Hoffnungen nach den Fussball-WM-Pleiten

ball-304101_1280 (causasportnews / red. / 10. September 2018) Niemand wusste so genau, was nun im Rahmen der neu vom Europäischen Kontinentalverband UEFA geschaffenen „Nations League“ auf die Fussball-Fans in den Stadien und am Bildschirm zukommen würde. Nun ist klar, dass ein „sanfter Druck“ einiges bewirken kann. Der Wettbewerb, in dem es um etwas mehr als nichts geht, ist durchaus geeignet, sanften Druck auf die Mannschaften zu erzeugen. Der Antwort auf unsägliche, meist wertlose Freundschaftsspiele ist durchaus Kredit einzuräumen. Die Schweizer Nationalmannschaft fegte am Samstagabend das originelle Team Islands gleich 6:0 vom Feld und liess Kommunikations-Probleme, die „Doppeladler-Affäre“, weltbewegende Weiterlesen

Kommunikation und Strukturen schiessen keine Tore

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Vladimir Petkovic & Joachim Löw am Swiss Sport Forum in Zürich (copyright http://www.swisssportforum.ch)

(causasportnews / red. / 3. September 2018) Endlich haben sie geredet, die Trainer der Nationalmannschaften Deutschlands und der Schweiz, Joachim Löw und Vladimir Petkovic. Gesagt wurde allerdings wenig bis nichts. Das ging wohl auch nicht. Ihre Bilanzen zur WM-Endrunde hätten auch relativ kurz und bündig ausfallen müssen: Ihre Spieler haben am Turnier in Russland schlicht versagt – schlecht gespielt, das wär’s dann gewesen. (Erwartete) Kommunikation ist aber in der heutigen Zeit etwas anderes. Donald Trump macht es vor. Es war deshalb für Joachim Löw und Vladimir Petkovic ein Ding der Unmöglichkeit, die Ursachen für das schlechte Spiel ihrer Mannschaften beim Namen zu nennen. Das haben andere gemacht. Die Verbandspräsidenten etwa, die sich seit dem WM-Turnier mit Vorwürfen irrelevantester Art auseinanderzusetzen hatten. In Deutschland war es anerkannterweise vor allem Mesut Özil, der mit seinem Erdogan-Auftritt den Untergang seines Teams einleitete, in der Schweiz brachte die „Doppel-Adler-Affäre“ die Mannschaft in spielerische Schieflage und schliesslich zum Absturz. Die Analysen des Scheiterns waren in beiden Ländern Paradebeispiele verunglückter Kommunikation. Mit guter Kommunikation hiesse der Fussball-Weltmeister 2018 Deutschland, und die Schweiz wäre im Final der unterlegene Gegner gewesen. So ist es: (Gute) Kommunikation schiesst eben die Tore. Sie war in beiden Ländern schlecht. Es kam in der Schweiz noch dazu, dass den Verbandsstrukturen die (Mit-)Schuld am schlechten Auftritt der Nationalmannschaft, die in Deutschland in Entkoppelung jeglichen nationalen Gedankens, nur noch „Die Mannschaft“ hiess, zugeschoben werden musste. Das wird sich ändern, denn der von den Medien ins Amt des neuen Verbandspräsidenten geschriebene Anwalt Bernhard Heusler ist flugs vom Verband beauftragt worden, die offenbar schlechten Strukturen zu untersuchen und Besserungen vorzuschlagen – auf dass er dann ein Amt in einem strukturell bereinigten Umfeld übernehmen kann. Mit dieser Vorgehensweise hat der Verband seine Hilflosigkeit manifestiert und sogleich das Compliance-Eigentor des Jahres geschossen. Der mit der Untersuchung beauftragte neue „Fussball-Super Mario“ der Schweiz gehörte bei der Auftragserteilung dem Verbands-Zentralvorstand an, hat also die bisherigen, angeblich mangelhaften Strukturen eifrig mitgetragen. Erst, nachdem Kritik ob dieses Compliance-Schildbürgerstreichs unüberhörbar wurde, trat Bernhard Heusler aus dem Zentralvorstand des Verbandes zurück. In der Schweiz wird eben noch krass hinterfragt, und die Überzeugung ist ungebrochen: Auch (gute) Strukturen schiessen Tore. In dieser Hinsicht hat es Deutschland weit einfacher: Das Turnier in Russland war an sich nur ein Betriebsunfall. Ein paar personelle Retouchen im Team werden dafür sorgen, dass der Weltmeister von 2014 den Tritt beim nächsten Ernstkampf wieder findet. Das versuchte Joachim Löw kürzlich nach langem Schweigen in einer rund einstündigen Erklärung klarzumachen. Nicht zu vergessen: Fussball darf ja auch dann für Humor sorgen, wenn er nicht gespielt wird. In wenigen Tagen geht es endlich weiter auf dem grünen Rasen. Und alle, wohl ausser Recep Tayyip Erdogan und Mesut Özil, freuen sich insbesondere auf das Spiel Deutschland – Frankreich vom 6. September 2018. Der abgetretene und der neue Weltmeister treffen im Rahmen der neuen „Nations League“ aufeinander. Der Sieger muss mindestens ein Tor mehr schiessen als der Gegner. Diese Sprachregelung gilt als unantastbar. In der „Alllianz-Arena“ in München wird wenigstens für rund 90 Minuten die Kommunikation zum Nebenthema.

