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2022 und 2026: Kriege unmittelbar nach dem «Olympischen Frieden»

causasportnews.com – 21/2026, 3. März 2026

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(causasportnews / red. / 3. März 2026) Es ist derzeit fast einfacher, die Länder aufzuzählen, die in keine kriegerischen Ereignisse verwickelt sind, als umgekehrt. Aktuell hält der Krieg, den die USA und Israel gegen den Iran führen, die Menschheit in Atem. Krieg zur Friedenssicherung lautet die Sprachregelung des greisen amerikanischen Präsidenten, dem das Völkerrecht so gleichgültig ist wie dem Berg, der die Maus geboren hat. Das Ende des Völkerrechts zeichnete sich bereits im vergangenen Jahr ab, und jetzt ist es definitiv: Es hat abgedankt. Seit der jetzt dann 80jährige, amerikanische Präsident im «Weissen Haus» wütet, der bald 74 Jahr alte, russische Diktator im «Kreml» herrscht und der bald 73jährige, chinesische Machthaber aus «Zhongnanhai» seine undurchsichtigen Fäden spinnt und offenbar Vorbereitungen trifft, um gegen Taiwan loszuschlagen, versinkt die Welt immer mehr im Chaos. Den einflussreichsten Rentnern auf dieser Erde, deren Tage auf dem Planeten eh gezählt sind, ist die Macht wichtiger als jede friedensstiftende, durch Humanität geprägte Rechtsordnung auf der Welt. Der Flächenbrand, den der nun von den USA, Israel und Iran angezettelte Krieg ausgelöst hat, ist zwischenzeitlich auch auf Europa übergeschwappt.

Jetzt freute sich die Menschheit soeben an den Olympischen Winterspielen in Mailand und  Cortina d’Ampezzo – und nun das. Vom 6. bis zum 22. Februar 2026 dauerten die Spiele in Italien. Am 28. Februar, also sechs Tage nach Beendigung der grössten globalen Sportveranstaltung, begannen die USA und Israel den rechtswidrigen Krieg gegen den Iran, der sich ebenso völkerrechtswidrig verhält. Frieden schaffen durch Bomben und Waffen lautet das Motto. Wie wenn das jemals gelungen wäre. Aber wenigstens hat der Weltfussball-Verband FIFA den hauseigenen Friedenspreis quasi als Vorschuss dem US-Präsidenten verliehen! Trotz des Welt-Chaos’, das herrscht, scheint eine Tradition im Zusammenhang mit Olympischen Spielen wenigstens einigermassen  Bestand zu haben: Der «Olympische Frieden» (altgriechisch «Ekecheiria» – das Zurückhalten der Hände). Dieser Frieden basiert auf einer uralten Tradition, welche im antiken Griechenland gewahrt wurde. Während der Spiele sollten die Waffen ruhen oder bestehende Feindseligkeit eingestellt werden. Diese «Kampfpause» oder Nichtangriffs-Regelung sollten Athleten und dem Publikum eine sichere Teilnahme an den Spielen ermöglichen. Ob diese Tradition Donald Trump und dem bald 77jährigen Benjamin Netanjahu eine Überlegung wert war, als sie sich entschlossen hatten, den Krieg gegen den Iran nur sechs Tage nach Beendigung der Olympischen Spiele in Italien (am Ruhetag Sabbat!) zu beginnen? Vielleicht. Wie ein anderer Feldherr im Osten, der zuwartete, bis die Olympischen Spiele in Peking 2022 am 20. Februar 2022 vorbei waren? Wladimir Putin begann seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg vier Tage nach Beendigung der Olympischen Spiele in Peking, am 24. Februar 2022. Klar, der Russe wollte dem Chinesen, einem Sympathisanten im Geiste, die Olympia-Bühne von Peking nicht zerstören und wartete mit dem Kriegsbeginn ein paar Tage zu, bis die Spiele im «Reich der Mitte» vorüber waren. Und nun aktuell: Wollte der US-Präsident seiner italienischen Gesinnungsgenossin Giorgia Meloni die Olympia-Aufmerksamkeiten durch die Welt durch einen Kriegsbeginn während der Spiele in Italien nicht entziehen? Schon im alten Griechenland war der «Olympische Frieden» nicht selten von Opportunismus geprägt.

Das alles ist natürlich nur Zufall. Wladimir Putin hätte nach den Olympischen Spielen von Peking nicht noch vier Tage bis zum Kriegsbeginn zuwarten müssen. Auch Donald Trump hätte schon während der Spiele in Mailand und Cortina zuschlagen können. Er wartete jedoch das Ende der Veranstaltung ab.

Die Geschichte wiederholt sich auch in Bezug auf sportliche Ereignisse. Entsprechend verhielten sich Russland und die USA nach den Olympischen Spielen 2022 in Peking und 2026 in Mailand und Cortina. Eine weitere Parallele ist frappant. Wladimir Putin nannte den Angriff auf die Ukraine eine «Spezialoperation». Sie wurde wohl zur längsten «Operation» der Geschichte und dauert nun schon über vier Jahre. Donald Trump rechnete wohl im Iran mit einem Kurzeinsatz: Rübe von Ali Chamenei ab – und der «Deal» ist perfekt. Doch jetzt wird klar: Dieser Krieg und die Folgen werden die Menschheit über längere Zeit nachhaltig treffen. Ob Zufall oder nicht: Die Gesetzmässigkeit des «Olympischen Friedens» scheint stärker zu sein als das Völkerrecht.