 2022 ereignet hat? Letztlich zählt eben doch der Sport, und an einer Fussball-WM-Endrunde soll letztlich der Sport prävalieren, obwohl in Katar unübersehbar war, dass die Fussball-Marketingmaschinerie den schlagenden Beweis erbracht hat: Der organisierte Sport auf diesem Niveau ist vollumfänglich im globalen Öko-System angekommen.

Fussball, Fernsehen, Flaschenbier – das war einmal die Trias der modernen Sportvermarktung. Heute ist der Fussball global geworden, und Europa ist auch nicht mehr der Fussball-«Nabel» der Welt. Die Globalität prägt den Sport, ebenso bilden die Wirtschaft und die Medien aller Art Pfeiler des globalen Sport-Establishments. In Katar setzte sich diese neu aufgestellte Trilogie im organisierten Sport durch.

Nun steht der neue Weltmeister fest. Mittelmass und Peinlichkeiten ereigneten sich lediglich nach dem Elfmeterschiessen, in dem der Weltmeister ermittelt wurde, als es endlos dauerte, bis Argentinien mit dem herausragenden Lionel Messi die Trophäe in die Höhe stemmen konnte. Die WM-Pokalübergabe war seit jeher insbesondere die Inszenierungsplattform des jeweils amtierenden FIFA-Präsidenten. Aktuell durfte sich der Walliser Gianni Infantino in Szene setzen. Er war Hauptverantwortlicher für die zähflüssige, sich mühsam dahinziehende Siegerehrung, da sich der FIFA-Herrscher, wie ein Deutscher Kommentator meinte, einfach nicht aus dem Bild drängen lassen wollte. Bis der Emir von Katar und Gianni Infantino den Pokal (zusammen!) den neuen Weltmeistern überreichten, mussten die Fussballanhängerinnen und -anhänger im Stadion und auf der ganzen Welt endlos warten. Ein geradezu peinliche FIFA-Choreographie wurde, je länger sie dauerte, zum Ärgernis. Die geschlagenen Franzosen wurden auf einem Fussball-Laufsteg regelrecht vorgeführt, der bemitleidenswert Kylian Mbappé als ausgezeichneter Spieler öffentlich regelrecht gegrillt und Funktionärs-Kitsch killten zwischenzeitlich die tolle Stimmung im Stadion. In einem dümmlichen Harry Potter-Mäntelchen musste dann Lionel Messi, allerdings erst nach der Pokalübergabe, als zum Fussball-Messias gewordenen Neo-Weltmeister auftreten; nichts war der FIFA zu einfältig, um sich in und bei Katar anzubiedern.

Nach dem grandiosen Fussballfest war diese Präsidenten- und FIFA-Selbstinszenierung auch ein Beweis dafür, dass der Weltverband mit seinen Funktionärs-Apparatschiks aus vergangenen Sport-Zeiten die Interdependenzen im modernen Sports noch nicht verstanden haben. Nämlich, was sich aus dem globalisierten Fussball herausholen liesse, nicht nur mit Blick auf die moderne Fussball-Trilogie. «Football, for the game, for the world, for the future», lautete vor Jahren ähnlich ein Slogan des Weltfussballverbandes. Und jetzt?

P-Verlängerung für Gianni Infantino?