Zulässige „Motivationsprämien“ – nur verlieren gegen Geld ist unzulässig

banknote_blur_cash_close_up_currency_economy_finance_focus-1178505 (causasportnews / red.th, 28. August 2018) Manipulationen im Sport gibt es nicht nur im Zusammenhang mit Sportwetten (vgl. dazu aktuell causasportnews vom 25. August), sondern auch aufgrund „sportlicher“ Motive. Ein solcher Vorgang wurde gegen Ende der vergangenen Woche vor dem Amtsgericht Osnabrück verhandelt. Als Angeklagte standen in einem Strafprozess drei Fussball-Professionals des VfL Osnabrück, die in der Drittligasaison 2016/17 bei diesem Klub tätig waren, vor Gericht; einer der angeklagten Akteure spielt nach wie vor beim VfL Osnabrück. Gemäss Anklage sollen sie gegen Geld dafür verlangt haben, dass der VfL Osnabrück den abstiegsbedrohten Klub SC Paderborn schlagen würde, um zwei andern Klubs im Kampf um den Abstieg Schützenhilfe zu leisten. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) bekam damals vor dem Spiel Wind von der Angelegenheit. Die drei betroffenen Professionals nahmen an der Partei schliesslich gar nicht teil und wurden vom DFB sanktioniert. Zwar ermittelte danach die Staatsanwaltschaft, doch wurden nun die drei Spieler allesamt vom Vorwurf der Erpressung und der Spielmanipulation freigesprochen. Entscheidend war für das Gericht, dass das Spiel gegen den SC Paderborn nicht verloren, sondern gewonnen werden sollte. Die Anklage hielt fest, dass die Angeklagten unzulässigerweise suggeriert hätten, ohne Bezahlung keinen vollen Einsatz zu leisten. Diese Auffassung teilte das Gericht nicht und schloss sich der zu dieser Thematik herrschenden Rechtslehre an, dass „Motivationsprämien“ im Sport zumindest nicht unzulässig sind.- Zufälligerweise standen die in diesen Vorgang involvierten Klubs VfL Osnabrück und SC Paderborn schon früher im Fokus von speziellen Konstellationen: 2009 wurden dem damaligen VfL Osnabrück-Spieler Thomas Cichon eine Manipulationsabsprache vorgehalten; er erhielt eine Haftstrafe von neun Monaten. Der SC Paderborn wurde 2004 im Zuge der „Affäre Hoyzer“ bekannt. Damals besiegte der Regionalklub den Bundesligisten Hamburger SV auf bizarre Art und Weise 4:2. Danach flog der manipulierende Schiedsrichter Robert Hoyzer auf und bescherte dem deutschen Fussball einen der grössten Manipulationsskandale. Die Manipulation durch den Schiedsrichter erfolgte im Zusammenhang mit Sportwetten.

