causasportnews.com – 33/2026, 9. April 2026
(causasportnews / red. / 9. April 2026) In ziemlich genau zwei Monaten, am 11. Juni 2026, soll also die vom Fussball-Weltverband organisierte und zu verantwortende WM-Endrunde in den USA, in Mexiko und in Kanada beginnen. 48 National-Mannschaften haben sich für das Turnier nach neuem Teilnahme-Modus qualifiziert, soviele Teams, wie noch nie zuvor für eine WM-Endrunde. Der FIFA (Fédération Internationale de Football Association), einem privaten Verein nach Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches mit Sitz in Zürich, gehören 211 Mitgliedsverbände; fast ein Viertel der nationalen Verbände wird am Turnier, an dem der Weltmeister 2026 erkoren werden soll, in Übersee teilnehmen.
Es mag die Vorfreude etwas dämpfen, dass diese bevorstehende Weltmeisterschaftsendrunde in wenigen Wochen u.a. in den Vereinigten Staaten ausgetragen werden soll. USA – das müsste aktuell wohl nicht unbedingt sein. Das Land benimmt sich im Moment und wieder einmal wie von Sinnen, entfesselt Kriege, sät Unfrieden auf der Welt und bringt die Welt- und Wirtschaftsordnung durcheinander. Angeführt werden die Vereinigten Staaten von einem «an die Macht gestolperten Showmaster aus dem Unterschichtenfernsehen. Er ist ein Produkt der TV-Ära, in der Entertainment das ganze Leben bedeutet. Binnen kurzem ist er auch ein Funktionär der Kapitalmärkte geworden», wie sich der Deutsche Star-Philosoph Peter Sloterdijk in der «Neuen Zürcher Zeitung» (28. März 2026) zitieren lässt. Der US-Präsident beschimpft, droht, flegelt herum, bekriegt willkürlich Feinde und Ex-Freunde, setzt Macht und Gewalt an Stelle des Rechts, rastet aus, und stösst zwischendurch, wie er grossmundig ankündigt, das «Tor zur Hölle» auf und ähnliches. Völkerrechtliche Regeln in seinem Kosmos nicht. Soeben wollte der mächtigste Mann der Welt den Iran in die «Steinzeit» zurückbomben, in «auslöschen», bevor er dieses Unterfangen nun doch verschoben hat. In diesen Schlamassel ist derzeit die ganze Welt verstrickt. Und da soll Vorfreude mit Blick auf die WM-Endrunde in Nordamerika aufkommen!
Eines ist klar: Das am 11. Juni 2026 beginnende Turnier wird wie geplant stattfinden. Genau genommen hat die WM-Endrunde mit den Vereinigten Staaten gar nichts und mit dem unberechenbaren Präsidenten, den die Amerikanerinnen und Amerikaner Ende 2024 zum zweiten Mal auf den Schild hoben, noch weniger zu tun. Es ist dies die Veranstaltung eines privaten Vereins aus der Schweiz, der FIFA, der den Mitgliedsverbänden der USA, Kanadas und Mexikos die Durchführung der WM-Endrunde übertragen hat. Die FIFA hat vergeben, die drei Verbände, denen die Durchführung der Veranstaltung übertragen worden ist, organisieren den Event und verantworten diesen zusammen mit dem Weltverband. Die FIFA ist Rechteinhaberin des Turniers und trifft alle Entscheidungen im Zusammenhang mit der Durchführung. Nachdem alle 48 Nationalmannschaften, welche im Juni/Juli um den WM-Titel spielen werden, bekannt sind, ergibt sich aufgrund der aktuellen, geopolitischen Lage eine doch spezielle Konstellation. Iran ist für das Turnier qualifiziert! Die spielberechtigten Equipen haben an der WM-Endrunde gemäss FIFA-Regularien teilzunehmen; so eben auch der Iran. Spielberechtigung ist gleichbedeutend mit Spielverpflichtung. Die Ausgangslage hierfür ist allerdings mehr als delikat: Der Verband Irans muss an der WM-Endrunde und an den vorgesehenen Spielorten in den USA teilnehmen; verweigert der Verband die Teilnahme, kann er verbandsintern sanktioniert werden. Dabei ist es irrelevant, dass die USA derzeit und wohl einstweilen gegen den Iran, dessen Fussball-Nationalmannschaft für die WM-Endrunde qualifiziert ist, einen wohl völkerrechtswidrigen Krieg führen. Sportrechtlich unbedeutend ist es zudem, dass die USA, dessen Nationalverband die WM-Endrunde mitausrichtet, den Iran, angeführt von «Bastarden und Halunken», in Schutt und Asche legen, auslöschen und in die Steinzeit bomben wollen (Original-Ton des US-Präsidenten). Den Iran trifft grundsätzlich die vereinsrechtliche Verpflichtung, als qualifizierte Mannschaft an der WM-Endrunde anzutreten und auch Spiele in Amerika, also im Land des Kriegsgegners, bestreiten zu müssen (eine Reminiszenz am Rande: Selbstverständlich dürfen die kriegsführenden USA mit ihrer Nationalmannschaft am Turnier teilnehmen). Das alles ist unter den gegebenen Umständen einigermassen unzumutbar, und derzeit ist unklar, ob die Mannschaft Irans in den USA wirklich antreten wird. Iran möchte nachvollziehbar eher nicht und würde die Austragung dieser Spiele statt auf amerikanischem Boden vorzugsweise in Kanada oder in Mexiko befürworten. Der US-Präsident bekundet – zynischerweise – keine Mühe damit, dass die Nationalmannschaft des Irans in den USA antreten soll; schliesslich ist Amerika der Aggressor. Letztlich berührt ihn dieses Thema aber so wenig, wie wenn ein Fahrrad am Bahnhof in Peking umstürzt. Der Umstand, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun haben, ist auf einer anderen Ebene anzusiedeln. Nochmals: Die WM-Endrunde ist eine Angelegenheit eines privaten Vereins (FIFA), welche die USA in kaum einer Art und Weise, höchstens territorital, berührt. Womit auch klar ist, dass der US-Präsident bezüglich dieses Events im eigenen Land aussen vor ist. Er ist bedeutungslos und hat sich diesbezüglich weder zu äussern noch einzumischen, auch wenn er das anders einschätzen mag.