Home of FIFA, Zürich, © Ed Coyle

(causasportnews / red. / 18. Dezember 2022) Zuerst fühlte er sich gemäss seinem skurrilen Auftritt in Katar unter anderem als Homosexueller, nun befasst sich der 52jährige Gianni Infantino mit der Zukunft, vor allem mit seiner eigenen, die für ihn nur heissen kann: «Wie lange bleibe ich noch FIFA-Präsident»?.- Möglichst lange natürlich. Mit der Länge ist es in vielerlei Hinsicht halt so eine Sache, auch mit der Länge der Präsidentschaft im Welt-Fussballverband. Drei Amtsperioden oder 3 x 4 Jahre darf der allseits ungeliebte Walliser als FIFA-Präsident (Kürzel «P» genannt) amten. So sehen es die FIFA-Statuten vor, die unter dem Vorgänger von Gianni Infantino, Joseph Blatter, gleichsam als Instrumentarium gegen das Sesselklebertum im Fussball-Verbandswesen, eingeführt worden ist. Gianni Infantino gehörte damals zu den treibenden Kräften, um die Präsidentschaft von Joseph Blatter zeitlich nicht ausufern zu lassen. Nach 17 Jahren FIFA-Präsidentschaft wurde der Vorgänger von Gianni Infantino regelrecht aus Amt und Würde gejagt. Es erbte eben Gianni Infantino. Männiglich ging davon aus, dass der aktuelle FIFA-Präsident bei der Wahl im kommenden Jahr letztmals für vier Jahre zum FIFA-Präsidenten gewählt würde. Wie von Insidern erwartet, würde Gianni Infantino alles unternehmen, um diese Amtszeitbeschränkung zu umgehen. Vermutet wurde, dass er die für ihn hindernde Statutenbestimmung bald einmal kippen lassen würde (causasportnews vom 28. November 2022). Nun versucht es der gelernte Anwalt mit einem juristischen «Bubentrick», wie er vor dem WM-Endspiel der nicht wahnsinnig erstaunten Fussballwelt und seinen Fussball-Kollegen mitteilte: Weil er 2016 lediglich das Amt von Joseph Blatter übernommen habe, befinde er sich nun in der ersten Amtsperiode (und nicht schon in der zweiten), was bedeute, dass seine dritte Amtsdauer dann bis 2031 dauern würde. Diese selbstverständlich nicht als Drohung zu verstehende Ankündigung wird vor allem in den Nationalverbänden, welche den Präsidenten jeweils zu wählen haben, keine grossen Wellen werfen. Gianni Infantino versucht permanent, den zu verteilenden «Fussball-Kuchen» grösser, lukrativer, zu machen, und bei den Verbänden zählt letztlich das, was auf deren Konti fliesst. Also gibt es keine Gründe, dem durchwegs bizarr auftretenden FIFA-Präsidenten aus dem Wallis künftig die Gefolgschaft zu verweigern oder sogar einen Gegenkandidaten in Stellung zu bringen. Wie kündigte und bekräftigte es Gianni Infantino doch in Doha? Mehr Teilnehmer an der WM-Endrunde, eine Aufblähung der Klub-Weltmeisterschaft, Schaffung einer FIFA World Series (ein alle zwei Jahre stattfindendes Mini-Turnier mit Teams aus unterschiedlichen Kontinenten); also mehr Spiele = mehr Erlöse aus der Vermarktung, also mehr Geld, das an die Nationalverbände verteilt werden kann. So funktioniert heute das Prinzip Fussball auf höchster Ebene. Zum Wohle des Sportes und vor allem zum Wohle der Funktionäre, die bestrebt sind, möglichst lange an den Fussball-Honigtöpfen zu kleben.

“…and the winner is …Katar”

Photo by Jeffry Surianto on Pexels.com

(causasportnewsw / red. / 12. Dezember 2022) So, wie in der Überschrift wiedergegeben, verkündete der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter am 2. Dezember 2010 das Resultat der Fussball-WM-Endrundenvergabe 2022 an Katar. Er tat dies leicht angesäuert, denn die USA, die nun in vier Jahren (mit Kanada und Mexiko) zum Zuge kommen, sollten das Turnier ausrichten; doch Katar grätschte dazwischen. Auch sonst sass der Vergabe-Schock tief, so tief, dass in den letzten zwölf Jahren niemand das Vergabe-Steuer noch herumreissen konnte und wollte (vgl. dazu auch causasportnews vom 11. November 2022). Vor allem dank der Hilfe Frankreichs, an der Spitze mit der ehemaligen Fussball-Ikone Michel Platini, nahm der Siegeszug Katars global und in Europa seinen Anfang. Katar gewann 2010 die Vergabe, und wird nun auch auf den Spielfeldern im Wüstenstaat zum Sieger. Zwar nicht gerade, was die Aktivitäten der Mannschaft Katars auf dem Spielfeld anbelangt, aber Katar wird als globaler Sieger der WM-Endrunde hervorgehen. Wer derzeit auf die Franzosen als alte und neue Weltmeister tippt, könnte goldrichtig liegen. In jedem Fall steht ein Freund Katars im Endspiel: Frankreich oder Marokko; ohne die seit Jahren praktizierte Unterstützung Frankreichs durch Katar wäre der französische Fussball wohl nicht derart herausragend. Apropos Marokko: Der Aussenseiter beschert Afrika und dem arabischen Raum vor dem Halbfinale ein unvorstellbares Glücks- und Bestätigungsgefühl. Nur in den Ländern, in denen es in Vergessenheit geraten zu sein scheint, dass Erfolg und Wohlstand vor allem durch Arbeit und/oder dank Bodenschätzen zu realisieren sind, werden die Wunden der missglückten WM-Expeditionen nach Katar geleckt.

