Simon Ammanns Olympia-Traum ist ausgeträumt

causasportnews.com – 10/2026, 10. Januar 2026

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(causasportnews / red. / 30. Januar 2026) Wie war das schon mal mit Ikarus, der sich aufmachte, das Unerreichbare zu erreichen, das Unsichtbare zu sehen und das Unfassbare zu fassen? Plötzlich war es dann zuviel, als er sich der Sonne zu stark näherte und seine Flügel schmolzen. Das Ende ist bekannt.- Wie war es mit Simon Ammann, dem heute 44jährigen Weltklasse-Skispringer, der 2002 und 2010 mit seinen Flügen vier Olympische Goldmedaillen holte und so das erreichte, was noch nie zuvor und danach einem Schweizer gelang? «Flieg, Simi, flieeeeeg», brüllte ein Reporter 2002 in Salt Lake City ins Mikrophon, als der bübische Toggenburger seinen zweiten Golf-Flug absolvierte und die Sportwelt sowie die Schweiz in Ekstase versetzte. Unbeschadet, ja kalkuliert und wohl-dosiert erreichte Simon Ammann das, was Ikarus letztlich vergönnt blieb. Der Traum vom Fliegen nahm beim Naturburschen aus der Ostschweiz ein glückliches Ende; und das gleich zweimal. Was 2002 in Salt Lake City begann, wiederholte Simon Ammann acht Jahre später in Vancouver. Vier goldene Medaillen – das war schlicht unfassbar.

Im Moment schaut die Welt in Richtung Italien. Vom 6. bis 22. Februar werden in Milano und in Cortina d’ Ampezzo die Olympischen Winterspiele durchgeführt. Ohne Simon Ammann allerdings. Es wäre wohl vermessen gewesen, damit zu kalkulieren, dass der Toggenburger in Italien weiteres Olympia-Gold gewinnen könnte. Aber wer weiss…

175 Athletinnen und Athleten aus der Schweiz sind für die Spiele selektioniert worden. Simon Ammann wird die Grossveranstaltung nicht vor Ort miterleben können und sich mit TV-Übertragungen genügen müssen. Sieben Mal war er an Olympia dabei. Nun wird es ihm verwehrt, zumindest einen Teilnahmerekord zu brechen und etwa mit der grandiosen Deutschen Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gleichzuziehen. Simon Ammann hat die sportlichen Kriterien für eine Olympia-Selektion knapp verpasst. Die Selektionäre gaben dem 19jährigen Springer-Talent Felix Trunz den Vorzug. «Was erlauben Trunz», titelte die Zeitung «Blick» in Anlehnung an den legendären Wutausbruch damals von Giovanni Trapattoni i.S. Thomas Strunz. Dieses Jung-Talent soll in Italien Erfahrungen für die Zukunft auf Welt-Niveau sammeln. Das mag richtig sein, doch die Mehrheit der Schweiz hätte wiederum gerne Simon Ammann noch einmal und vielleicht letztmals fliegen sehen. Hätte man ihn aus Dankbarkeit, in Anerkennung seiner grossen Erfolge, aus psychologischen Gründen für Olympia selektionieren sollen? Das wäre wohl zumindest nicht falsch gewesen. Simon Ammann bleibt in der Selektions-Niederlage ein grosser Sportler und hadert nicht damit, dass den Selektionären das Fingerspitzengefühl fehlt. Schon gar nicht hätte er allenfalls juristische Schritte ins Auge gefasst, um eine Selektion für die achte Teilnahme an den Spielen auf diese Weise zu erzwingen. Der 44jährige Überflieger, der in Salt Lake City und Vancouver Sportgeschichte schrieb, findet sich mit der Selektionsentscheidung klaglos, ohne Protest und ohne instrumentalisiertes Mediengetöse ab. Das dürfte ihm nicht so schwerfallen, wenn er Äusserungen wie diese von den selektionierenden Funktionären hört. Da sagte doch der Schweizer Delegationsleiter, Ralph Stöckli, den Medienvertreterinnen und -vertretern wörtlich: «Es ist nicht mehr zeitgemäss, den Erfolg einer ganzen Delegation an der Anzahl Medaillen zu messen.» (z.B. NZZ vom 28. Januar 2026). Der vierfache Gold-Medaillen-Gewinner Simon Ammann dürfte eine solche Äusserung verwundert zur Kenntnis nehmen. Und so wohl den Selektionsentscheid gegen ihn verstehen…

Simon Ammann hat seine Olympia-Träume gelebt und akzeptiert, dass diese nun definitiv ausgeträumt sind.

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