Vor einem neuen Fussball-Manipulationsskandal?

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(causasportnews / red. / 25 August 2018) Die erste Runde im Schweizer Fussball-Cup-Wettbewerb vom letzten Wochenende könnte auch der Beginn eines neuen Manipulationsskandals im Zusammenhang mit Sportwetten gewesen sein. Vor einer Woche endete das Cup-Spiel zwischen den beiden Zweitliga-Klubs FC Klingnau und FC Bramois gleich 7:0. Das ist ein Resultat zwischen gleich klassierten Mannschaften, das bemerkenswert ist. Die Partie wurde von der „Loterie Romande“ angeboten, geriet aber nicht erst wegen des Schluss-Resultats in den Fokus der Beobachter der westschweizer Wettanbieter-Gesellschaft. Der Schiedsrichter pfiff nicht weniger als vier Elfmeter; zwei davon führten zu Toren. Schon vor dem Spiel gab es Anzeichen und Hinweise dafür, dass die Partie manipuliert sein könnte. Auffällig präsentierten sich vor allem die Wett-Quoten: Auf Grund des Resultates hätte das 7,5-Fache des Einsatzes ausbezahlt werden müssen. Soweit kam es allerdings nicht. Die „Loterie Romande“ setzte nach entsprechenden Hinweisen die Wette bereits vor Beginn des Spieles aus und tätigte nach Abschluss der Partie auch keine Auszahlungen. Zwischenzeitlich ermitteln die Behörden, allen voran die interkantonale Lotterie- und Wettkommission (COMLOT). Die wahrscheinliche Manipulation des Spiels wurde also seitens des Wettanbieters entdeckt. Offensichtlich nicht reagiert haben die Warnsysteme der Sportverbände. Diese führen den Kampf gegen Manipulationen im Sport im Zusammenhang mit Sportwetten nur noch halbherzig, nachdem das Thema „Sportwettenskandale“ in den letzten Jahren mangels aktueller Vorfälle eher in den Hintergrund gerückt ist. Der Weltfussballverband FIFA hat sogar vor kurzer Zeit das verselbständigte Frühwarnprojekt „Early Warning System“ beerdigt. Für den Sportwetten-Spezialisten Dr. Urs Scherrer deutet bei den bekannt gewordenen Fakten im Rahmen des Spiels Klingnau – Bramois alles auf Manipulation im Zusammenhang mit Sportwetten hin. „Wenn in einer solchen Partie gleich vier Elfmeter gepfiffen werden und das Spiel 7:0 endet, kann das schon bedeuten, dass Wetten auf ein so klares Spielergebnis abgeschlossen worden sind. Klar ist, dass in einem solchen Fall nicht die Wette manipuliert ist, sondern das Spiel.“ Im „Hoyzer“-Skandal 2005 in Deutschland war der Schiedsrichter, der gegen Geschenke für das „richtige“ Spielresultat sorgte. Im aktuellen Fall ist zur Zeit unklar, wer die wahrscheinliche Spielmanipulation zu verantworten hat. Für den Schiedsrichter, die Spieler und die Funktionäre gilt die Unschuldsvermutung.

 

 

Schweizerisches Bundesgericht setzt Guerrero-Sperre wieder in Kraft

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copyright wikimedia commons Pablo Guerrero 2018 Author LLs