Zum Beispiel in Deutschland: Die Deutschen machten keinen Hehl daraus, in Katar Weltmeister werden zu wollen. Der Abstecher in die Wüste misslang, und retrospektiv ist die Erkenntnis gereift, dass das, was gewollt und beabsichtigt war, eine «mission impossible» war (so der aktuelle «Spiegel» mit übergrossen Buchstaben). Wie hoffnungslos sich die Aufarbeitung der Tatsache gewordenen Verhältnisse in Deutschland präsentiert, belegt der Umstand, dass die Ursache am Scheitern Deutschlands immer noch vor allem in der «One Love»-Binde gesucht und gefunden wird. Dabei ist im Sport klar, dass solche Umwertungen aller Werte nur möglich sind, wenn die sportliche Leistung stimmt. Diese stimmt aktuell nur dann, wenn die Verschiebung der Machtverhältnisse im globalen Sport erkannt und anerkannt wird. Diese begann in punkto Katar akut an jenem 2. Dezember 2010, als es hiess: «an the winner is… Katar». Dass es auch im Rahmen der laufenden WM-Endrunde so bleiben wird, ist ein nicht mehr zu erschütterndes Faktum. Erkannt worden ist in Deutschland nun offensichtlich, dass die angestrebte, westliche Werteverschiebung in Richtung Katar und bezüglich des arabischen Raums gescheitert ist. Da hilft wohl nur noch eine Alternativbetätigung, sagte sich wohl Torhüter-Legende Manuel Neuer, der allerdings soeben auch im Skisport scheiterte. Wie sagten es die Marokkaner: «Unsere Erfolge sind die Frucht harter Arbeit». Ein zentraler Satz in einer Gesellschaft, welche Arbeit immer mehr als Sakrileg auffasst.

Zum Beispiel in der Schweiz: Auch die vom qualifizierten Sozialismus unterwanderte Gesellschaft in der Schweiz erlebte in Katar eine Enttäuschung. Dass Erfolge nur dann möglich ist, wenn man sich mit Akribie auf ein Ziel vorbereitet und dieses entsprechend anstrebt, steht ausser Diskussion. Obwohl die Schweiz so unnötig wie kläglich an Portugal gescheitert ist, beherrscht immer noch ein Thema die Diskussionen um die Schweizer Nationalmannschaft: Wie soll mit den gegenseitigen, unnötigen und dummen Provokationen im Zuge des Spiels Schweiz gegen Serbien (3:2) umgegangen werden? Im Moment beansprucht eine im Kosovo lebende Feministin Sicherheitsschutz, weil sie die Geste des Schweizer Captains Granit Xhaka (er fasste sich provokativ in den Schritt) öffentlich verurteilt hat. Auch die Schweiz hat nun im Zuge unüberwundener, ethnischer Konflikte auf und ausserhalb des Sportplatzes ihre «Binden»-Frage: Soll Granit Xhaka wegen seiner Unbeherrschtheit mit politischen Dimensionen weiterhin die Captain-Binde tragen dürfen oder nicht?- Auch das ist Vergangenheitsbewältigung, wenn auch keine zielführende; vgl. die sportlichen Ergebnisse.

Allenthalben wissen es nur die «Fussball-Götter», wie sich die Dinge im Sport oder nun eben in Katar entwickeln (können). Da half allerdings beim Englischen Trainer Gareth Southgate auch der Glaube, den er vor dem Frankreich-Spiel beschworen hatte, nicht mehr weiter (und der Fussball-Schutzpatron Luigi Scrosoppi war offensichtlich ebenfalls eher angetan vom Spiel der Franzosen; causasportnews vom 2. November 2022), als Harry Kane, der sonst todsichere Penalty-Schütze, den zweiten, zugesprochenen Elfmeter im Spiel gegen Frankreich in den Wüsten-Nachthimmel in Katar schlenzte. Sogar FIFA-Präsident Gianni Infantino dürfte sich nun auch noch «ungläubig», jedoch kaum unglücklich gefühlt haben.