Dass die Mannschaft des Irans auf dem Staatsgebiet der Vereinigten Staaten spielen soll, ist selbstverständlich ein geradezu unhaltbarer Zustand. Oder juristisch: Dem Iran ist es nicht zumutbar, dass er gemäss Regularien (durch den Turnierkalender) gezwungen wird, in den USA zu spielen. Schliesslich will der unberechenbare US-Präsident den Iran ausradieren, auslöschen, wie er permanent betont. Würde dies – ganz oder ansatzweise – geschehen, wäre es für die Nationalmannschaft Irans ziemlich unmöglich, in den USA anzutreten… Falls es mit dem Ausradieren und Auslöschen des Irans durch die USA doch nichts werden sollte, kommt die FIFA ins Spiel. Sie hätte es in der Hand, mit Blick auf den Ablauf der WM-Endrunde für klare und faire, sportliche Verhältnisse zu sorgen. Der Weltverband hätte in Anbetracht der chaotischen Weltlage bezüglich der WM-Endrunde Optionen: Er könnte sie abzusagen, verschieben, oder was auch immer, die Spielorte ändern. Ein gewaltiger Vorteil bietet das Schweizer Vereinsrecht. Beschlüsse der zuständigen Verbandsorgane erwachsen nicht in materielle Rechtskraft und lassen sich bei Bedarf ändern, der Situation anpassen. Doch eben, die WM-Endrunde wird wie vorgesehen und geplant stattfinden. Mit allen Mitteln hat vor allem der FIFA-Präsident den Anlass in den USA in die «Generalkompetenz» des US-Präsidenten hineinkatapultiert. Mit der Vergabe u.a. des «FIFA-Friedenspreises» an den US-Herrscher und Kriegsführer im «Weissen Haus» Ende des letzten Jahres hat sich die FIFA in eine unsägliche Abhängigkeit US-Politik begeben. Der FIFA-Präsident hat damit die Autonomie des Weltverbandes total ausgehöhlt und sich jeglicher Entscheidungsfreiheit bezüglich der Austragung sowie mit Blick auf Austragungsmodalitäten des WM-Endrunden-Turniers beraubt. Konkret wäre es letztlich angebracht und adäquat, dass die Nationalmannschaft des Irans ihre WM-Endrunden-Spiele nicht in den USA austragen muss! Die FIFA ist allerdings in Anbetracht der Abhängigkeiten zu den USA offensichtlich nicht einmal mehr im Stande, eine solche Entscheidung zu fällen und durchzusetzen. Ein Vereinsbeschluss im Rahmen der FIFA würde genügen, und wäre etwa gleichzusetzen mit einem «deus ex machina», der die geordnete und korrekte Durchführung der WM-Endrunde in diesem Jahr garantieren könnte (nochmals apropos Beschlüsse von Vereinen und Verbänden: Diese können immer korrigiert, geändert werden). Aktuell befindet sich der Weltverband am Gängelband der USA. Bezüglich dieser delikaten Thematik ist der aktuelle FIFA-Präsident, der den US-Präsidenten mehrmals als seinen «besten Freund» – oder haben wir hier etwas überhört oder falsch verstanden? – nicht nur des Fussballs bezeichnet haben soll (2018 im Vorfeld und anlässlich der WM-Endrunde in Russland war dies der Kriegsführer im Kreml! Selbstverständlich längst, bevor dann Russland am 24. Februar 2022 den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine begann), weder willens noch in der Lage, den anstehenden Fussball-Grossanlass geordnet, seriös, fair und vereinsrechtskonform durchzuführen. Dass die FIFA gemäss eigenen Statuten die Menschenrechte respektieren soll, erscheint als reine Marginalie.
Wer sich in Geiselhaft befindet, kann gar nichts mehr – nicht einmal mehr eine Entscheidung zum Wohle des Sports fällen, konkret, dass der grösste Fussball-Anlass der Welt in diesem Jahr nicht in der Kloake der Weltpolitik und kriegerischer Auseinandersetzungen versinkt. Was bei dieser Konstellation offenbar unbeachtet bleibt ist der Umstand, dass für die konforme Durchführung dieses Anlasses in den USA, in Kanada und in Mexiko einzig und alleine die FIFA verantwortlich ist, die WM-Endrunde ist eine Angelegenheit des Schweizer Vereins FIFA. Den aktuellen FIFA-Präsidenten trifft durch seine Anbiederungen gegenüber dem Herrscher im «Weissen Haus», dem an sich die WM-Endrunde im eigenen Land relativ gleichgültig ist, und durch sein devotes Verhalten allenfalls auch eine persönliche Verantwortung (Art. 55 Abs. 3 des ZGB).

