causasportnews.com – 12/2026, 7. Februar 2026

(causasportnews / red. / 7. Februar 2026) Nun haben sie also begonnen, die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und in Cortina d’Ampezzo. Wenn am Schlusstag, am 22. Februar 2026, die Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), Kirsty Coventry aus Simbabwe, dann die Spiele für beendet erklären wird, dürfte ihre Schlussbilanz mit Sicherheit so ausfallen: Es waren die besten Winterspiele, welche die Welt je gesehen hat. Waren sie das? In den Augen des mit älteren Damen und Herren durchsetzten IOK, einem Verein nach Schweizerischem Recht, wird das so sein. Eher nicht, wird der unbefangene Betrachter ein entsprechendes Fazit ziehen. Die «Neue Zürcher Zeitung» bringt es erstaunlicherweise realistisch auf den Punkt: «Die Olympischen Winterspiele haben einen miserablen Ruf.» («NZZ» vom 5. Februar 2026). Die Spiele bräuchten eine tiefgreifende Reform, den Spielen fehle, global gesehen, ein sportliches «Zugpferd» (aktuell werden 116 Medaillensätze vergeben); sie seien deshalb in vielen Teilen der Welt irrelevant, die Vergaben der Spiele seien in vielerlei Hinsicht mehr als fragwürdig (Russland 2014, Südkorea 2018, China 2022), die mangelnde Nachhaltigkeit von Sportstätten sei nicht gewährleistet, die Umweltbelastung gigantisch. So verwundere es nicht, dass das Interesse an den Winterspielen weltweit massiv gesunken sei, insbesondere beim finanziell relevanten TV-Publikum. Die Vergabe der Spiele werde immer schwieriger bis unmöglich, schreibt die «NZZ». Gut, dass die Schweiz 2038 die Winterspiele ausrichten will. Durch die Avancen des IOK fühlt sich die Schweiz geschmeichelt und bemüht sich um Olympia in zwölf Jahren. Auch im IOK ist man sich bewusst: Es steht jeder Tag ein Dummer auf, man muss ihn nur finden…
Das heisst, auf einen Nenner gebracht: Die Olympischen Winterspiele sind aus der Zeit gefallen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Sport und Politik je länger desto weniger trennen lassen. Politik und kriegerische Handlungen weisen dabei bis zu einem gewissen Grad Parallelen auf. Doch auch hier sorgte das IOK mit Blick auf die Spiele in Italien vor und lässt rund 20 Athletinnen und Athleten aus Russland und Weissrussland an den Olympia-Wettkämpfen teilnehmen. Ein relativierter «olympischer Friede» wird so mit einem «Kunstgriff» gewährleistet. Das vierjährige Hauen und Stechen in der Ukraine mit hunderttausenden von Toten und Verwundeten wird marginalisiert. In Italien gehen Sportlerinnen und Sportler als neutrale, unabhängige Aktive in die Wettkämpfe.
Das passt zur Linie des Welt-Fussballverbandes FIFA, der sich in der bevorzugten Position sieht, eine einzige, weltweit beliebte Sportart vertreten zu können, eben den Fussball. Russische Teams auf allen Ebenen sind seit 2022, als der Krieg gegen die Ukraine losgetreten wurde, vom internationalen Fussball-Spielbetrieb der FIFA und der UEFA ausgeschlossen. Das will nun der amtierende FIFA-Präsident Gianni Infantino baldmöglichst ändern. Der Ausschluss Russlands aus dem internationalen Fussball habe nichts gebracht, nur Frustration und Hass, schwadronierte der FIFA-Präsident in einem Interview. Natürlich will der Italo-Schweizer mit dieser Charme-Offensive einzig die Stimmung in Russland und in den zugewandten Nationalverbänden optimieren. Vor allem braucht er deren Stimme, um im kommenden Jahr nochmals als FIFA-Präsident gewählt werden zu können. Ob dies satzungsrechtlich überhaupt möglich ist, bildet ein umstrittener Diskussionspunkt. Wenn Gianni Infantino Russland und die mit Russland paktierenden Länder, bzw. Nationalverbände, hinter sich hat, könnte die erneute Wahl des bald 56jährigen Wallisers 2027 durchaus nochmals gelingen. Die angedachte Aufhebung der Russland-Sperre im internationalen Fussball ist also eher ein Wahlkampfmanöver als eine sport-philanthropische Geste. In der FIFA mit 211 Nationalverbänden als Mitglieder gilt immer noch die «Joseph Blatter-Doktrin», wenn es um Wahlen geht: Man muss die Schafe zählen, nicht wägen.