Somit steht vor dem Finalspiel der Fussball-WM-Endrunde am 18. Dezember 2022 fest: The winner ist Katar! Da helfen auch letzte Nadelstiche aus dem untergegangenen Europa nicht mehr. Der Kontinent im Würgegriff des Überhand nehmenden Sozialismus’ reklamiert soeben einen neuen Skandal, diesmal um die EU-Parlamentsabgeordnete Eva Kaili. Geld soll sie von Katar bekommen und genommen haben. Ein Vorgang, der in der Schweiz und in Deutschland als simpler «Lobbyismus» bezeichnet wird, im Zusammenhang mit Katar jedoch unter den Begriff «Korruption» fällt. Dumm nur, dass eine Sozialistin von diesem «Skandal» (Weltpresse) betroffen ist; immerhin geben diese Kollektivisten vor, was moralisch und was unmoralisch ist und welche Werteordnung gut zu sein hat…

CaS-Co-Herausgeber Hans-Ueli Vogt fast in die Landesregierung gewählt

Photo by Louis on Pexels.com

(causasportnews / red. / 8. Dezember 2022) Ergänzend zum üblichen «Intro» bezüglich Meldungen in dem zu «Causa Sport» gehörenden Blog «causasportnews» müsste fast korrekter- und transparenterweise diesmal der Zusatz angehängt werden: «In eigener Sache».

Die Schweiz hat am Mittwoch nach zwei Rücktritten die aus sieben Personen bestehende Landesregierung komplettiert. Kandidatinnen und Kandidaten waren zur Wahrung der bisherigen Sitzansprüche der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und der Sozialdemokratischen Partei (SP) die SP-Frauen Elisabeth Baume-Schneider (Jura) und Eva Herzog (Basel-Stadt) sowie die SVP-Vertreter Albert Rösti (Bern) und Hans-Ueli Vogt (Zürich); Hans-Ueli Vogt, der gewiefte Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich, der überdies dem Herausgeber- und Redaktionsgremium von «Causa Sport» angehört, kündigte vor Wochen seine Regierungsambitionen an, um dem Parlament eine Alternative zu bieten, wie er sagte. Aufgrund der Wahl-Regularien der Vereinigten Bundesversammlung (Wahlkörper) erfolgte am Mittwoch zuerst die Wahl des Nachfolgers von SVP-Bundesrat Ueli Maurer (Zürich). Die SVP präsentierte dem Wahlgremium Albert Rösti und Hans-Ueli Vogt, also je einen Vertreter der ländlichen Gebiete (Albert Rösti) und des urbanen Zürich (Hans-Ueli Vogt). Der Favorit, Albert Rösti, schaffte die Wahl in die Landesregierung auf Anhieb mit 131 Stimmen. Mit 98 Stimmen erzielte Hans-Ueli Vogt ein glanzvolles Resultat. An einen Wahlerfolg glaubte der Vertreter aus Zürich wohl selber am wenigsten. Als extraordinär und als Überraschungserfolg präsentierte sich der Umstand, dass der «Causa Sport»-aktive, 53jährige Top-Jurist jedoch fast 100 Stimmen gewinnen konnte- lediglich 33 Stimmen weniger als der Favorit Albert Rösti! «Causa Sport» gratuliert seinem Redaktionsmitglied und Co-Herausgeber Hans-Ueli Vogt zu dieser mehr als sportlichen Glanztat! Aufgrund der Reaktionen nach der Wahl kann das Fazit gezogen werden, dass Hans-Ueli Vogt wohl nicht am Boden zerstört war, als der Wahl-Coup nicht ganz gelang und letztlich der Regierungs-«Kelch» an ihm vorbeiging…

Eine faustdicke Überraschung ergab sich bei der Wahl einer SP-Frau in die Landesregierung: Hier blieb die Vertreterin des urbanen Basel knapp hinter der Sozialarbeiterin und Schwarznasenschaf-Halterin Elisabeth Baume-Schneider aus dem Kanton Jura zurück.

Mit dieser Wahl einer Vertreterin und eines Vertreters aus der ländlichen Schweiz erteilte die Vereinigte Bundesversammlung den kommunistisch geprägten Städten eine deutliche Abfuhr. Heute wird es sich zeigen, ob Bundesrätin Viola Amherd aus dem Wallis weiterhin Verteidigungs- und Sportministerin bleiben wird.

