causasportnews.com – 13/2026, 9. Februar 2026

(causasportnews / red. / 9. Februar 2026) Seit dem vergangenen Wochenende sind die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina im Gange. Der sportliche Höhepunkt der Spiele in Italien ist bereits Geschichte. Die Abfahrt der Männer ist vom Wert und vom Attraktivitätsgrad in etwa gleichzusetzen mit dem 100 Meter Sprint-Finale der Leichtathleten an den Olympischen Sommerspielen oder an Leichtathletik-Weltmeisterschaften.
Der Schweizer Franjo von Allmen triumphierte zum Auftakt der Spiele in dieser Königsdisziplin des alpinen Rennsports. Nur einen Tag später tat es die Amerikanerin Breezy Johnson in der Frauen-Abfahrt ihrem Schweizer Kollegen gleich. Nach dem Weltmeistertitel vor einem Jahr konnte sie in Cortina das Abfahrtsrennen gewinnen. Genauso wie Franjo von Allmen. Nicht nur beim grossen Favoriten bei den Männern, Marco Odermatt, flossen die Tränen nach dem undankbaren 4. Rang in der Abfahrt. Noch dramatischer und tränenreicher ging es in der Frauen-Abfahrt zu und her, wenn auch aus anderen Gründen. Lindsey Vonn blieb an einem Tor hängen und landete schliesslich auf der Intensivstation. Die Fahrt der 41jährigen Amerikanerin war bereits nach ein paar Sekunden Renndauer beendet. Sie verletzte sich gravierend und bescherte sich und dem alpinen Ski-Rennsport unglaubliches Drama, ja, eine Tragödie sonderegleichen.
Wer den Schaden hat (wie Lindsey Vonn) sieht sich insbesondere mit Kritiken konfrontiert. Die Amerikanerin wollte dieses Rennen um jeden Preis gewinnen («Sieg oder Sturz»); auch eine Kreuzbandverletzung sollte sie nicht von diesem Ziel abbringen. Niemand hatte eine Chance, um die Ski-Queen aus Beverly Hills in Kalifornien von diesem Unterfangen, das durchwegs als «Zwängerei» qualifiziert wurde, abzuhalten. Lindsey Vonn war nicht zu bremsen, und niemand konnte sie vom Rennverzicht überzeugen. Der Rennunfall der Amerikanerin war allerdings nicht nur die Folge einer «Zwängerei», sondern er zeigte auch (und Zwischenfälle, wie ein weiterer, schwerer Sturz von Cande Moreno, Andorra, in der Abfahrt belegen dies), dass die Abfahrten bei den Männern und bei den Frauen einfach zu schnell geworden sind. Die beiden minutenlangen Renn-Unterbrüche in der Abfahrt der Frauen, bedingt durch Bergungsarbeiten und Abtransporte der Verletzten mit Helikoptern, führten dazu, dass die Abfahrt in zeitlicher Hinsicht massive Verzögerungen erfuhr. Die Kritiker des Abfahrts-Rennsports, die von einer «sinnlosen Raserei» sprechen, konnten durch diese Vorkommnisse nicht ins Unrecht versetzt werden. Gerade die Tragödie um Lindsey Vonn befeuerte die Diskussion um die Verantwortlichkeiten in dieser Sportart. Die Organisatoren und Renn-Funktionäre rücken nach dem Rennen die «Eigenverantwortung» der Athletinnen und Athleten in den Vordergrund. Diese Denkweise greift zu kurz. Letztlich müssen sich die Athletinnen und Athleten mit den Pisten, welche ihnen vorgesetzt werden, abfinden. Widerstand ist zwecklos. So gesehen wird Organisatoren und Funktionären auch eine juristische Verantwortung überbürdet werden, wenn in den Abfahrtsläufen im Hochgeschwindigkeitsbereich Athletinnen und Athleten zu Schaden kommen. Zwar ist es eine Augenweide, dem «Kraft-Paket» Franjo von Allmen zuzusehen, wenn er seine Siege realisiert, dabei aber ans absolute Limit geht. Der geneigte Zuschauer ist jedes Mal erleichtert, wenn der Berner heil im Ziel angekommen ist. Wie schnell ist das Limit im Abfahrts-Rennsport überschritten. Siehe die Fahrt von Lindsey Vonn in der Olympia-Abfahrt. Die Devise: «Sieg oder Tragödie» ist wohl eine zynische Konklusion.