(causasportnews / red. / 25. August 2018) Ende Dezember 2017 verhängte der Weltfussballverband FIFA gegen den Peruanischen Nationalspieler Paolo Guerrero wegen Verletzung einer Anti-Doping-Bestimmung eine Sperre von sechs Monaten. Somit wäre der Weg frei gewesen für eine Teilnahme des Spielers an der Endrunde der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft in Russland, weil die provisorische Sperre gegen den Peruaner seit dem 3. November 2017 in Kraft war. Gegen diese Entscheidung der FIFA-Berufungskommission gelangten sowohl Paolo Guerrero als auch die Welt-Anti-Doping-Agentur an das Tribunal Arbitral du Sport (TAS) in Lausanne. Dieses erhöhte einen Monat vor dem WM-Start die Sperre auf vierzehn Monate. Dagegen gelangte Paolo Guerrero an das Schweizerische Bundesgericht, welche der Beschwerde am 30. Mai 2018 im Rahmen einer superprovisorischen Anordnung die aufschiebende Wirkung gewährte. Begründet wurde diese Entscheidung vor allem damit, dass das TAS das Urteil zu jenem Zeitpunkt erst im Dispositiv eröffnet hatte und es für den 34jährigen Spieler die letzte Gelegenheit sei, an einer WM-Endrunde mitzuwirken. Paolo Guerrero nahm mit Peru an den Gruppenspielen teil und erzielte gegen Australien ein Tor; das Team überstand die Gruppenphase allerdings nicht. Nun hat das Bundesgericht die vorübergehende Aussetzung der Sanktion wieder aufgehoben bzw. die Sperre wieder in Kraft gesetzt und der Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzogen. Der bei Porto Alegre in Brasilien unter Vertrag stehende Peruaner darf ab sofort keinerlei Spiele mehr bestreiten, zumindest, bis das höchste Gericht der Schweiz ein Urteil gefällt hat. Der „Fall Guerrero“ zeigt, dass auch im Rahmen von Sanktionsverfahren Härtefälle durchaus juristisch sinnvollerweise aufgefangen werden können.

Haftstrafe für ehemaligen Brasilianischen Verbandspräsidenten

prison-142141_1920(1)(causasportnews / red. / 24. August 2018) Zu einem ersten, markanten Urteilsspruch gegen einen im Mai 2015 in Zürich inhaftierten und später an die USA ausgelieferten, nicht geständigen Fussball-Funktionär, ist es diese Woche in New York gekommen. Ein Bundesgericht hat den ehemaligen Präsidenten des Brasilianischen National-Verbandes, José Marin, zu vier Jahren Haft verurteilt. Dem 86jährigen Brasilianer, einem gelernten Rechtsanwalt, wurde die Annahme von Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit der Vergabe von Fernsehrechten in Südamerika vorgeworfen; das Gericht gelangte Ende des vergangenen Jahres eindeutig, vor allen auf Grund von „Kronzeugen“-Aussagen, zu einem Schuldspruch. Schuldig gesprochen wurde im gleichen Zug auch der ehemalige, ebenfalls nicht geständige Verbandspräsident Paraguays, Juan Ángel Napout. Bezüglich dieses ehemaligen Funktionärs wird das Strafmass in der kommenden Woche verkündet. José Marin wurde zudem mit 1,2 Millionen US$ gebüsst. Überdies wurde er verpflichtet, 3,3 Millionen US$ Schadenersatz zu bezahlen. Noch nicht entschieden worden ist das Schadenersatzbegehren des Weltfussballverbandes (FIFA). Dieser betrachtete sich als durch die Handlungen des Brasilianers ebenfalls als geschädigt. Darüber wird das Bundesgericht in einigen Wochen entscheiden. Die FIFA legte stets Wert auf die Feststellung, dass die damals in Haft genommenen und später an die USA ausgelieferten Funktionäre die Taten nicht als Organe der FIFA begangen hätten. Der Beurteilung des Schadenersatzbegehrens des Weltfussballverbandes kommt deshalb grundsätzliche Bedeutung zu.

Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen – Und das baldige Ende des Nationalmannschafts-Fussballs?

FIFA Pokal (causasportnews / red. / 22. August 2018) In den nächsten Tagen wird es zum „Showdown“ im Deutschen und im Schweizer Spitzenfussball kommen: Im Deutschen Fussball-Bund (DFB) soll die WM-Pleite in Russland abgehakt und eine bessere Zukunft eingeläutet werden; im Schweizerischen Verband (SFV) stehen ebenfalls entscheidende Schnitte nach der missglückten WM-Endrunde 2018 an.

Im DFB wird derzeit über Ursachen und Wirkungen des frühen WM-Aus in Russland debattiert. In personeller Hinsicht stehen die Protagonisten der WM-Expedition im Fokus, insbesondere DFB-Präsident Reinhard Grindel und der Manager der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff. Aussen vor bleibt Weiterlesen