WM-Endrunde Katar: Schuld ist (fast) immer der Trainer

Photo by Kampus Production on Pexels.com

(causasportnews / red. 7. Dezember 2022) Da soll noch jemand behaupten, die Fussball-WM-Endrunde in Katar sei langweilig! Es ist das Turnier der Überraschungen, Dramen und Enttäuschungen; die Proteste gegen Katar und die FIFA sind längst versiegt. Sie ist jetzt auch die WM-Endrunde, in der Europa nicht mehr der unbestrittene Nabel der Fussballwelt darstellt; was Fussball-Globalisierung genannt wird, die mit dem Austragungsort in der Wüste von Katar ihren Anfang genommen hat. Letztlich ist es auch die Endrunde der Trainer (nein, Trainerinnen gibt es keine), die, wenn es nicht läuft oder die Erwartungen von wem auch immer nicht erfüllt werden, (fast) immer die Schuldigen sind.

Zum Beispiel Hans-Dieter «Hansi» Flick: Der Deutsche Trainer hat seine Unschuld verloren, als er zu stark in Opportunismus machte, zum Verbandsfunktionär mutierte und zum nationalen Interessenvertreter etwa des FC Bayern-München wurde sowie letztlich das Wunschdenken den Realitäten unterzuordnen begann. Deutschland zerbrach letztlich an Japan, als die «Deutsche Nationalmannschaft» die von DFB-Management-Direktor Oliver Bierhoff verordnete Gehirnwäsche, welche die Nationalmannschaft zur «Mannschaft» werden liess, über sich ergehen liess und zur Fussball-Makulatur wurde. Nach dem Ausscheiden Deutschlands aus dem Turnier in Katar wurde die Schuld, wie (fast) immer, beim Trainer gesucht und gefunden. Hansi Flick zu entlassen geht natürlich im Moment politisch nicht, da der Kurzzeit-Bundestrainer in dieser Phase nicht geopfert werden kann. Der Volks-Zorn wurde jedoch mit der überfälligen Absetzung von Oliver Bierhoff beschwichtigt, der Mann, der in den letzten Jahren wesentlichen Anteil an den Irrungen und Wirrungen im Deutschen Nationalmannschafts-Fussball hatte.

Zum Beispiel Murat Yakin: Der Schweizer Nationaltrainer genoss bis zum Abschluss der Gruppenspiele viel Kredit und machte (fast) alles richtig. Im Achtelfinale gegen Portugal kam es allerdings knüppeldick. Der ehemalige Top-Spieler vergeigte mit Organisations- und Coaching-Fehlern das Spiel gegen Portugal. Die Schweizer wollten nach dem Spiel gegen Serbien, bei dem sie offensichtlich alles für Sonderleistungen erforderliche Adrenalin ausgeschüttet hatten, die Fussball-Sterne vom Himmel holen und landeten krachend auf dem Fussballboden der Realitäten. Murat Yakin musste als Trainer-Novize eineinhalb Lehrstunden von seinem Portugiesischen Kollegen Fernando Santos über sich ergehen lassen, bis klar war, dass er gegen diesen Gegner, der sich im Achtelfinale gegen die Schweiz mit Cristiano Ronaldo den teuersten Bankdrücker der Welt leistete, nicht nur keine Chance hatte, sondern regelrecht deklassiert wurde. Die Schweizer spielten letztlich schlicht und ergreifend minimal, die Portugiesen maximal. Es war in Katar ein Freudentag für Portugal, zumal Spanien nach der Niederlage gegen Marokko Nordafrika in kollektive Ekstase versetzte. Schuld an dieser Niederlage war nicht einmal Spaniens Trainer Luis Enrique, der nach dem Ausscheiden natürlich dennoch unter Druck geriet. Primär für dieses Debakel verantwortlich waren vielmehr die Spieler selber.

Wo gewonnen wird, haben in der Regel die Trainer alles richtig gemacht, wo Niederlagen zu verkraften sind, gehört der Trainer (fast) immer zu den Schuldigen. Die Schuldzuweisungen sind im Fussball jedenfalls nie so einfach wie etwa in der Oper oder in der Operette, zum Beispiel in der «Fledermaus», wo es keine Zweifel gab, dass an allem nur der Champagner Schuld war…